Ärger im Schützenverein Nur ein Christ darf König sein

Die Freude währte kurz: Kaum wurde Mithat Gedik Schützenkönig im westfälischen Sönnern, da soll der 33-Jährige schon wieder abdanken - weil er kein Christ ist, wie es die Vereinsstatuten erfordern.

Schützenkönig Mithat Gedik: Der Muslim soll die Königskette zurückgeben
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Schützenkönig Mithat Gedik: Der Muslim soll die Königskette zurückgeben


Werl - Der Eintrag auf der Vereinsseite lässt keine Zweifel zu, wer die Regentschaft bei der Schützenbruderschaft Sönnern-Pröbstingübernommen hat: "Mithat Gedik ist der neue König", steht dort, neben einem Foto mit dem lächelnden Sieger samt Filzhut, Frau und Kindern. Der Beitrag ist auf den 28. Juli datiert, doch in den vergangenen Tagen ist die Freude Verwirrung gewichen: Gedik soll seinen Titel wieder abgeben - weil er kein Christ ist.

Der 33-jährige türkischstämmige Muslim ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, er belegte katholische Religion als Abiturfach und leitet als Kaufmann die Niederlassung eines großen Unternehmens in Mannheim. Mit seiner Frau und den vier Kindern lebt er im westfälischen Sönnern, einem Stadtteil von Werl. Er ist in der freiwilligen Feuerwehr aktiv und im Vorstand des örtlichen Schützenvereins. Und gerade mit diesem Engagement und der Spitzenleistung, die ihn zum König machte, hat er eine Diskussion um Brauchtum, Toleranz und Integration losgetreten.

Wie der "Westfälische Anzeiger" berichtet, soll Gedik seinen Titel aus Gründen der Religion wieder abgeben. Denn ein muslimischer Schützenkönig - das geht dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) zu weit: Beim Bezirksschützenfest darf der König aus Sönnern ihrer Ansicht nach nicht antreten. Als Dachverband wacht der Verein auch über die St. Georg-Bruderschaft, wo Gedik bereits König ist. Ein Widerspruch?

Eine "Vereinigung von christlichen Menschen"

"Wer lesen kann, ist klar im Vorteil", sagt der Sprecher des BDHS, Rolf Nieborg. "Die haben ihre eigene Satzung nicht gelesen." Gedik hätte demnach überhaupt nicht Mitglied der Bruderschaft in Sönnern werden dürfen. In Paragraf 2 der Satzung heiße es, dass die Bruderschaft "eine Vereinigung von christlichen Menschen" sei.

Offenbar habe sich darüber aber niemand Gedanken gemacht, sagte Nieborg weiter. "Es hat ihn wohl niemand nach seiner Konfession gefragt, weil er so gut integriert ist." Nun habe sich der Verein, dem mit dem muslimischen Schützenkönig der Rauswurf aus dem Dachverband droht, entschuldigt. "Die haben einen Fehler gemacht und wollen den korrigieren. Die könnten den König um Abdankung bitten oder ihn zum Bürgerschützenkönig machen", sagt Nieborg.

Gedik versteht die Forderungen nicht. "Wir haben doch nicht provozieren wollen, sondern wollten nur ein schönes Schützenfest feiern", sagt er. Beim Schützenfest am 18. Juli war die Welt noch in Ordnung. Gedik brachte den Vogel zu Fall und wurde von seinen Schützenbrüdern gefeiert. Beim Schützen-Gottesdienst sprach der Pastor noch von christlichen Werten und Integration, die Lokalzeitung schrieb von dem "hohen Ansehen", das Gedik und seine Familie im Ort genießen. Und jetzt das.

Nur oberflächliche Integration

"Es ist mir völlig unverständlich, dass wir im 21. Jahrhundert solche Diskussionen führen müssen", sagt Gedik. Besonders bedenklich findet er, dass seinem Brudermeister aus den Reihen des Dachverbandes empfohlen wurde, ihn zum Konvertieren aufzufordern. Doch er habe in den vergangenen Tagen auch viel Zuspruch bekommen.

Für Gedik ist durch die Geschichte deutlich geworden, dass Integration in diesem Land häufig nur oberflächlich funktioniert. "Da ist Deutschland doch noch nicht so weit." Das sieht BHDS-Sprecher Nieborg anders: "Wenn ich in einen Fußballverein gehe, kann ich auch nicht sagen: 'Wir spielen jetzt Handball'. Man muss sich an die Satzung halten."

Der Sönneraner Schützenkönig Gedik will nun gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen überlegen, wie es weitergeht. Ein Rauswurf aus dem Dachverband würde eine Reihe negativer Folgen nach sich ziehen. Der Wechsel zum Sauerländer Schützenbund, dessen Reglement einen nicht-christlichen Schützenkönig zulässt, ist auch keine Option, sagt Nieborg: "Abtrünnige werden in den anderen Verbänden nicht aufgenommen."

Jörg Taron/dpa/emt

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 243 Beiträge
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Seite 1
and_over 03.08.2014
1. Satzung ändern,
fertig.
kantundco 03.08.2014
2. Für irgendetwas muss sich der potenzielle Schützenkönig
entscheiden: Religionswechsel oder Schützenkönigdasein. Doppelpass gibt es nicht. Vielleicht reicht es ja auch, sich zu den christlichen Werten zu bekennen, denn nach den zitierten Statuten könnte das auch funktionieren. Damit sollte der Iman dann wohl keine Probleme haben.
hors-ansgar 03.08.2014
3. Artikel 1 des Grundgesetzes
Oder gilt der nicht für Schützenvereine? Mir aber sowieso ein Rätsel wie man Gefallen an diesen pathetisch aufgeladenen Massenbesäufnissen haben kann.
Untertan 2.0 03.08.2014
4. Modernisierung
Das wäre doch mal eine gute Gelegenheit die Satzung zu überarbeiten. Die Konfession spielt für die ausgeübte Tätigkeit im Verein doch ganz offensichtlich keine Rolle.
reinerunfug 03.08.2014
5. Satzung ist Satzung,
Zitat von sysopDPADie Freude währte kurz: Kaum wurde Mithat Gedik Schützenkönig im westfälischen Sönnern, da soll der 33-Jährige schon wieder abdanken - weil er kein Christ ist, wie es die Vereinsstatuten erfordern. http://www.spiegel.de/panorama/schuetzenverein-muslim-mithat-gedik-darf-kein-schuetzenkoenig-sein-a-984280.html
im Notfall muss man sie ändern. Dass Gruppierungen z. B. Andersgläubige nicht aufnehmen ist normal... Juden tun das nicht, Mohammedaner auch nicht... Also keine "grüne" Empörung, wenn das Christen tun.. Allerdings ist das bei einem Sportverein albern... Das Gewehr kennt keine Religion.
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