Zu Hause bei Designer Sebastian Herkner "Ich brauche Farbe um mich herum"

Immer nur Ikea und sonst keine Idee, was Sie aus Ihrem Zuhause machen sollen? Für SPIEGEL ONLINE führen Designer durch ihre Wohnungen; den Anfang macht Sebastian Herkner. Bei ihm hängen Bonbons an der Wand.

Von und Matthias Hiller (Fotos)

STUDIO OINK / Korzeczek & Hiller

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SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Ihren Wohnstil beschreiben?

Herkner: Meine Wohnung ist eine Sammlung. Ich habe viele Mitbringsel von Reisen hier, dazu noch Erbstücke, Fundstücke von Flohmärkten und Dinge von Kollegen, die ich schätze. Mir geht es nicht darum, die Gegenstände hinter weißen Schranktüren zu verstecken. Ich lebe mit diesen Sachen und nutze sie täglich. Außerdem brauche ich Farbe um mich herum, das ist mir auch in meinen Entwürfen wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Welches ist Ihr liebstes Einrichtungsstück?

Herkner: Die wichtigsten Dinge sind die, zu denen ich eine persönliche Verbindung habe. Das Süßigkeitengefäß meiner Großmutter, das immer in ihrer Speisekammer stand. Es erinnert mich an meine Besuche bei ihr. Oder das große Bonbon, das an der Wand hängt . Ich habe es aus einer Bonbon-Manufaktur in New York, es erinnert mich an meine Reise dorthin.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Ihrer eigenen Stücke stehen in der Wohnung?

Zur Person
  • Ingmar Kurth
    Sebastian Herkner, Jahrgang 1981, hat Produktgestaltung an der HfG Offenbach am Main studiert. Bereits während seines Studiums absolvierte er ein Praktikum bei Stella McCartney in London. 2006 gründete er sein eigenes Studio in Offenbach am Main. Seine Entwürfe wurden mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet.

Herkner: Viele Möbel in der Wohnung sind von mir. Ich lebe bewusst mit ihnen, um sie zu testen und zu sehen, wie sie sich im Alltag verändern.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Produkt kam der Durchbruch?

Herkner: Mit dem Bell Table für ClassiCon . Er ist modern, durch das Messing hat er aber zugleich etwas Traditionelles, ein Material das man eher von den Großeltern kennt. Dann gab es eine Zeit, in der Messing wie auch Kupfer regelrecht verpönt waren. Das hat sich aber wieder geändert. Der Entwurf lässt unterschiedliche Assoziationen zu. Einige sehen darin sogar etwas Orientalisches und fühlen sich an Wasserpfeifen erinnert.

SPIEGEL ONLINE: Erinnerungsstücke horten - dafür oder dagegen?

Herkner: Horten ist eh schwierig. Spätestens wenn man umzieht, muss auch mal aussortiert werden. Von Reisen nehme ich oft etwas für meine Wohnung mit, wie etwa den Papier-Hummer aus Hongkong, der jetzt in meiner Küche hängt . Da überlege ich vorher nicht, in welche Ecke das passen könnte. Wenn es mir etwas bedeutet oder mich inspiriert, nehme ich es mit.

SPIEGEL ONLINE: Was gefällt Ihnen gar nicht in Ihrer Wohnung - und warum steht es trotzdem noch da?

Herkner: Mit der Raufasertapete bin ich nicht ganz glücklich. Die Struktur hat so etwas Konservatives, finde ich. Ansonsten ist mittlerweile alles so, wie ich es mir vorgestellt habe.

SPIEGEL ONLINE: Woran darf man auf einem Flohmarkt auf keinen Fall vorbeilaufen?

Herkner: Heute einen guten Flohmarkt zu finden, ist wirklich schwierig, da stehen meist die Stände mit den immer gleichen Sachen. Man kann aber auch Glück haben, die Leuchtreklame habe ich gerade erst auf einem Flohmarkt gekauft. Eigentlich gehe ich aber lieber in kleine Gassen, vor allem wenn ich im Ausland bin. Da findet man kleine, familiengeführte Läden, die sich auf bestimmte Materialien oder Bereiche spezialisiert haben, sie fertigen handwerklich sehr gut und mit Hingabe.

SPIEGEL ONLINE: Welche Tricks gibt es sonst noch für schmale Budgets?

Herkner: Man kann schon mit einfachen Handgriffen viel machen. Das war mit dem Schrank in der Küche so, ursprünglich ein alter, aber langweiliger Holzschrank. Den haben wir dann grau gestrichen, dadurch wirkt er gleich wieder ganz anders.

SPIEGEL ONLINE: Ikea - ja oder nein?

Herkner: Im Grunde ist da nichts gegen einzuwenden, jeder fängt so an. Nach und nach kommen Fund- oder Erbstücke dazu. Der Anspruch ändert sich aber auch, irgendwann will man einfach eine bessere Qualität haben. Als Designer kommt man natürlich leichter an tolle Entwürfe von Kollegen.

SPIEGEL ONLINE: Und was geht gar nicht?

Herkner: Der größte Fauxpas ist es, sich nur auf den Designklassikern auszuruhen. Das machen vor allem die Menschen, die viel Geld haben und dann den internationalen Klassikermarkt nachkaufen. Das sind Prestigegegenstände wie Luxushandtaschen, die individuelle Note in der Einrichtung fehlt dann.


Nächste Woche Teil 2 der Wohnserie: Hausbesuch bei Eva Marguerre und Marcel Besau.



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
neejah 24.09.2014
1.
bei aller Liebe, aber eine solche Wohnung, in der so gut wie alle Küchenutensilien offen Staub und Co ausgesetzt sind, entbehrt jeglicher putzlogik. Dazu noch die Schnapsidee, eine Abzugshaube mit Holz zu verkleiden?! Möchte nicht wissen, wie das Ding nach einigen Jahren Benutzung aussieht und vor allem riecht...
Phil2302 24.09.2014
2.
Sehe das Problem, dass ich bei jeder zusammengewürfelten Wohnung sehe: Es wirkt unglaublich kalt. Ein Freund von mir hat ebenfalls eine solche Wohnung, da steckt unheimlich viel Zeit drin, es ist voller Deko, aber trotzdem wirkt es kalt.
Sonia 24.09.2014
3. Eine individuelle Wohnung ..endlich mal
sowas zu sehen. Was zum Wohlfühlen. Viele Wohnungseinrichtungen erinnern mich derzeit an Schwesternzimmer oder Intensivstation, nicht nur wegen des fast uniformen weißen kunststoffeschichteten Materials, sondern der unglaublichen Eintönigkeit, die richtig Kälte ausstrahlt. Oft staune ich, dass darin wirklich gewohnt wird. Irgendwo das Alibibücherregal. Leblose Wohnungen mit depressiven Menschen. Einer Wohnung muss Individualität entströmen. Oft heute abhanden gekommen.
GoBenn 24.09.2014
4.
Ich bin ein bißchen erschrocken über die Qualität der Fotos. Ansonsten hübscher Auftakt, bin gespannt, wie die Reihe weitergeht.
t.theodor 24.09.2014
5.
Irgendwie ist das schon ok, bloß erinnert mich das Ganze an viele andere Wohnungen von Selbstdarstellern, die ich gesehen habe. Letztendlich ist es auch nur die "neue Beliebigkeit", die sich dort ihren Weg bahnt. Theo
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