Schweizer Botschaft eröffnet Shawne Fielding auf Jungfernfahrt

Mehr ein Hauch von Hollywood als von Bern wehte bei der Eröffnung der Schweizer Botschaft in Berlin durch das für 30 Millionen Mark renovierte Gebäude gleich neben dem Kanzleramt. "Zicke Shawne" gelang diesmal kein faux pas.


Shawne Fielding-Borer in der Berliner "Basler Tram"
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Shawne Fielding-Borer in der Berliner "Basler Tram"

Berlin - Sie war die eleganteste Dame bei der Eröffnung der Schweizer Botschaft in Berlin und gab sich sehr zurückhaltend: Botschaftergattin Shawne Fielding. Dabei wäre die blonde Amerikanerin beinahe zum Festakt am Wochenende mit dem Schweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger fast nicht gekommen. Vorher gab es nämlich Riesenkrach um die 31-Jährige, weil sie sich in der Botschafterresidenz für eine Zeitschrift fotografieren ließ.

Beim Festakt in der Botschaft am Freitagabend ließ die Botschaftergattin demonstrativ ihrem Mann Thomas Borer im Mittelpunkt stehen. Sie unterhielt sich im Gedränge mit illustren Gästen. Trotz Zurückhaltung bei Empfang und Galadinner war sie jedoch der Shooting Star für die internationale Presse. Die Fotografen wollten Bilder auf Vorrat schießen, um sie zumindest für den nächsten Skandal um die schöne Lady im Archiv zu haben.

"Nice to see you" und gruezi

"Nice to see you", begrüßte Shawne Fielding die Gäste. Dabei begnügten sich alte Bekannte nicht mit einem Handkuss. Für sie gab es - links, rechts, links - bis zu drei Küsschen auf die Wangen. "Sie muss gar nichts sagen, sie ist durch ihre Ausstrahlung präsent", tuschelte man über die Botschafterfrau. Sie war wegen ihres öffentlichen Auftretens wiederholt von Spitzenpolitikern der Alpenrepublik gerügt worden. Zuletzt war es der Schweizer Bundesrat Joseph Deiss, der Kritik übte - wegen Fotos in der Illustrierten "Max". Dabei hatte die Amerikanerin schon mit 16 Jahren für Fotografen posiert.

Am Samstag dann kamen mehrere tausend Besucher zum Tag der offenen Tür in die Schweizer Botschaft in Berlin. Botschafter Thomas Borer-Fielding und Gattin Shawne zeigten sich dabei nur für kurze Zeit den Gästen.

Das "Basel-Trämli" zottelt durch Berlin

Am Nachmittag taufte die blonde US-Amerikanerin einen türkisfarbenen Straßenbahnwagen auf den Namen "Basel-Trämli", der von kommender Woche an in Potsdam eingesetzt werden soll und damit als Werbeträger für die Schweizer Stadt fungiert. "In Basel fahren auch Politiker und Botschafter oft mit der Straßenbahn", versicherte der Botschafter während der Jungfernfahrt durch Berlin. Seine Gattin sorgte unterdessen für neugierige Blicke und schenkte den Passanten ihr strahlendstes Lächeln.

Am Abend zuvor hatte sie es beim Botschaftsfest mit der Queen gehaltne und kam im sommerlichen Strohhut. Mit Hutnadeln hatte sie die Kopfbedeckung in den Schweizer Nationalfarben weiß und rot an ihrer blonden Haarpracht befestigt. Beim Anblick der Botschafterfrau im leichten Sommerkleid und hellem Make-up hörte man sagen: "Sie verbreitet immer einen Hauch von Hollywood." Den Landesfarben treu blieb auch Ehemann Thomas Borer mit schneeweißem Hemd und knallroter Krawatte.

Alles was öffentlich zu sagen war, besorgte der Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger. Er philosophierte: "Man regt sich schneller über den Nachbarn auf, als über sich selbst. Es ist einfacher, mit dem Finger zu zeigen, als vor der eigenen Türe zu kehren."

Mit rund 30 Millionen Mark hat die Schweiz ihr altes Missionsgebäude mit Residenz renoviert und erweitert, das sie seit 1920 besitzt. Es liegt gegenüber dem Bundeskanzleramt im Regierungsviertel. Botschafter Borer will das Gebäude zu einer Drehscheibe für Begegnungen aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Kultur machen.

NS-Plänen sahen Abbruch des Palais vor

Das Botschaftsgebäude hat sein Bestehen dem Umstand zu verdanken, dass die NS-Baupläne nach Entwürfen des Architekten Albert Speer durch Krieg und Niederlage letztlich nicht verwirklicht wurden. Das Palais aus dem Jahr 1870 lag nämlich im Zentrum der von Adolf Hitler geplanten "Welthauptstadt Germania" mit Riesenhalle sowie Triumphbogen. Es wäre abgerissen worden wie alle übrigen Bauwerke um das Reichstagsgebäude.

Die Schweiz unterhielt während der NS-Zeit diplomatische Beziehungen zu Deutschland. Rund 150 Mitarbeiter arbeiteten dort.

In den letzten Kriegstagen besetzte die Rote Armee die im Palais untergebrachte Schweizer Gesandtschaft, um von diesem letzten Haus im Spreebogen den westlichen Sturmangriff auf den Reichstag zu führen. Das Gebäude selbst erlitt 17 Granateinschüsse und den Einschlag eines Blindgängers, blieb aber insgesamt nahezu unbeschadet.



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