Schweiz Bergsturz in den Alpen - mehrere Vermisste

In der Schweiz haben sich riesige Gesteinsmassen vom fast 3400 Meter hohen Piz Cengalo gelöst - und offenbar mindestens acht Menschen verschüttet. Unter den Vermissten sind auch Deutsche.

Michele Battoraro

Nach einem Bergsturz im Schweizer Kanton Graubünden werden acht Menschen vermisst, darunter nach Angaben der Kantonspolizei auch Deutsche und Österreicher.

Sie hätten sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Gebiet des Bondascatals aufgehalten, berichtete die Kantonspolizei. Die meisten von ihnen hätten zum Zeitpunkt des Unglücks vermutlich eine Wanderung unternommen. Nach den Vermissten werde vor allem mit Hubschraubern gesucht.

Bei dem Bergsturz am 3369 Meter hohen Piz Cengalo sei eine enorme Geröllmasse abgegangen, sagte eine Polizeisprecherin. Schätzungen zufolge donnerten bis zu vier Millionen Kubikmeter Schlamm und Gestein gen Tal - das ist mehr, als die Außenalster in Hamburg an Volumen fasst.

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Schweiz: Bergsturz in Graubünden

Die Erdbebenwarte in Zürich registrierte den Bergsturz mit ihren Geräten wie ein kleines Erdbeben.

In dem Wandergebiet gebe es zwei Hütten, sagte die Polizeisprecherin weiter. Bewohner und Besucher der Hütten sowie einige Wanderer seien bereits am Mittwoch mit dem Hubschrauber ausgeflogen worden.

Die Schweizer Zeitung "Blick" berichtete, in der Region hätten Mobiltelefone nicht überall Empfang. "Wir hoffen, dass dies der Grund ist, weshalb wir nicht alle im Gebiet vermuteten Personen erreichen konnten", sagte ein Polizeisprecher dem Blatt.

Die graue Masse schob sich unter anderem direkt an dem Ort Bondo vorbei, dessen 100 Einwohner evakuiert wurden. Verletzt wurde in dem Dorf niemand, weil es ein Alarmsystem hat. Das hatte rechtzeitig vor dem Murgang, wie das Geschiebe heißt, gewarnt. Bondo liegt an der Grenze zu Italien, rund 35 Kilometer südwestlich von St. Moritz.

Auf Fotos war zu sehen, dass in Bondo eine große Fläche mit Schlamm und Gestein überzogen war. Die Erdmassen reichten bis zu den Häusern. Nach Angaben der Polizei wurden zwölf landwirtschaftliche Gebäude, darunter Scheunen und Ställe, durch den Erdrutsch zerstört.

"Bergstürze lassen sich mit technischen Mitteln nicht verhindern", schreibt die Nationale Plattform Naturgefahren (Planat). Gefährdete Gebiete sollten gemieden werden. Am Piz Cengalo waren 2011 schon einmal größere Felsstücke abgebrochen. Eine ähnliche Menge Geröll stürzte ab, blieb aber im hinteren Teil des Bondascatals liegen.

mxw/AFP/dpa



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