Orkantief "Xaver" Sturmflut trifft Hamburg - Hafen zeitweise gesperrt

Durch das Orkantief "Xaver" erlebt Hamburg eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte. Der Hafen und die umliegenden Stadtteile wurden vorübergehend weiträumig abgesperrt. An der Küste rüstet man sich schon für das nächste Hochwasser.


Hamburg - Eine Millionen-Metropole kämpft mit den Wassermassen. Auf Hamburg ist eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte zugerollt. Die Innenbehörde der Stadt warnte vor extremen Wasserständen. (Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung auch im Liveticker.)

"Damit haben wir eine Sturmflut, die es in den letzten 10, 20 Jahren nur sehr selten gegeben hat", sagte ein Behördensprecher am Freitagmorgen. Der Scheitel wurde um 6.09 Uhr erreicht - mit 3,96 Metern über dem Mittleren Hochwasser. Das sind gut 6,10 Meter über Normalnull. Zuletzt habe es Anfang der neunziger Jahre zwei Mal einen solchen Wasserstand der Elbe gegeben.

Der Hamburger Hafen wurde in der Nacht zum Freitag geräumt und gesperrt. "Ab 2.30 Uhr durfte keiner mehr hereinfahren", sagte der Sprecher. Einige Anwohner mussten ihre Häuser räumen. Die Hochwasserschutztore wurden geschlossen. Gegen 10 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben.

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Orkantief: Die Spuren des Sturms
Der Fischmarkt und einige Straßen entlang der Elbe standen unter Wasser. Auch die angrenzenden Stadtteile wie die HafenCity waren teils abgesperrt. Wer dort arbeitet, kam zeitweise nicht ins Büro.

Hamburger, die sich informieren wollen, wie sie trocken zur Arbeit kommen, sei diese Website der Innenbehörde empfohlen. Straßengenau ist dort nachzulesen, welche Ecken flutsicher sind.

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"Xavers" Böen: Neue Windvorhersagen bis Freitag
Heftige Böen in ganz Deutschland

Die Folgen des Orkans sind in der ganzen Bundesrepublik zu spüren. Schwere Orkanböen ziehen über weite Teile des Landes hinweg. Dächer wurden abgedeckt, Lkw umgeweht, Bäume stürzten um. Die gute Nachricht: Insgesamt gab es bislang trotz extremer Böen von teilweise bis zu 155 Stundenkilometern nur wenige Unfälle mit Verletzten.

  • Bei Hannover wurde ein Kleinbus mit behinderten Schülern von einer starken Böe erfasst und in einen entgegenkommenden Wagen gedrückt. Dabei wurde ein 68-Jähriger schwer verletzt, sechs weitere Menschen leicht. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt, als ein Auto durch eine Windböe in den Gegenverkehr gedrückt wurde.
  • In Elmshorn bei Hamburg prallte eine Regionalbahn an einem Bahnübergang gegen einen umgestürzten Baum. Der Zugführer wurde leicht verletzt. Ein Zug der Hamburger Hochbahn fuhr gegen einen umgestürzten Baum und entgleiste.
  • In Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern deckte "Xaver" das Dach eines Supermarktes ab.
  • Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurden in List auf Sylt in der Nacht Windgeschwindigkeiten von 148 Kilometern pro Stunde erreicht. Auf dem Brocken im Harz erreichte "Xaver" gar eine Spitzengeschwindigkeit von 155 Stundenkilometern.
  • Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste sind vom Festland aus nicht mehr zu erreichen, die Fähren stellten den Betrieb ein.
  • Auch der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal kam zum Erliegen.

Züge stehen still, Flüge gestrichen

Reisende hatte "Xaver" bereits am Donnerstag auf eine Geduldsprobe gestellt. In Hamburg, Hannover und Bremen wurden etliche Flüge gestrichen.

Auch der Bahnverkehr kam zeitweise zum Erliegen. In Schleswig-Holstein können viele Züge weiterhin nicht fahren. Vielerorts lägen Bäume auf den Gleisen oder hingen in den Oberleitungen, hieß es. In Nordrhein-Westfalen dagegen sind sämtliche Strecken inzwischen wieder befahrbar.

Generell gelte für alle Verbindungen im Norden, dass sich die Fahrgäste auf teils deutliche Verspätungen einstellen müssten. So sei die Strecke von Berlin nach Hamburg nur auf einem Gleis befahrbar.

In vielen Schulen Norddeutschlands fällt der Unterricht am Freitag aus. An den Universitäten in Greifswald und Rostock wurden die Lehrveranstaltungen gestrichen.

Auf das Hochwasser in dieser Nacht werden noch weitere folgen, denn "Xaver" hat eine außergewöhnlich lang anhaltende Kraft*. Insgesamt treibt der Orkan nach bisherigen Erkenntnissen drei schwere Sturmfluten an die Nordseeküste und nach Hamburg. Jeweils mit den Gezeiten wird alle zwölf Stunden ein extremes Hochwasser auflaufen. "Xaver" bläst voraussichtlich fast zwei Tage aus Nordwesten.

Zugverkehr:

Updates zum Orkan "Xaver" erhalten Kunden auf der Webseite der Deutschen Bahn oder unter 0180-6996633.

In Hamburg informiert die Hochbahn im Internetüber Auswirkungen auf den U-Bahn- und Busverkehr.

Reedereien:

Frisia(fährt nach Norderney und Juist): 04931-9870

Syltfähre: 0461-864601

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Neuigkeiten über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Autoverkehr:

Der ADAC informiert auf seiner Webseiteüber die Lage auf Deutschlands Straßen.

ssu/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
rotfront 06.12.2013
1. Xaver
Zitat von sysopDPADurch das Orkantief "Xaver" erlebt Hamburg eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte. Der Hafen und die umliegenden Stadtteile sind weiträumig abgesperrt. An der Küste rüstet man sich schon für das nächste Hochwasser. http://www.spiegel.de/panorama/hamburgs-hafencity-versinkt-in-der-sturmflut-a-937512.html
ein typisch bayrischer Name. Ein Vorgeschmack,was uns die nächsten 4 Jahre unter bayrischer Regentschaft erwartet ? :)
tom2000 06.12.2013
2. Ihr Landsleute in Norddeutschland...
...haltet die Ohren steif! Viel Glück.
schmuggi 06.12.2013
3. Hui, es windet...
Was für eine Karastrofe, der Wind bläst steif aus Nord-West. Da gibt es durch Ebbe, Flut und Winddruck eine "Sturmflut". Eine nie dagewesene Gefahr;) Hallo aufwachen das ist schon immer die Natur gewesen. Von Zeit zur Zeit kommt die Nordsee nachschauen, ob die Menschen etwas beim Deichbau versäumt haben. Das ist anscheinend nicht der Fall. Der Nachrichten-Wert dieser Meldung ist zwar gering, trotzdem wird ein Riesen Bohei daraus gemacht. Und ganz Deutschland denkt, fühlt und redet über den Sturm. Als ob wir nicht gerade Gefahrlaufen unsere Demokratie zu verlieren!!! Dieses Thema wird jedoch durch reißerische Pseudo-Meldungen überspielt. Wer da wohl hintersteckt?
carolian 06.12.2013
4. Webcam am Fischmarkt
Ich habe während der Kiewer Ereignisse entdeckt, dass es Webcams auf allen wichtigen Plätzen bei Ereignissen gibt. Die die installiert haben, sind die eigentlichen Berichterstatter heute bei dem bedauerlichen Versagen der Journalistik, die offenbar den Verstand verloren hat. Was für ein Unterschied der Realität und der Bilder zu der manipulierenden Berichterstattung. Dies lässt tief in die Ethik der heutigen Medienmacher blicken. Spektakel um jeden Preis. Panik, Panik, Panik und den Leser für dumm verkaufen. Ganz Hamburg ist auch jetzt ein Lichtermeer (mit viel frischer und sauberer Luft) und die Journalistik spricht von Katastrophe.
donrealo 06.12.2013
5. Dramatik pur
es sollte uns zu denken geben welchen das gemeine Volk in den Bann ziehenden Superhype die Medien aus einer einfachen Wettererscheinung basteln können. Gestern noch mit einem Freund in Schottland gesprochen. Die sitzen mitten drin in diesem Tief und haben damit gar kein Thema. Bin mal gespannt wann die ersten Ökos wieder versuchen aus diesem Sturm politisches Kapital zu ziehen. Ich schraube gleich mal eine neue (Quecksilber) Stromsparlampe rein und werde meinen Müll nochmals nachsortieren.
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