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50faches Spendenaufkommen: Edathy-Absage lohnte sich für Kinderschutzbund

Landesvorsitzender Schmidt: "Überrollt von der Begeisterung der Menschen" Zur Großansicht
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Landesvorsitzender Schmidt: "Überrollt von der Begeisterung der Menschen"

Sebastian Edathy sollte nach dem Kinderporno-Prozess 5000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Der Verein lehnte empört ab. Seither ging das Fünfzigfache der gewöhnlichen Spendensumme ein. Eine lukrative Entscheidung - aber war sie auch aufrichtig?

Die Ablehnung der Geldauflage von Sebastian Edathy im März hat dem niedersächsischen Landesverband des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) einen Spendenregen beschert. Rund 160.000 Euro seien seither eingegangen, das Fünfzigfache der gewöhnlichen Spendensumme. "Im gleichen Zeitraum erhalten wir normalerweise 2000 bis 3000 Euro", sagte Johannes Schmidt, Vorsitzender des DKSB Niedersachsen.

Der Kinderpornografie-Prozess gegen den ehemaligen SPD-Politiker Sebastian Edathy war am 2. März gegen die Zahlung einer Geldauflage von 5000 Euro eingestellt worden. Der DKSB lehnte das Geld ab, es ging an den Jugend- und Kinderfeuerwehrverband Niedersachsen.

Die Entscheidung habe den Verband gestärkt, sagte Schmidt. Die Spenden sollen nun an die einzelnen Ortsverbände des DKSB weitergeleitet werden. Auf Landesebene möchte der Verband Projekte zum Kinderschutz in Institutionen fördern.

"Wir waren überrollt von der Begeisterung der Menschen", sagte Schmidt. Unzählige Zuschriften und Anrufe hätten den Landesverband erreicht, nachdem er die Zahlung des ehemaligen Bundestagsabgeordneten nicht annehmen wollte. "Das Geld war eine Verhöhnung der Opfer und unseres Verbandes." Es sei "genau die richtige Entscheidung" gewesen, "die wir so immer wieder treffen würden", sagte Schmidt.

Das allerdings ist fraglich: Der Kinderschutzbund hat in vergleichbaren Fällen Zahlungen angenommen. Es sei "gängige Praxis", dass Richter Geldauflagen in Kinderporno-Verfahren "auch für den Kinderschutzbund vorsehen", sagte Christian Friehoff, Vorsitzender des Richterbunds Nordrhein-Westfalen (NRW), im März zu SPIEGEL ONLINE.

Rechtsanwalt Steffen Lindberg aus Mannheim, der in den vergangenen zehn Jahren mehr als hundert Kinderporno-Verfahren geführt hat, nannte das Vorgehen des Kinderschutzbundes in der Causa Edathy eine "Heuchelei".

Der Kinderschutzbund hatte sich damit verteidigt, dass Edathy keine Reue gezeigt habe, damit sei dies ein Ausnahmefall. Bleibt die offene Frage, ob der Kinderschutzbund in Fällen, die nicht derart öffentlich ausgeleuchtet werden, tatsächlich überprüfen wird, ob ein Angeklagter reuig ist.

bim/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Bei jedem
Fürstenwalder 18.04.2015
gegen eine Geldzahlung engestelltem Verfahren bleibt ein fader Beigeschmack, der mal zu Ungunsten des Beklagten ("hat sich freigekauft"), mal zu Ungusten der Staatsanwaltschaft ("eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus") ausgelegt wird. Der DKSB hat sich gegen Edathy entschieden und deshalb das Geld nicht angnommen. Wie sehr er damit den Nerv der Bürger traf, zeigte die anschließende Spendenbereitschaft.
2. war doch klar
shark65 18.04.2015
wäre über die Presse nicht verbreitet worden das die Geldzahlung an den DKSB geht, dieser hätte selbstverständlich das Geld genommen. Aber so hat man versucht als obermoralisch zu agieren. Eventuell hätten die Verantwortlichen wissen müssen, das im Nachgang natürlich bekannt wird das sie normalerweise nicht so moralisch agieren.
3. Spezialfall Edhaty
Wassup 18.04.2015
Der Kinderschutzbund hat richtig gehandelt, das Bild in der Öffentlichkeit wäre fatal gewesen, sich für 5000 Euro freizukaufen zu können.
4.
tolate 18.04.2015
Der geschickte Umgang mit den Schattenseiten der menschlichen Gesellschaft hat noch immer seinen Man ernährt, das Verhalten des Kinderschutzbundes ist da keine Ausnahme.
5. Der KSB hat falsch gehandelt
dborrmann 18.04.2015
Moralisch ohnenhin. Sonst war sich der KSB nie zu schade, solche Gelder anzunehmen. Nun, da es Öffentlichkeit gibt, handelt er anders. Das ist inkonsistentes Verhalten und sollte von den Richtern in Zukunft beachtet werden. Und das wäre dann das Ende des KSB, denn er finanziert sich wesentlich über Gelder aus Gerichtsauflagen.
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