Schuhwurf-Folge: Mutter von Chinas Premier erlitt Hirnblutung
Ein deutscher Student hat vor einem Jahr Chinas Ministerpräsidenten Wen mit einem Schuh beworfen. Nun behauptet der Premier, seine betagte Mutter habe die Attacke damals vor dem Fernseher verfolgt - und dadurch eine Hirnblutung erlitten.
Peking - Auf Fragen nach dem Gesundheitszustand seiner 89-jährigen Mutter verwies der Regierungschef in einem Online-Chat mit Internetnutzern auf den Zwischenfall: "Bei meinem Besuch im vergangenen Jahr in Cambridge passierte eine unerfreuliche Sache, (und) als meine Mutter an jenem Tag Fernsehen schaute, erlitt sie eine Gehirnblutung." Wen Jiabao sagte nach Angaben amtlicher chinesischer Medien vom Dienstag ferner: "Jetzt kann sie nicht gut laufen und leidet unter Problemen mit ihrem Augenlicht. Sie kann nur sehr kleine Ausschnitte sehen."
Bei einer Rede des Ministerpräsidenten am 2. Februar 2009 in der englischen Universitätsstadt hatte ein deutscher Doktorand lautstark gegen die Menschenrechtspolitik in China protestiert. Der 27-Jährige kritisierte, wie sich die renommierte, 800 Jahre alte Universität mit "diesem Diktator prostituieren" und "all seinen Lügen" zuhören könne. Als Universitätsbedienstete den jungen Mann des Saales verweisen wollten, gelang es ihm, einen Turnschuh in Richtung Wen Jiabaos zu werfen, der den Premier um mindestens einen Meter verfehlte.
Es war eine Nachahmungstat - Vorbild war der irakische Journalist Muntazer al Zaidi, der den damaligen US-Präsidenten George W. Bush knapp zwei Monate vorher in Bagdad mit beiden Schuhen beworfen hatte.
Im Juni 2009 verwarnte ihn eine Gericht, sprach den 27-Jährigen aber von dem Vorwurf der Störung der öffentlichen Ordnung und gewalttätigen Bedrohung frei.
Wen Jiabao hatte nur wenige Tage nach der Schuhattacke um Gnade für den Deutschen gebeten, damit dieser seine Ausbildung fortsetzen könne.
jjc/dpa
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