Sekten-Aussteiger Beghe "Für Scientology ist das ein harter Schlag"

US-Schauspieler Jason Beghe war eines der prominentesten Gesichter von Scientology - jetzt ist er ausgestiegen und rechnet mit bitteren Worten in einem YouTube-Video ab. Fachleute feiern den mutigen Schritt. Und warnen vor den Folgen: "Er wird nun zum Feind erklärt."


New York - Jason Beghe ist 48, bekannt aus Fernsehserien wie "CSI" und "Cane" - und, was hierzulande nur wenige wussten: Er war zwölf Jahre lang Mitglied von Scientology. Zeitweise fungierte er sogar als Sprecher der Sekte.

Jetzt ist eben jener Jason Beghe der erste Prominente, der Scientology verlässt und öffentlich Stellung bezieht. Mit knarziger Stimme und reichlicher Untermalung durch "Fuck". Die Sekte sei "zerstörerisch" und "Abzocke", sagt er in einem beispiellosen Video, das auf YouTube verbreitet wird:

Der Schaden für die Organisation ist enorm. "Jeder, der aus der Scientology-Szene aussteigt, ist ein herber Verlust für die Organisation", sagt die Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology, Ursula Caberta, SPIEGEL ONLINE. "In diesem Fall ist der Schaden jedoch gewaltig." Ein Werbeträger der Sekte, noch dazu einer des wichtigen US-Marktes, habe sich gegen Scientology gewendet. "Das hat besonderes Gewicht."

Scientology-Expertin Caberta: "Er wird deswegen zum Feind erklärt"
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Scientology-Expertin Caberta: "Er wird deswegen zum Feind erklärt"

In den Augen der Organisation habe der Schauspieler Beghe mit seinem öffentlichen Bekenntnis "ein schweres Verbrechen" begangen, so Caberta. "Er wird deswegen zum Feind erklärt." Und den, so sei es bei Scientology Sitte, könne man "betrügen, belügen und vernichten". Damit sei nicht unbedingt die körperliche Vernichtung gemeint, auch auf andere Weise könne die Organisation den Aussteiger "fertigmachen, etwa indem er keine Rollen mehr bekommt".

Dennoch sei die Entscheidung Beghes ein richtiger und wichtiger Schritt, der eine Signalwirkung für die Szene entfalten könne. "Für unsere Arbeit ist das wirklich eine große Hilfe", sagte Caberta.

Beghe wollte seine Abrechnung mit Scientology bewusst so deutlich vornehmen. Vor sieben Monaten sei er ausgestiegen, sagte dem New Yorker Magazin "Village Voice". Er sei frustriert gewesen von immer neuen, sehr kostspieligen Programmen, die er zur Erreichung eines höheren hierarchischen und "spirituellen" Levels absolvieren sollte. Der norwegische Scientology-Kritiker Andreas Heldal-Lund habe ihn zu einem Treffen überredet, bei dem auch das Video entstanden sei, das nun seit Wochen im Internet kursiert und unter anderem bei YouTube zu sehen ist. Ein weiteres, ausführlicheres Video-Interview mit Beghe soll am Wochenende folgen.

Beghe schildert in dem bislang publizierten knapp dreiminütigen Beitrag, wie er im Laufe der Jahre rund eine Million Dollar seines Vermögens der Sekte überlassen habe. Beghe betont, dass die von Scientology-Gründer Ron L. Hubbard erdachte Strategie, prominente Mitglieder gleichsam als Werbeträger der Sekte einzusetzen, nach wie vor offensiv betrieben werde.

Wenn es einem Mitglied gelinge, einen Prominenten als neuen Scientology-Anhänger zu werben, werde als Belohnung eine Datei gelöscht, in der während der sogenannten "Auditings" Verstöße gegen die Sektenregeln festgehalten werden, sagte Beghe der "Village Voice". In dem Video bilanziert er: Scientology sei "sehr, sehr gefährlich für die spirituelle, psychische, geistige und emotionale Gesundheit und Entwicklung". Er glaube, die Entwicklung eines Menschen werde "durch Scientology verkrüppelt".

pad/jdl

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