Rom - Tausende Menschen auf dem Petersplatz in Rom starrten am Abend gebannt auf den Schornstein auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle - dann, um 19.42 Uhr die Enttäuschung: Dicke schwarze Rauchschwaden kräuselten sich in den nächtlichen Regenhimmel über Rom. Im ersten Wahlgang des Konklaves hat also kein Kandidat die notwendige Stimmenmehrheit erreicht, die Kardinäle konnten sich nicht auf einen Papst verständigen. Dafür sind 77 von insgesamt möglichen 115 Stimmen notwendig, also eine Zweidrittelmehrheit. Die erste Abstimmung gilt als Testwahl.
In den kommenden Tagen wird bis zu viermal täglich über die Kandidaten abgestimmt. Wie lange die Wahl insgesamt dauert, ist ungewiss. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht (hier finden Sie den Zeitplan des Konklaves).
Vor Beginn des Konklaves leistete jeder Kardinal den Schwur zur Geheimhaltung. Die Kardinäle sind komplett von der Außenwelt abgeschottet. In der Sixtinischen Kapelle sind Handys verboten, zur Sicherheit wurden im nachgerüsteten Boden Störsender eingebaut. Auch im Gästehaus Santa Marta, wo die Kardinäle übernachten, gibt es weder Fernsehen noch Radio noch Internet, kein Telefon und keine Zeitung. Auch in den Twitter-Accounts der Purpurträger herrscht Ruhe (hier lesen Sie das Minutenprotokoll zu der Zeremonie in der Sixtinischen Kapelle).
Unter den Papstwählern sind auch sechs deutsche Kardinäle. Vatikan-Kenner grenzen den Kreis der Favoriten auf vier Kardinäle ein. Angeführt wird dieses Quartett vom Mailänder Erzbischof Angelo Scola und dem brasilianischen Erzbischof Odilo Pedro Scherer aus São Paulo (hier mehr zu Erzbischof Scola). Chancen werden auch dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan und dem Kanadier Marc Ouellet zugeschrieben. Je länger das Konklave dauert, desto größere Chancen könnte ein Außenseiter haben.
Es wird damit gerechnet, dass noch in dieser Woche das neue Kirchenoberhaupt feststeht. "Die katholische Kirche wird bis Donnerstag einen neuen Papst haben", hatte der Erzbischof von New York, Timothy Dolan, vor dem Beginn des Konklaves angekündigt. Am 19. März, dem Fest des heiligen Josef, könnte die Messe zur feierlichen Einführung des neuen Pontifex gefeiert werden, schrieb Dolan an die Priester seiner Erzdiözese. Auch die Buchmacher rechnen mit einer Entscheidung für einen neuen Papst am Mittwoch oder Donnerstag.
Nach Beginn des Konklaves protestierten auf dem Petersplatz zwei Frauen "oben ohne" gegen die katholische Kirche. Die beiden Demonstrantinnen entblößten ihre Brüste nahe der Absperrung vor der Sixtinischen Kapelle. Auf ihre Körper hatten sie die Parolen "Kein Papst mehr" und "Keine Pädophilie mehr" geschrieben. Die Polizei nahm die beiden Frauen in Gewahrsam. Bereits zuvor hatten Frauen für mehr Rechte in der römisch-katholischen Kirche demonstriert. Zum Zeichen ihres Protestes gegen das Männer-Monopol in Papst- und Priesteramt ließen sie auf dem Janiculum-Hügel oberhalb des Vatikans rosa Rauch aufsteigen.
Mit einer Eröffnungsmesse im Petersdom hatten sich die Würdenträger am Dienstagvormittag auf die Wahl des 266. Papstes eingestimmt. Kardinaldekan Angelo Sodano rief die Purpurträger und die Kirche zwölf Tage nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. zur Einheit auf. "Wir sind alle aufgefordert, mit dem Nachfolger Petri, dem sichtbaren Fundament jener Einheit der Kirche, zusammenzuarbeiten", sagte er in seiner Predigt.
Benedikt XVI. war vor knapp zwei Wochen aus Alters- und Gesundheitsgründen zurückgetreten. Er hatte sich anschließend auf die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo zurückgezogen.
ulz/han/dpa
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