Ermittlungen nach Flugzeugabsturz Keine Blackbox, kein Notruf

20 Menschen starben bei einem Flugzeugabsturz in den Schweizer Alpen. Die Ursachenforschung stellt Ermittler vor eine schwierige Aufgabe - denn es gibt keine technischen Aufzeichnungen zu dem Unglücksflug.

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Auf die Flugzeugermittler wartet nach dem Flugzeugabsturz in den Schweizer Alpen mit 20 Toten eine schwierige Aufgabe: Anders als moderne Flugzeuge hatte die 79 Jahre alte Maschine vom Typ Junkers Ju-52 keine Blackbox an Bord.

Zudem gibt es in Bergtälern wie dem, wo die Maschine abstürzte, nur wenige Radaraufzeichnungen, wie der Unfallermittler der Sicherheitsuntersuchungsstelle berichtete. Damit fehlen technische Aufzeichnungen zu dem Unglücksflug, die den Experten beim Erkunden der Absturzursache helfen könnten.

Die beiden Piloten sowie die anderen 18 Menschen in der Maschine kamen bei dem Unglück am Samstag ums Leben. Unter ihnen waren 17 Schweizer sowie ein österreichisches Paar mit Sohn. Die Insassen waren 42 bis 84 Jahre alt.

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Katastrophe mit 20 Toten: Absturz in den Alpen

Die Oldtimer-Flüge mit der "Tante Ju", wie die Maschine genannt wird, sind in der Schweiz beliebt. Die Maschine kennen viele auch aus dem Kino: So war das Flugzeug unter anderem im Film "Operation Walküre" mit Tom Cruise im Einsatz. Sie wurde seit den frühen Dreißigerjahren tausendfach gebaut und ist noch heute wegen ihrer charakteristischen Wellblechhaut und den drei Motoren bekannt. Die jetzt verunglückte Maschine war 1939 im deutschen Dessau gebaut worden.

Mehr als 14.000 Passagiere hat die Fluggesellschaft Ju-Air in 35 Jahren bei Rundflügen über die Alpen geflogen. Für einen 40-minütigen Rundflug zahlen Gäste circa 182 Euro.

Die Verunglückten hatten eine zweitägige Ju-Reise vom Militärflughafen Dübendorf bei Zürich in den Kanton Tessin nach Locarno gebucht. Für die Tour "Locarno" nahm der Verein 981 Euro pro Person. Die Gruppe war am Samstag auf dem Rückweg, als das Unglück passierte. Sie kannte sich vorher nicht.

Verein seit 35 Jahren ohne tödliche Unfälle

Ju-Air gehört einem Verein von Flugenthusiasten, die seit 35 Jahren ohne tödliche Unfälle touristische Rundflüge anbieten. Drei Maschinen gehörten dazu. Das Unglück ereignete sich am Berg Piz Segnas etwa 100 Kilometer südöstlich von Zürich.

Als Unglücksursachen kommen bei Flugzeugabstürzen in der Regel technische Mängel, menschliches Versagen oder äußere Umstände infrage. Technische Mängel schließt der Verein eigentlich aus: Das Flugzeug sei seit der letzten Wartung ohne jegliche Mängel erst fünf Stunden geflogen. Auch das Alter der Maschine spielt nach Angaben des Flugermittlers keine Rolle. "Wenn sie richtig gewartet wird, kann sie betrieben werden", sagt Daniel Knecht von der Unglücksuntersuchung.

Piloten setzten vor dem Absturz keinen Notruf ab

Menschliches Versagen hält der Gründer des Vereins ebenfalls für unwahrscheinlich, da sowohl der 62-jährige Pilot als auch der 63-jährige Co-Pilot mehr als 30 Jahre Erfahrung bei der Luftwaffe und in der Zivilluftfahrt hatten. Kurz vor dem Absturz setzten die beiden Männer keinen Notruf ab.

Eine Kollision mit Kabeln oder anderen Hindernissen oder Fremdeinwirkung von außen haben die Ermittler auch schon praktisch ausgeschlossen, wie Knecht sagte. Bleibt die Hitze. Bei hohen Temperaturen ist die Luft dünner und das Fliegen anspruchsvoller, weil etwa beim Starten oder in den Kurven weniger Leistung zur Verfügung steht, wie Knecht erklärte. Erfahrene Piloten könnten damit aber umgehen.

Die Ermittler werden nun untersuchen, ob das seit Tagen anhaltende Wetter mit den hohen Temperaturen eine Rolle spielte.

dpa/sen

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