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Schwulenrechte: Hollywood-Regisseur steigt bei Scientology aus

Der renommierte Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis, der für Filme wie "Million Dollar Baby" und "Crash" den Oscar erhielt, verlässt Scientology - im Zorn. Anlass des Austritts: die Haltung zu Schwulenrechten.

Glaubensfragen: Scientology und Hollywood Fotos
Getty Images

Los Angeles - Viele Schauspieler aus Hollywoods erster Garde machen keinen Hehl daraus, der umstrittenen Glaubensorganisation Scientology anzugehören. Prominentester Werbeträger ist Tom Cruise, dem seine Agitationen in der Vergangenheit jede Menge schlechte Presse und einen empfindlichen Imageschaden bescherten.

Jetzt muss Scientology den Austritt eines echten Hollywood-Schwergewichts hinnehmen: Der Drehbuchautor und Regisseur Paul Haggis, der für Filme wie "Crash" (Regie) und "Million Dollar Baby" (Drehbuch) den Oscar erhielt, kehrt der Organisation wütend den Rücken.

In einem offenen Brief begründete Haggis seine Abkehr mit der Haltung der Glaubensgemeinschaft zu Schwulenrechten. Wie der britische "Guardian" berichtet, soll die Vertretung der Organisation in San Diego die "Proposition 8" unterstützt haben, also den Zusatz der kalifornischen Verfassung, der eine Gleichstellung von Ehegemeinschaften hetero- und homosexueller Paare untersagt.

In seinem Brief an den Scientology-Sprecher Tommy Davis gibt Haggis an, er könne nicht mehr "Mitglied einer Organisation sein, welche die Diskriminierung von Schwulen toleriert."

"Die Haltung der Kirche", schreibt Haggis, "die sich von den Aktionen der Fanatiker, Heuchler und Schwulenhasser nicht distanziert, ist feige. Schweigen heißt Zustimmung, und ich weigere mich, zuzustimmen."

Zudem führt Haggis in dem Schreiben an, Scientology praktiziere eine Politik der "Trennung", Mitgliedern werde es untersagt, Kontakt zu Aussteigern zu pflegen - was Scientology bestreitet.

Er habe, so Haggis, diese Praxis jedoch in der eigenen Familie erfahren. "Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass meine Frau aufgefordert wurde, den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen. Obwohl es ihr großen persönlichen Schmerz verursachte, brach meine Frau den Kontakt ab."

Ausschlaggebend für seine Entscheidung sei jedoch die Frage um die "Proposition 8" gewesen: "Trotz all der Erklärungen der Scientology-Kirche, Freiheit und Menschenrechte befördern zu wollen, ist ihr Name nun mit denen verbunden, die Bigotterie, Intoleranz, Homophobie und Angst befördern."

Eine offizielle Stellungnahme von Scientology-Sprecher Tommy Davis gibt es bislang zu den Vorwürfen nicht.

Davis ist zurzeit Gegenstand der Berichterstattung amerikanischer Medien, weil er ein Fernseh-Interview mit dem Journalisten Martin Bashir abbrach, der ihn zu Scientology-Glaubensgrundsätzen befragen wollte.

pad

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