Konklave: Schwarzer Rauch steigt auf - kein neuer Papst

Konklave: Rauchzeichen aus dem Vatikan Fotos
Getty Images

Der Rauch ist schwarz! Im ersten Wahlgang konnten sich die 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle nicht auf einen neuen Papst einigen. Im Konklave hat also kein Kandidat die nötigen 77 Stimmen erhalten.

Rom - Tausende Menschen auf dem Petersplatz in Rom starrten am Abend gebannt auf den Schornstein auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle - dann, um 19.42 Uhr die Enttäuschung: Dicke schwarze Rauchschwaden kräuselten sich in den nächtlichen Regenhimmel über Rom. Im ersten Wahlgang des Konklaves hat also kein Kandidat die notwendige Stimmenmehrheit erreicht, die Kardinäle konnten sich nicht auf einen Papst verständigen. Dafür sind 77 von insgesamt möglichen 115 Stimmen notwendig, also eine Zweidrittelmehrheit. Die erste Abstimmung gilt als Testwahl.

In den kommenden Tagen wird bis zu viermal täglich über die Kandidaten abgestimmt. Wie lange die Wahl insgesamt dauert, ist ungewiss. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht (hier finden Sie den Zeitplan des Konklaves).

Vor Beginn des Konklaves leistete jeder Kardinal den Schwur zur Geheimhaltung. Die Kardinäle sind komplett von der Außenwelt abgeschottet. In der Sixtinischen Kapelle sind Handys verboten, zur Sicherheit wurden im nachgerüsteten Boden Störsender eingebaut. Auch im Gästehaus Santa Marta, wo die Kardinäle übernachten, gibt es weder Fernsehen noch Radio noch Internet, kein Telefon und keine Zeitung. Auch in den Twitter-Accounts der Purpurträger herrscht Ruhe (hier lesen Sie das Minutenprotokoll zu der Zeremonie in der Sixtinischen Kapelle).

Unter den Papstwählern sind auch sechs deutsche Kardinäle. Vatikan-Kenner grenzen den Kreis der Favoriten auf vier Kardinäle ein. Angeführt wird dieses Quartett vom Mailänder Erzbischof Angelo Scola und dem brasilianischen Erzbischof Odilo Pedro Scherer aus São Paulo (hier mehr zu Erzbischof Scola). Chancen werden auch dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan und dem Kanadier Marc Ouellet zugeschrieben. Je länger das Konklave dauert, desto größere Chancen könnte ein Außenseiter haben.

Es wird damit gerechnet, dass noch in dieser Woche das neue Kirchenoberhaupt feststeht. "Die katholische Kirche wird bis Donnerstag einen neuen Papst haben", hatte der Erzbischof von New York, Timothy Dolan, vor dem Beginn des Konklaves angekündigt. Am 19. März, dem Fest des heiligen Josef, könnte die Messe zur feierlichen Einführung des neuen Pontifex gefeiert werden, schrieb Dolan an die Priester seiner Erzdiözese. Auch die Buchmacher rechnen mit einer Entscheidung für einen neuen Papst am Mittwoch oder Donnerstag.

Nach Beginn des Konklaves protestierten auf dem Petersplatz zwei Frauen "oben ohne" gegen die katholische Kirche. Die beiden Demonstrantinnen entblößten ihre Brüste nahe der Absperrung vor der Sixtinischen Kapelle. Auf ihre Körper hatten sie die Parolen "Kein Papst mehr" und "Keine Pädophilie mehr" geschrieben. Die Polizei nahm die beiden Frauen in Gewahrsam. Bereits zuvor hatten Frauen für mehr Rechte in der römisch-katholischen Kirche demonstriert. Zum Zeichen ihres Protestes gegen das Männer-Monopol in Papst- und Priesteramt ließen sie auf dem Janiculum-Hügel oberhalb des Vatikans rosa Rauch aufsteigen.

Mit einer Eröffnungsmesse im Petersdom hatten sich die Würdenträger am Dienstagvormittag auf die Wahl des 266. Papstes eingestimmt. Kardinaldekan Angelo Sodano rief die Purpurträger und die Kirche zwölf Tage nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. zur Einheit auf. "Wir sind alle aufgefordert, mit dem Nachfolger Petri, dem sichtbaren Fundament jener Einheit der Kirche, zusammenzuarbeiten", sagte er in seiner Predigt.

Benedikt XVI. war vor knapp zwei Wochen aus Alters- und Gesundheitsgründen zurückgetreten. Er hatte sich anschließend auf die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo zurückgezogen.

ulz/han/dpa

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insgesamt 135 Beiträge
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1. Oh Wunder
didger 12.03.2013
Es war doch klar dass kein weißer Rauch aufsteigt.
2. Eilmeldung
G111 12.03.2013
Zitat von sysopDer Rauch ist schwarz! Im ersten Wahlgang konnten sich die 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle nicht auf einen neuen Papst einigen. Im Konklave hat also kein Kandidat die nötigen 77 Stimmen erhalten. Schwarzer Rauch in Rom - kein neuer Papst im Konklave gefunden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/schwarzer-rauch-in-rom-kein-neuer-papst-im-konklave-gefunden-a-888496.html)
Gibt es jetzt bei jedem Rauchzeichen eine Eilmeldung und Tagesschau Aktuell?
3. Viel Rauch
to5824bo 12.03.2013
Zitat von sysopDer Rauch ist schwarz! Im ersten Wahlgang konnten sich die 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle nicht auf einen neuen Papst einigen. Im Konklave hat also kein Kandidat die nötigen 77 Stimmen erhalten. Schwarzer Rauch in Rom - kein neuer Papst im Konklave gefunden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/schwarzer-rauch-in-rom-kein-neuer-papst-im-konklave-gefunden-a-888496.html)
Meine Güte, das war aber eine Menge schwarzer Rauch. Das wurde bestimmt jede Menge Pech beigefügt, damit es alle Kameras auch im Dunkeln erfassen.
4. Relikte einer vergangenen Zeit...
goinz 12.03.2013
Geht's nur mir so? Was gibt es unwichtigeres als diesen blöden Mummenschanz? Für die Welt ist es doch nun wirklich egal welcher Greis da auf seinem Thron sitzt. Ich fände es schön wenn SPON eine Umfrage startet um mal rauszufinden wie viele Menschen in Deutschland da überhaupt interesse dran haben? Welfremde Parallelwelt.
5. krass
amidelis 12.03.2013
Jedes Mal, wenn ich vom Norden nach Hause fahre, überquere ich den Limes. Raus aus Barbarien, rein in die Zivilisation. Dann die Messe. Die Bilder aus Rom. Innerlich gehe ich auf die Knie, denn das IMPERIUM ROMANUM lebt heute noch. Seine Rituale, Seine Herrscher, Seine Legionen, Seine Kultur, Seine Macht, Seine Tribunen, Legaten, Centurionen und Schrift, Seine Rechte, Seine Gesetze, Seine Gebiete, Sein Geld - all das ist Lebendig geblieben, Transzendent geworden. Aus der Herrschaft über Europa, aus seinen Sklaven wurde die Herrschaft über die Himmel und die Seelen. Das Imperium lebt. Und die Tage in denen ein neuer Konsul gewählt wird, sind gleich den Tagen an denen der Senat bestimmte, wer die Stühlen von Romulus und Remus besteigt. Das ist krass und unwirklich und sehr real.
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