Vor Australien: Hamburger Containerschiff half Yacht in Seenot

Von Andreas Ulrich

Tagelang war ein australischer Segler in Seenot, dann entdeckten Piloten einer Boeing die "Streaker" im Pazifik. Seine abenteuerliche Rettung hat der Skipper auch der Besatzung eines Hamburger Containerschiffs zu verdanken: Die 213 Meter lange "Pontremoli" war das erste Schiff, das die havarierte Yacht erreichte.

Auf offenem Meer: Skipper der "Streaker" in Not Fotos
Reederei F. Laeisz

Bereits zwei Tage ist Kapitän Hans Radloff aus Thüringen unterwegs auf der "Pontremoli", als am Dienstag gegen 11 Uhr Ortszeit ein Telex aus dem Fernschreiber auf der Brücke rattert. "Mayday Relay" steht darüber, ein Seenotfall. Die australische Behörde für Seenotrettung hat das Signal der "Streaker" aufgefangen. Eine Yacht mit drei Personen an Bord sei gekentert. Kapitän Radloff, unterwegs vom australischen Port Kembla nach Nelson in Neuseeland, zögert nicht lange und nimmt Kurs auf die Unglücksstelle.

Noch während die "Pontremoli" unterwegs ist, sichten Piloten einer Boeing 777 der Air Canada die Yacht in der aufgewühlten See. Die Maschine ist mit mehr als 270 Passagieren an Bord auf dem Weg von Vancouver nach Sydney, als der Notruf eintrifft. Der Pilot geht runter auf 1800 Meter Höhe. Ein Passagier gibt ihm ein Fernglas, das er zufällig dabei hat. Es gelingt ihm, den Segler als winzigen Punkt in der stürmischen See auszumachen. Er gibt die Position an die australische Leitstelle weiter.

Gegen 15 Uhr erreicht ein weiteres Telex die "Pontremoli". Einem Rettungsflugzeug sei es gelungen, ein Satellitentelefon zur Yacht hinabzulassen. "Alle elektronischen Systeme an Bord des Schiffes sind ausgefallen. Polizeiboot 'Nemesis' nimmt Kurs auf die Yacht. Bitte bleiben sie auf Kurs und nehmen sie die Yacht zum Schutz in Lee", heißt es darin.

Die Wellen türmen sich bis zu drei Meter hoch

Die "Pontremoli" dampft mit voller Fahrt weiter. "Wir erreichten die angegebene Position nach acht Stunden Fahrt am Dienstag um 19 Uhr, also noch bei Tageslicht, und mit viel Glück haben wir die Yacht dann tatsächlich gesichtet - allerdings 18 Seemeilen von der angegebenen Position entfernt", schreibt Kapitän Radloff in seinem Bericht an die Reederei Laeisz.

Zu diesem Zeitpunkt pfeift der Wind immer noch mit sechs Windstärken über das Meer, die Wellen türmen sich bis zu drei Meter hoch. In der Yacht sitzt entgegen der ersten Meldung nur ein Mann. Der 44-Jährige war mit der elf Meter langen "Streaker" zwei Wochen zuvor im australischen Pittwater aufgebrochen, um entlang der Küste von New South Wales Richtung Süden nach Eden zu segeln. Doch dann zog Sturm auf, die Yacht kenterte, der Mast brach.

Neun Tage trieb der Skipper in stürmischer See. Sein Versuch, mit einem behelfsmäßigen Mast zurück zur Küste zu segeln, schlug fehl. Der Wind trieb ihn immer weiter ins offene Meer hinaus. Schließlich aktivierte er eine Rettungsboje, die Alarm auslöste und die Position per Satellit sendete."Das hat ihm wohl das Leben gerettet", schreibt Kapitän Radloff in seinem Bericht.

Seine Mannschaft ist auf alles vorbereitet, als sie sich der Yacht nähert. Einschließlich Aussetzen des Rettungsboots. "Yacht und Skipper befanden sich in unerwartet gutem Zustand, die Wetterverhältnisse sollten sich in den nächsten Stunden nicht verschlechtern, der Rettungskreuzer von Sydney war unterwegs - so bestand also keine Notwendigkeit für eine sofortige Rettungsaktion", schreibt Radloff.

"Für den Rettungskreuzer wäre eine Ortung der Yacht aussichtslos gewesen"

Am späten Abend, gegen 23.30 Uhr, erreicht die "Pontremoli" ein neues Telex. "Polizeischiff 'Nemesis' wird gegen 0.30 Uhr eintreffen. Entscheidung über Rettungsmaßnahmen abhängig von Wetterbedingungen. Falls Bedingungen zu rau, wird aus Sicherheitsgründen Tageslicht abgewartet."

Die "Pontremoli" versucht, dem havarierten Segelboot Windschutz zu geben. "Wir blieben die Nacht über dicht bei der Yacht, was nicht ganz einfach war. Die Yacht trieb trotz ausgebrachtem Treibanker mit 2,5 Knoten, unser Schiff mit 3,2 Knoten. Ohne Mast und Radarreflektor war die Yacht im Radar bei dem herrschenden Seegang kaum auszumachen. Für den Rettungskreuzer aus Sydney wäre eine Ortung der Yacht in der Nacht relativ aussichtslos gewesen", heißt es in Kapitän Radloffs Bericht.

Als der Rettungskreuzer schließlich eintrifft, geht alles ganz schnell. Die Helfer nehmen den erschöpften Skipper an Bord und brechen auf in Richtung Sydney. Kurz darauf folgt ein viertes Telex: "Polizeischiff 'Nemesis' bestätigt, dass Skipper der 'Streaker' in Sicherheit. Herzlichen Dank für ihre Hilfe und beste Wünsche an die Mannschaft."

Die "Pontremoli", heißt es weiter in dem Schreiben, sei damit aus dem Einsatz entlassen und könne ihren Kurs fortsetzen. "Die Yacht wurde aufgegeben. Vielleicht findet sie ja mal ein Kiribati-Fischer am Strand und freut sich", schreibt Kapitän Radloff.

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1.
Le Commissaire 18.10.2012
Zitat von sysopTagelang war ein australischer Segler in Seenot, dann entdeckten Piloten einer Boeing die "Streaker" im Pazifik. Seine abenteuerliche Rettung hat der Skipper auch der Besatzung eines Hamburger Containerschiffs zu verdanken. Seenot vor Australien: Hamburger Containerschiff half Yacht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/seenot-vor-australien-hamburger-containerschiff-half-yacht-a-862045.html)
Wie schön, dass der Mann gerettet wurde. Die Yacht wurde aufgegeben, heißt es. Wird eigentlich in solchen Fällen das aufgegebene Schiff zuvor von den Rettungskräften durchsucht? Es könnte ja sein, dass sich darin noch ein (toter oder bewegungsunfähiger) Mitsreisender befindet, den der Überlebende - gewollt oder ungewollt - verschweigt. Nein, ich will dem Yachtführer im konkreten Fall nichts unterstellen, frage mich einfach nur, ob es für solche Fälle gewisse Routinen gibt.
2. Gute kooperation
Doktor_Seltsam 18.10.2012
Das nenne ich mal Teamwork.
3. Passagier hatte zufällig Fernglas dabei
lintorferin 18.10.2012
Schon kurios, dass der Kapitän sich ein Fernglas leihen muss und keine eigene Möglichkeit hat zu schauen was unter ihm oder in der Ferne so los ist.... Finde ich nicht wirklich beruhigend!
4. Passagier hatte zufällig Fernglas dabei
worin 18.10.2012
@lintoferin: ja schon seltsam das ein Flugkapitän kein Fernglas unterm Sitz hat. Da war kein Platz mehr weil er für seine 300 Flugpassagier für alle Fälle einen Fallschirm und Notration für eine Woche schon verstaut hatte. Mannomann, gehts noch .....
5.
Reiner_Habitus 18.10.2012
Zitat von lintorferinSchon kurios, dass der Kapitän sich ein Fernglas leihen muss...
Nutzen sie beim Autofahrena auch Ferngläser?
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  • Donnerstag, 18.10.2012 – 16:48 Uhr
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