Schneemassen in Schweizer Alpen Bahnstrecke nach Zermatt soll freigesprengt werden

Im Schweizer Urlaubsort Zermatt sitzen nach heftigen Schneefällen Tausende Touristen fest. Einige Gäste konnten den Ort nur per Helikopter verlassen, der Zugverkehr musste eingestellt werden. Jetzt soll es eine Lösung geben.


Kontrollierte Lawinensprengungen sollen den abgeschnittenen Schweizer Urlaubsort Zermatt wieder zugänglich machen - zumindest für den Zugverkehr. Das sagte ein Mitarbeiter der - zurzeit unterbrochenen - Matterhorn-Gotthard-Bahn. Rund 13.000 Urlauber sitzen derzeit in dem Skiort fest, weil instabile Schneemassen auf die Zufahrtswege des berühmten Bergdorfs herabzustürzen drohen.

Am Dienstag seien Erkundungsflüge durchgeführt worden, um die Lawinenhänge zu identifizieren, die zur Sicherung der Bahnstrecke gesprengt werden müssen. Anschließend müssen Arbeiter dann die Gleise vom Schnee befreien, hieß es bei der Bahngesellschaft. Bis Mittwochabend sollen die Züge der Schmalspurbahn dann wieder rollen.

Lawine an der Strecke Täsch-Zermatt
STEINMA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Lawine an der Strecke Täsch-Zermatt

Vorerst konzentriere man sich eher auf die Bahnstrecke als auf die ebenfalls gesperrte Zufahrtsstraße, sagte die örtliche Tourismussprecherin Janine Imesch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Skifahren ist nicht möglich: Die Pisten und Wanderwege sind als Vorsichtsmaßnahme gesperrt. Einige Gäste wurden am Dienstag mit Helikoptern ausgeflogen, für Mittwoch ist allerdings keine weitere Luftbrücke geplant.

Die Lage war in den vergangenen Tagen so prekär wie seit Jahren nicht mehr. Allerdings nicht für die Menschen im Dorf, versicherte die Gemeinde. Zermatt selbst ist nicht von Lawinen bedroht. "Es gibt keine Panik", so Tourismussprecherin Imesch zur dpa. "Die Stimmung ist gemütlich." Zermatt hatte am Dienstagmorgen kurz keinen Strom, die Versorgung stand später aber.

Hotelflur in Sestriere
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Hotelflur in Sestriere

Im italienischen Sestriere fiel binnen 48 Stunden mehr als zwei Meter Neuschnee. In der Nacht von Montag auf Dienstag stürzte dort eine Lawine auf ein fünfstöckiges Apartmentgebäude nahe der Skistation und hinterließ Schneemassen in einigen Wohnungen. Von den 29 Menschen, die sich dort aufhielten, wurde niemand verletzt. In mehreren italienischen Skiorten waren Straßen gesperrt. Insgesamt waren am Dienstag laut Medienberichten noch etwa 5000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.

Im Ort Susa starb in der Nacht zum Dienstag eine 70-jährige Patientin auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein Baum, der unter dem Gewicht der Schneemassen umgestürzt war, blockierte eine Zufahrtsstraße, sodass der Rettungswagen nicht mehr rechtzeitig in der Klinik eintraf.

Im Département Savoyen im Osten Frankreichs fiel innerhalb von 36 Stunden bis zu 1,80 Meter Schnee. Die Lawinengefahr ging dort aber leicht zurück. Dies ermöglichte es den Rettungskräften am Dienstag, eine Suchaktion für einen britischen Skifahrer zu starten. Der 36-Jährige sei am Sonntagabend zu einer letzten Abfahrt aufgebrochen und werde seitdem vermisst, teilte die Polizei in Albertville mit.

Dem französischen Wetterdienst zufolge sind die intensiven Schneefälle ein Ausnahmephänomen, das sich nur "einmal in 30 Jahren" ereignet. Grund für die Schneemassen sei die hohe Luftfeuchtigkeit in der italienischen Poebene. Erreicht die feuchte Luft die Alpen, kondensiert sie und fällt als Schnee herab.

bam/dpa/AFP



insgesamt 12 Beiträge
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docthedoctorgimmethenews 09.01.2018
1. Wetterwandel
Klar, in den Alpen 2m Schnee, in den USA -43°, in Südfrankreich (wo ich wohne) den ganzen Sommer und Herbst 2017 nicht ein Regenfall. Politiker, wacht endlich auf, die Effekt vom Klimawandel kommen!
der_bulldozer 09.01.2018
2. Wieder so eine click-biting headline bei SPON
Lawinen werden gesprengt und nicht der Zugang nach Zermatt. Und dann auch nur bei den Bahnlinien. Das ist keine seriöre Berichterstattung.
Oberleerer 09.01.2018
3.
Die warme Luft über dem Atlantik saugt sich voll und bringt uns ganzjährig Schnee oder Regen. Es wäre interessant, ob von den Schneefällen nicht auch die Gletscher profitieren. Wieviel Eis ergeben 2m Schnee nach der Kompression? Zudem wird die verrußte Oberfläche abgedeckt und reflektiert die Wärme der Sonne. Seit ca. 10 Jahren haben zumindest die Kraftfahrzeuge Rußfilter. Aber die Oberfläche der Gletscher ist immer noch schwarz vom Ruß. Oder sind das die Öl-/Pelletheizungen?
eriatlov 09.01.2018
4. Zwei Meter Schnee
in den Alpen haben nichts, aber auch gar nichts mit dem Klimawandel zu tun. Ich bin in in den 50er Jahren in der Nähe von Davos aufgewachsen und weiss, dass es in dieser Höhe sehr viel mehr Schnee als zwei Meter geben kann. Das Problem dabei ist nur, wie schnell der Schnee fällt und wie schnell man ihn wegräumen kann. Politiker können daran gar nichts ändern, Stänkerer auch nicht.
adal_ 09.01.2018
5.
Zitat von der_bulldozerLawinen werden gesprengt und nicht der Zugang nach Zermatt. Und dann auch nur bei den Bahnlinien. Das ist keine seriöre Berichterstattung.
Danke für die Info. Als Qualitäts-Headline-Drechsler hätten Sie wahrscheinlich getextet: "Lawinen werden gesprengt, um einen Zugang zu Lande, nämlich per Bahn, nach Zermatt zu eröffnen" und damit den ersten Preis im Wettbewerb der Nachwuchs-Qualitäts-Headline-Drechsler gewonnen.
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