Schweiz: Einsiedler lagerte hundert Kilogramm Sprengstoff

Mehr als drei Jahrzehnte lang lebte Sepp M. in einer Wellblechhütte im Wald, nun fand die Polizei die Leiche des 80-Jährigen. In seinen illegal errichteten Bauten stießen die Beamten auf hundert Kilogramm Sprengstoff, in einer Werkstatt lagerte er Schusswaffen.

Leichenfund in der Schweiz: Einsiedler lagerte hundert Kilogramm Sprengstoff Fotos
Kapo AI

Er hatte seine Behausung mit Stacheldraht umzäunt, mitten in einem Wald nahe dem Dorf Brülisau im Schweizer Kanton Appenzell baute sich Sepp M. sein eigenes Reich aus Wellblech. In einer Mitteilung der Polizei hieß es, das Areal sei von außen praktisch nicht einsehbar, auch aus der Luft sei nicht zu erahnen gewesen, was der Mann hier in den vergangenen Jahrzehnten errichtet hatte.

Im Dorf, so berichten es Schweizer Medien, kannten alle Sepp M., den Einsiedler. Nun ist der 80-Jährige tot. Angehörige riefen die Polizei, nachdem sich der Mann längere Zeit nicht gemeldet hatte. Die Beamten fanden nach längerer Suche seine stark verweste Leiche in einem der Räume, die er illegal in den Wald gebaut hatte. Sepp M. starb eines natürlichen Todes.

Die Beamten stießen in dem Waldstück auf Unrat, alte Motoren - und auf rund hundert Kilogramm Sprengstoff der Sorte "Gamsit". In einer Werkstatt, die der Mann im Dorf gemietet hatte, fanden sie zudem drei Gewehre und ebensoviele Faustwaffen.

Ein Polizeisprecher sagte SPIEGEL ONLINE, der Sprengstoff sei mehrere Jahrzehnte alt. Auch die Waffen seien älterer Bauart. Es sei früher nicht ungewöhnlich gewesen, Sprengstoff zu lagern, so der Beamte. Er sei zum Beispiel benutzt worden, um Wege freizusprengen. "Es kommt immer mal wieder vor, dass wir in Häusern von Verstorbenen auf Sprengstoff und Waffen stoßen." Früher habe jedermann Sprengstoff lagern können, heute gelten strenge Vorschriften.

Sepp M. hatte sich im Wald per Dieselaggregat und Windrad mit Strom versorgt. Den Treibstoff lagerte er in mehreren Fässern. Mit einem selbstgebauten Lift konnte er Waren in seinem an einem Hang errichteten Bau hoch- und runterbewegen. Auf dem Gelände lagen alte Maschinen und Motoren.

Im Dorf war Sepp M. als Tüftler bekannt, er reparierte elektronische Geräte für die Bewohner, aß regelmäßig im Restaurant zu Mittag. "Er konnte alles flicken. Den Hausfrauen von Brülisau hat er jede Kaffeemaschine wieder zum Laufen gebracht. Er war ein Genie", sagte der Bruder des Toten dem Boulevardblatt "Blick". Ihm gehört das Waldstück, in dem Sepp M. lebte.

"Sepp hat nie eine Lehre gemacht. Früher arbeitete er als Knecht. Dann lange als Mechaniker in einer Appenzeller Kiesgrube, später bei einem Elektrogeschäft", sagte Bruder Franz. Sepp habe "1962 oder 1963 mit dem Bau begonnen, ganz plötzlich". Im Oktober 1977 sei er in den Wald gezogen, "ab dann wohnte er halt einfach dort". Nach einem Erbstreit habe er seit 1997 nicht mehr mit Sepp gesprochen und sei nie in dessen Haus gewesen.

bim

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