Lonnerstadt in Mittelfranken: Sekten-Ehepaar verliert Sorgerecht für Kinder

Das Haus, in dem der Sektenguru wohnen soll: Keine Medikamente, keine Krankenversicherung, keine Spielsachen Zur Großansicht
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Das Haus, in dem der Sektenguru wohnen soll: Keine Medikamente, keine Krankenversicherung, keine Spielsachen

Das Amtsgericht Erlangen hat einem Sekten-Ehepaar aus Mittelfranken in weiten Teilen das Sorgerecht für seine drei Kinder entzogen. Laut einem Fernsehbericht sind sie bislang ohne Medikamente, Krankenversicherung, Süßigkeiten und Spielsachen aufgewachsen.

Erlangen - Auf Beschluss des Amtsgerichts Erlangen sind in Mittelfranken zwei Jungen im Alter von elf und 14 Jahren sowie ihre neunjährige Schwester aus der Familie geholt und in ein Heim gebracht worden. Den Eltern, die Mitglieder einer Sekte sind, wurde das Sorgerecht entzogen, wie Justizsprecher Michael Hammer sagte. Er beschrieb die Eltern als kooperativ. Sie hätten deshalb ihre Kinder zunächst begleiten dürfen.

Dem Ehepaar wurde demnach das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder sowie das Recht zur Regelung der Gesundheitssorge entzogen. Sie dürfen ihre Kinder aber regelmäßig sehen, laut "Süddeutscher Zeitung" handelt es sich nur um einen teilweisen Entzug des Sorgerechts: So dürften die Eltern etwa weiter über die Namen der Kinder entscheiden.

Die Sekte "Neue Gruppe der Weltdiener" aus Lonnerstadt besteht bislang aus einem sogenannten Guru, dessen Partnerin und der fünfköpfigen Familie. Sie versteht die Kinder als "Erwachsenenseelen in Kinderkörpern" und behandelt sie entsprechend. Laut einem Fernsehbericht des WDR sind sie bislang ohne Medikamente, Krankenversicherung, Süßigkeiten und Spielsachen aufgewachsen.

Zum Gesundheitszustand der Kinder machte das Landratsamt zunächst keine Angaben. Dem Jugendamt war von Gegnern der Sekte immer wieder vorgeworfen worden, es kümmere sich nicht genug um die Kinder.

Das Gericht habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Hammer. "Es gab ein Gutachten, einen Ortstermin und die Kinder wurden allein befragt." Das Gericht sei dabei zu der Überzeugung gelangt, dass ein weiterer Verbleib der Kinder im elterlichen Haushalt mit Blick auf das Kindeswohl nicht verantwortet werden könne, solange die Eltern ihren Erziehungsstil nicht wesentlich veränderten.

aar/dpa

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