Versteigerung von Rekorddiamant Acht Millionen Dollar? Pah, lächerlich

Ein Pastor findet einen riesigen Diamanten in Sierra Leone, bei einer Versteigerung liegt das Höchstgebot bei fast acht Millionen Dollar. Doch verkauft wird der Stein trotzdem nicht - noch nicht.

DPA

Emmanuel Momoh hatte den Fund seines Lebens gemacht: In einer Mine im westafrikanischen Sierra Leone entdeckte der Pastor im März einen 706-Karat-Diamanten. Mit etwa 141 Gramm ist der Edelstein damit einer der größten, die je entdeckt wurden. Kein Wunder, dass die Erwartungen an die Versteigerung des Steins groß waren.

Vergeblich.

Denn nun ist die Auktion trotz eines Millionengebots ergebnislos zu Ende gegangen. Eine britische Firma bot knapp 7,8 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 7,2 Millionen Euro). Sierra Leones Regierung hatte jedoch einen höheren - nicht bekannt gegebenen - Mindestpreis gesetzt.

Die Regierung war ins Spiel gekommen, weil Pastor Momoh den Riesendiamanten Staatspräsident Ernest Bai Koroma übergeben hatte. Momoh wolle damit das Volk unterstützen, hieß es damals. Präsident Koroma sagte zu, den Erlös der Allgemeinheit zugutekommen zu lassen. Er dankte Momoh, dass er den Stein nicht zum Verkauf außer Landes geschmuggelt habe.

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Riesendiamant: Acht Millionen für 141 Gramm

Der 39-jährige Geistliche zeigte sich nun trotz der vorerst gescheiterten Auktion sehr zufrieden. "Ich war an allen Schritten beteiligt - dem Wiegen, Reinigen und Versteigern des Diamanten", sagte der Pastor. "Alles läuft sehr transparent ab, ich bin mit dem Ablauf sehr zufrieden."

Aufgegeben hat die Regierung noch nicht: Der Stein soll laut offiziellen Angaben demnächst in Belgien versteigert werden, um mehr internationale Bieter anzuziehen. Für wann und wo die Auktion geplant wird, ist noch unklar. Die belgische Stadt Antwerpen gilt als eines der größten Handelszentren für Diamanten.

In Sierra Leone war schon 1972 mit dem "Stern von Sierra Leone" ein Riesendiamant aufgetaucht. Der 969 Karat schwere Edelstein wurde in 17 Teilstücke aufgeteilt. An einen Rekordfund vor etwa zwei Jahren kommt jedoch selbst er nicht heran: 2015 war in Botswana ein 1111 Karat schwerer Diamant entdeckt worden - es war der größte Fund seit mehr als einem Jahrhundert.

Sierra Leone ist reich an Bodenschätzen, vor allem Edelsteinen. Der illegale Handel damit hat aber auch einen jahrelangen Bürgerkrieg mitfinanziert, dem zwischen 1991 und 2002 Zehntausende Menschen zum Opfer fielen. In den Neunzigerjahren entstand so der Begriff der "Blutdiamanten".

mxw/dpa



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