Fotoprojekt "Hunde unter Wasser": Wild für einen Moment

Manche reißen das Maul weit auf, andere tauchen neugierig in den Swimmingpool: Mit Fotos von Hunden unter Wasser hat der Fotograf Seth Casteel großen Erfolg. Im Interview erzählt er, wie Wasser sich auf das Wesen der Tiere auswirkt und wie lange es bis zum perfekten Bild dauern kann.

Hunde unter Wasser: Dackel auf Tauchgang Fotos
Seth Casteel

Hamburg - Wie alles begann? Seth Casteel lacht, so wie er es ständig tut im Gespräch über den größten Erfolg seiner Karriere. "Ich muss mich bei Buster bedanken", sagt er. "Ohne ihn wäre ich nicht auf die Idee gekommen."

Buster ist ein sechs Jahre alter Cavalier King Charles Spaniel. Der Haustierfotograf Casteel wollte ihn im Jahr 2010 in Kalifornien ablichten. Doch der Hund hatte andere Pläne: Immer wieder stupste er einen Tennisball in einen Swimmingpool und tauchte hinterher. Casteel besorgte sich eine Unterwasserkamera und fotografierte, wie Buster nach dem Ball schnappte. Ein kleines neues Foto-Genre war geboren: Hunde unter Wasser.

"Ich habe diese Fotos nur zum Spaß weiter geknipst", erinnert sich Casteel. Doch im Februar dieses Jahres wurden seine Bilder im Internet entdeckt und rasant verbreitet. Casteel bekam Anfragen aus der ganzen Welt. Die Fotos des 32-Jährigen wurden in allen großen US-Medien gezeigt, in Ausstellungen in New York und Wien. Sein Buch "Underwater Dogs" hat es auf die Bestsellerliste der "New York Times" geschafft. Nun erscheint es auch in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Herr Casteel, auf Ihren Unterwasserfotos kann ein harmloser Hund ganz schön bedrohlich aussehen. Wie reagieren Besitzer, wenn sie ihren Dackel so sehen?

Casteel: Sie sind mehr oder weniger überwältigt, weil sie keine Ahnung haben, dass ihr Hund so aussehen kann. Aber ich mag auch diese wilden und erschreckenden Fotos sehr.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Casteel: In der heutigen Welt schlafen viele Hunde neben Menschen in warmen Betten, essen das beste Futter, bekommen teures Spielzeug, kriegen ihr Fell beim Hundefriseur geschnitten. Ich glaube, sie freuen sich über die Möglichkeit, auch mal wieder wild zu sein - und sei es nur für einen kleinen Moment. Hunde stammen vom Wolf ab, irgendwo tief in ihnen steckt noch eine wilde Seite. Und das Wasser gibt ihnen die Möglichkeit, diese zu entdecken.

SPIEGEL ONLINE: Was macht die Unterwasserfotos so besonders?

Casteel: Hunde faszinieren mich mit ihren Emotionen. Da sind sie meiner Meinung nach gar nicht so anders als Menschen. Im Wasser werden die Ausdrücke der Hunde besonders deutlich. Man sieht Albernheit, Konzentration, Neugierde, Urinstinkte. Es lassen sich neue Seiten an den Tieren entdecken. Ein Hund mag an Land albern sein, im Wasser wirkt er plötzlich bösartig. Ein anderer wirkt an Land ganz ernst und im Wasser wahnsinnig komisch.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange dauert ein Shooting?

Casteel: Von zwei Minuten bis zwei Stunden ist alles möglich. Manche verstehen sofort, worum es geht. Die Hündin auf dem Buchcover, Douchess, war so ein Fall. Wir gingen schwimmen und nach drei Minuten hatten wir das Foto. Bei Duncan, einem Mops, war es schwieriger, weil er gerne Steinen hinterherjagt und immer direkt auf den Boden guckte. Es dauerte zwei Stunden, wir machten 1500 Fotos bis das richtige dabei war. Zwei Minuten oder zwei Stunden - man weiß nicht, was man bekommt. Deshalb macht es so viel Spaß.

SPIEGEL ONLINE: Was hat sich durch das Projekt für Sie persönlich verändert?

Casteel: Meine Karriere hat sich im Februar komplett gedreht. Vorher war ich ein strampelnder Fotograf, es war immer ein Kampf, genug Arbeit zu bekommen. Jetzt habe ich eine Warteliste mit 4000 Kunden. Das Magazin der "New York Times" hat mich für eine Fotoserie nach Alaska geschickt. Die Herausforderung für mich ist: Wie mache ich das beste aus dem Erfolg? Es ist eine einmalige Chance.

SPIEGEL ONLINE: Wie lief es vor den Unterwasserbildern?

Casteel: Ich liebte meine Arbeit, aber ich fragte mich immer, wie lange ich sie noch machen kann. Ich konnte gerade so meine Rechnungen bezahlen. Das kann ich jetzt und so wie es aussieht, sollte es noch einige Zeit so weitergehen.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie auch mal das Metier wechseln und Menschen fotografieren?

Casteel: Das ist nicht so mein Ding. Ich liebe es mit Tieren zu arbeiten. Ich glaube das werde ich immer tun.

Die Fragen stellte Hendrik Ternieden

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1. Gefällt mir
earl grey 14.11.2012
Zitat von sysopManche reißen das Maul weit auf, andere tauchen neugierig in den Swimming Pool: Mit Fotos von Hunden unter Wasser hat der Fotograf Seth Casteel großen Erfolg. Im Interview erzählt er, wie Wasser sich auf das Wesen der Tiere auswirkt und wie lange es bis zum perfekten Bild dauern kann. Seth Casteel fotografiert Hunde unter Wasser - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/seth-casteel-fotografiert-hunde-unter-wasser-a-863154.html)
Witzig. Schöne Bilder, toll umgesetzt...und auf die Idee muss man erst Mal kommen. Gefällt mir.
2.
HaioForler 14.11.2012
Zitat von sysopManche reißen das Maul weit auf, andere tauchen neugierig in den Swimming Pool: Mit Fotos von Hunden unter Wasser hat der Fotograf Seth Casteel großen Erfolg. Im Interview erzählt er, wie Wasser sich auf das Wesen der Tiere auswirkt und wie lange es bis zum perfekten Bild dauern kann. Seth Casteel fotografiert Hunde unter Wasser - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/seth-casteel-fotografiert-hunde-unter-wasser-a-863154.html)
Was es nicht alles gibt. Muss man drauf kommen, sehr gut :)
3. optional
gbk666 14.11.2012
oh mein gott. Nicht das ich den Artikel / Das Interview gelesen hätte oder mich dafür interessieren würde...aber die Bilder sind genial.
4. Ohren unter Wasser
wolffm 14.11.2012
Hatte mal gelernt bei Hunden dürften die Ohren nicht unter Wasser, wegen Entzündungsgefahr?
5.
gbk666 14.11.2012
Zitat von wolffmHatte mal gelernt bei Hunden dürften die Ohren nicht unter Wasser, wegen Entzündungsgefahr?
Hundeapotheke (http://www.retriever.at/Retriever/Gesundheit/Vorsorge/Hundeapotheke.html) Die Gefahr besteht, man kann aber selber dafür sorgen den Hund ordentlich Wasser aus den Ohren zu entfernen :-)
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