Zivilschutz in Schweden schlägt Alarm "Die größten Brände werden wir nicht löschen können"

Außergewöhnliche Sommerhitze, wochenlange Trockenheit: In Schweden sind Dutzende Waldbrände außer Kontrolle geraten. Löschflugzeuge aus Südeuropa sind schon im Einsatz - jetzt sollen weitere Länder helfen.

AFP/ TT News Agency

In Schweden weiten sich die heftigen Waldbrände weiter aus. Die Zahl der Feuer stieg inzwischen auf mehr als 50. Gegen einige kämen die Rettungskräfte nicht mehr an, sagte der Chef des Zivilschutzes. "Die größten Brände werden wir nicht löschen können. Hier arbeiten die Einsatzkräfte daran, die Ausbreitung zu minimieren, und warten, dass das Wetter umschlägt", sagte Dan Eliasson.

Das könne allerdings mehrere Wochen dauern, so Eliasson. Es sei die wahrscheinlich ernsteste und schwierigste Situation, in der sich der schwedische Rettungsdienst jemals befunden habe. Auf so große und komplexe Brände sei man personell und technisch nicht vorbereitet gewesen.

Auch Regierungschef Stefan Löfven sprach von einer "weiterhin sehr ernsten Lage". "Wir haben eine Extremsituation", sagte er. Wenn die Waldbrände überstanden seien, werde er Schwedens Zivilschutz stärken. Das Land müsse sich besser auf extremes Wetter vorbereiten.

Fotostrecke

11  Bilder
Waldbrände in Schweden: "Wir haben eine Extremsituation"

Die schlimmsten Feuer wüten wenige Hundert Kilometer nördlich von Stockholm in Mittelschweden. Hier sollen weitere Dörfer evakuiert werden. Bereits am Donnerstag hatten zahlreiche Menschen ihre Häuser verlassen müssen.

Nur 20 Minuten hätten sie gehabt, um ihre Sache zu packen und den Wohnwagen anzuhängen, sagte Evert Hansson im schwedischen Rundfunk. "Jeder im Dorf sollte weg."

Die Feuer greifen rasch um sich, denn in Schweden ist es sehr heiß und sehr trocken. Seit Wochen hat es nicht mehr richtig geregnet. Entwarnung ist nicht in Sicht: Erst am Mittwoch hatte der schwedische Wetterdienst für die folgenden fünf Tage weitere Hitzewarnungen herausgegeben.

Der schlimmste Brand wütet Behördenangaben zufolge in der Kommune Ljusdal. Nach Einschätzung der Rettungskräfte stehen dort allein mehr als 8500 Hektar in Flammen, eine Fläche 25-mal so groß wie der Central Park in New York. Die Feuerfront sei 55 Kilometer lang. Insgesamt seien bislang Wälder im Wert von rund 600 Millionen Kronen (fast 60 Millionen Euro) zerstört worden.

Keine eigenen Löschflugzeuge

Unglaublich schnell habe sich das Feuer ausgebreitet, berichtete auch Evert Hansson. "In nur ein paar Stunden standen große Teile des Waldes in Flammen."

Mit Löschflugzeugen aus Italien und Frankreich sowie norwegischen Helikoptern versuchen die Einsatzkräfte, die Brände unter Kontrolle zu bekommen. Es seien so viele Feuerwehrleute mitgekommen, dass die Spezialflugzeuge von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang im Einsatz sein könnten, sagte ein italienischer Pilot dem Fernsehsender SVT. Inzwischen hat Schweden nach Informationen des Senders auch in Deutschland, Dänemark, Litauen und Norwegen um Hilfe gebeten.

Die Waldbrände setzen zunehmend auch die schwedische Regierung unter Druck. Die konservative Oppositionspartei Kristdemokraten kritisierte, Schweden bestehe zu 70 Prozent aus Wald, habe aber keine eigenen Löschflugzeuge. Löfven betonte, wichtig sei nicht, wer das Flugzeug besitze, sondern dass Schweden im Notfall darauf zurückgreifen könne. "Lasst uns diese Diskussion später führen, wir werden das gründlich auswerten. Jetzt liegt mein Fokus darauf, diese Brände hier und jetzt zu löschen", sagte er.

wit/dpa

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.