Benedikt XVI.: Ex-Papst geht Kritiker Dawkins an

Benedikt XVI. hat in dieser Woche einen Brief an einen seiner Kritiker veröffentlicht, den Mathematiker und bekennenden Atheisten Piergiorgio Odifreddi. Darin bekommt aber auch Religionskritiker Richard Dawkins einiges zu hören.

Richard Dawkins (Archivbild): "Klassisches Beispiel" für "Science Fiction" Zur Großansicht
Corbis

Richard Dawkins (Archivbild): "Klassisches Beispiel" für "Science Fiction"

Rom - Der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins ("Der Gotteswahn", "Die Schöpfungslüge" etc.) hat's bekanntermaßen nicht so mit der Kirche. Genau genommen gar nicht. Er wollte er sogar schon einmal den Papst festnehmen lassen, im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal. Mit markigen Äußerungen macht er immer wieder Front gegen einen aus seiner Sicht erstarkenden religiösen Fundamentalismus.

Nun hat sich Ex-Papst Benedikt XVI. seinerseits mit Kritik an Dawkins zu Wort gemeldet - im Rahmen einer ersten längeren längeren Äußerung nach seinem Rücktritt. Eigentlich hatte das Kirchenoberhaupt im Ruhestand einem anderen intellektuellen Widersacher geantwortet. In dieser Woche war ein elfseitiger Brief Benedikts an den Mathematiker und bekennenden Atheisten Piergiorgio Odifreddi erschienen. Die italienische Zeitung "La Repubblica" hatte daraus zitiert.

In dem Schreiben geht es auch um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, bei dem aus Sicht des Ex-Papstes nichts vertuscht wurde - und um ein Buch Odifreddis ("Lieber Papst, ich schreibe Dir"), in dem dieser vor zwei Jahren die Theologie als "Science Fiction" bezeichnet hatte. Doch Benedikt XVI. nimmt sich eben auch Dauerkritiker Dawkins vor - und verwendet das rhetorische Motiv seiner Gegner: "Science Fiction ist in vielen Wissenschaften gegenwärtig" - auch in der Evolutionstheorie, so der Ex-Papst.

Tatsächlich, schreibt das frühere Kirchenoberhaupt, sei auch Dawkins erstes Buch "Das egoistische Gen" ein "klassisches Beispiel" für "Science Fiction". Benedikt bezieht sich dabei etwa auf Aussagen, wonach die ersten Landwirbeltiere auch deswegen entstanden seien, weil sich die Fische "entschieden hätten", auch das Leben am Land einmal auszuprobieren.

Der Historiker Tim Stanley kommentierte anschließend in seinem Blog bei der britischen Zeitung "The Telegraph", Benedikts Einlassungen stellten keinen harten Angriff auf die Fakten der Evolutionstheorie dar. Sie seien nur eine "sanfte Erinnerung", dass für die Theoretisierung der Evolution auch etwas die Vorstellungskraft bemüht werden müsse.

Stanley hatte auch eine Begründung, warum sich der Ex-Papst jetzt den Forscher vornehme: Vielleicht sei Benedikt "ebenfalls genervt" von dem "alten Mann" Dawkins. Dieser könne schließlich "die Geduld eines Heiligen" strapazieren. Klar ist: Im Streit zwischen den beiden dürfte eine neue Runde eingeläutet sein.

chs

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1. Dawkins ist. ..
michaelkaloff 29.09.2013
...leider häufig emotional, unpräzise, widersprüchlich und populistisch und deshalb auch angreifbar. So "outet" er sich im "Gotteswahn" letztendlich als anglikanischer Atheist, die Katholiken sind die Bösen, die evangelikalen werden auch noch behandelt, bei Juden und Muslimen traut er sich nicht so recht und 800 Millionen Hindus werden nur mit wenigen Zeilen bedacht. Erfreulicherweise gibt es bessere Autoren. Mein Vorschlag wäre: E.O. Wilson: Die soziale Eroberung der Erde- Eine biologische Geschichte der Menschheit. C.H. Beck-Verlag München 2013, ISBN 978 3 406 64530 3. Ein Buch für alle, die sich mehr für die Evolutionstheorie, als für irgendwelche ideologischen Sandkastenspiele interessieren. Nach der Lektüre kann man sich gerne fragen, was von Dawkins "egoistischem Gen" noch übrig ist.
2. Benedikt ist den meisten (auch Dawkins) intellektuell überlegen
güti 29.09.2013
Zitat von sysopBenedikt XVI. hat in dieser Woche einen Brief an einen seiner Kritiker veröffentlicht, den Mathematiker und bekennenden Atheisten Piergiorgio Odifreddi. Darin bekommt aber auch Religionskritiker Richard Dawkins einiges zu hören. "Science Fiction": Ex-Papst Benedikt XVI geht Kritiker Dawkins an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/science-fiction-ex-papst-benedikt-xvi-geht-kritiker-dawkins-an-a-925143.html)
das sieht man an diesem Brief der leider nur in teilen veröffentlicht bzw übersetzt wurde. Benedikt XVI. antwortet Atheisten Piergiorgio Odifreddi: „Ihre Religion der Mathematik bleibt leer“ (http://katholisches.info/2013/09/24/benedikt-xvi-antwortet-atheisten-piergiorgio-odifreddi-ihre-religion-der-mathematik-bliebt-leer/)
3. Das ist Kritik?
unnglaublich 29.09.2013
Zitat von sysopBenedikt XVI. hat in dieser Woche einen Brief an einen seiner Kritiker veröffentlicht, den Mathematiker und bekennenden Atheisten Piergiorgio Odifreddi. Darin bekommt aber auch Religionskritiker Richard Dawkins einiges zu hören. "Science Fiction": Ex-Papst Benedikt XVI geht Kritiker Dawkins an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/science-fiction-ex-papst-benedikt-xvi-geht-kritiker-dawkins-an-a-925143.html)
Aber die Explosion eines minusNichts und das Resultat eines gigantischen Seins ist Wissenschaft? Worin unterscheidet sich das vom "Glauben"?
4.
Archimedes_da_Siracusa 29.09.2013
Die Frage ist nur, ob Dawkins Ratzinger intellektuell folgen kann.
5. Da Benedikt ja vor einiger Zeit ein Gespräch mit Gott hatte
kulinux 29.09.2013
Zitat von sysopBenedikt XVI. hat in dieser Woche einen Brief an einen seiner Kritiker veröffentlicht, den Mathematiker und bekennenden Atheisten Piergiorgio Odifreddi. Darin bekommt aber auch Religionskritiker Richard Dawkins einiges zu hören. "Science Fiction": Ex-Papst Benedikt XVI geht Kritiker Dawkins an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/science-fiction-ex-papst-benedikt-xvi-geht-kritiker-dawkins-an-a-925143.html)
…*wie er kürzlich in einem Interview sagte (Gott höchstselbst habe ihm geraten, sein Amt nieder zu legen), hätte er ihn bei der Gelegenheit ja mal bitten können, einen Beweis für seine Existenz vorzulegen, die auch Leute wie Dawkins und mich überzeugt. Aber dazu ist der alte HERR (?) sich wohl zu schade …? Es würde ja genügen, wenn er z.B. einfach mal alle Waffen weltweit unbrauchbar macht oder auch nur wenigstens allen "christlichen" Politikern ins (nicht vorhandene) Gewissen redet … aber wer schon bei Auschwitz geschwiegen bzw. nix unternommen hat (kann man den Allmächtigen (?) eigentlich auf unterlassene Hilfeleistung verklagen …?), der hat wohl Wichtigeres zu tun, z.B. mit alten Männern im Papstamt persönlich reden …? Benedikt macht sich mehr als lächerlich, ausgerechnet Leuten, die zweifellos intelliigenter sind und ihren Verstand inkl. Logik auch gebrauchen können, anzugreifen. Naja, nur weiter so …*wir lachen gern!
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