Schwere Störung bei Landeanflug: Ryanair macht Wind verantwortlich

Heftiger Rückenwind soll laut Ryanair einen schweren Zwischenfall bei einem Landeanflug in Memmingen verursacht haben. Die Crew habe sich bei dem Vorfall im September korrekt verhalten. Nach SPIEGEL-Informationen versuchten die Piloten aus Zeitdruck allerdings offenbar ein anderes Manöver.

Memmingen/Dublin - Ryanair hat die Crew einer Maschine in Schutz genommen, die beim Landeanflug auf den Flughafen Memmingen im September in Schwierigkeiten geraten war. Nach Angaben des Billigfliegers war heftiger Wind der Grund für einen schweren Zwischenfall im Allgäu. Das Flugzeug habe sich im Landeanflug befunden, als die Piloten "plötzlich unerwartet hohen Rückenwind" verzeichneten. "Die Besatzung entschied sich für ein Durchstarten des Jets, was völlig den Richtlinien von Ryanair entspricht", teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Erst nachdem das Durchstarten der Maschine eingeleitet war, hätten sich die automatisch gesteuerten Warnsysteme aktiviert. "Die Crew beendete den Vorgang und landete kurze Zeit später völlig normal." Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) stuft den Zwischenfall vom 23. September als "schwere Störung" ein. Das ist laut Flugunfall-Untersuchungs-Gesetz "ein Ereignis beim Betrieb eines Luftfahrzeugs, dessen Umstände darauf hindeuten, dass sich beinahe ein Unfall ereignet hätte".

Nach Informationen des SPIEGEL entging die Maschine mit 141 Menschen an Bord auf dem Weg von Manchester nach Memmingen nur knapp einer Katastrophe. Demnach verlor die Maschine rund sieben Kilometer vom Flugplatz entfernt zu schnell an Höhe. Demnach hatten die Piloten offensichtlich den Autopiloten mit einer falschen Höhenangabe programmiert. Die Maschine fiel zwischenzeitlich mit einer Sinkrate von fast tausend Metern pro Minute gen Boden.

Der Pilot gab an, unter Zeitdruck gestanden zu haben. Um eine knapp 30-minütige Verspätung aufzuholen, habe man sich dazu entschieden, die Landebahn von einer anderen Richtung als geplant anzufliegen. So wollte man am Boden Zeit beim Rollen zum Gate sparen.

"Es klingt so, als hätten sich die Kollegen zu sehr unter Zeitdruck setzen lassen", sagte Jörg Handwerg, der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit.

ulz/dpa

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insgesamt 34 Beiträge
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1.
walter_e._kurtz 10.12.2012
Zitat von sysopHeftiger Rückenwind soll laut Ryanair einen schweren Zwischenfall bei einem Landeanflug in Memmingen verursacht haben. Die Crew habe sich bei dem Vorfall im September korrekt verhalten. Nach SPIEGEL-Informationen versuchten die Piloten aus Zeitdruck allerdings offenbar ein anderes Manöver. Schwere Störung bei Landeanflug: Ryanair macht Wind verantwortlich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/schwere-stoerung-bei-landeanflug-ryanair-macht-wind-verantwortlich-a-872002.html)
DAS Statement ist, das muß man so sagen, eine Frechheit. http://www.bfu-web.de/cln_030/nn_223968/DE/Publikationen/Bulletins/2012/Bulletin2012-09,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Bulletin2012-09.pdf In diesem Dokument ist eine Windgeschwindigkeit von 7-8 Knoten aufgeführt, von kann da wohl kaum die Rede sein. Und selbst dies hätte nicht sein müssen. Die Piloten entschieden sich wegen Zeitdrucks für einen Anflug mit Rückenwind, vorgeschlagen durch den Tower war ein Anflug aus süd-west mit dann entsprechendem Gegenwind. Anlage 1 (S. 73) im o.g. Bericht verdeutlicht ganz gut, welchen Kurs die Besatzung für den Landeanflug wählte - meiner bescheidenen Meinung nach war der Anflug auf Memmingen ganz schön optimistisch...
2. Ja, SPON,
feb1958 10.12.2012
nehmt Euch bitte Post #1 als Beispiel für gute Recherche. Und eines noch: Ryanair erinnert mich an Wulff oder Gutti: Mit jedem Statement tiefer in die ...
3. BFU Bericht lesen!!!
carvinger 10.12.2012
Danach kann dann jeder für sich selbst entscheiden, ob er noch mit Ryanair fliegen möchte oder nicht... Ich mache es sicher nicht mehr...
4. So-So der Wind war schuld
bz63 10.12.2012
Das hört sich doch sehr nach Märchenstunde an. Der Bericht der Bundestelle für Flugunfalluntersuchung listet die Fakten nach derzeitigem Stand exakt auf: - die Besatzung hat die Landung in Windrichtung erbeten und dazu die Freigabe erhalten - die Angaben über die Windverhältnisse waren möglicherweise falsch. Das sollte aber eigentlich nicht zu einem "Beinahe-Absturz" führen. - die Besatzung war nicht auf das vom Lotsen zugewiesen Landeverfahren vorbereitet / hat später eine Landung nach Sichtflugregeln beantragt (und dafür die Freigabe bekommen) - während der ersten Warnmeldung "sink rate" befand sich das Flugzeug noch mit 3240 ft/min - also fast 1000 m/min - im Sinkflug und in einer Höhe von ca. 400 m - das tatsächliche Hochziehen der Maschine fand ca. 20 sec später zwischen dem 2. "CAUTION TERRAIN" und dem 3. Alarm "TERRAIN, TERRAIN, PULL UP" statt - die Maschine hat sich dem Grund während des steilen Sinkflugs bis auf 137 m genähert
5. Haarsträubend
loeffelmeister 10.12.2012
Wenn diese lächerlichen Änderungen des Windes für diese gefährlichen Sinkraten in Bodennähe und den gesamten Verlauf dieses Anfluges verantwortlich sein sollen, ist das eine unverschämte Äusserung. Die Crew hat es einfach verbockt. Zeitdruck war bestimmt ein wichtiger Faktor.
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