Silvester-Schlusslicht Samoa macht das neue Jahr komplett

Nun wird auch an der Datumsgrenze gefeiert: Mit Konzerten, Lichtfontänen und Raketen begrüßten Menschen auf der ganzen Welt ausgelassen das neue Jahr. In Frankreich allerdings wurden in der Nacht - fast schon traditionell - mehrere hundert Autos in Brand gesteckt.


Überall auf der Erde hat 2009 begonnen. Um 12.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) begrüßten am Donnerstag als letzte auch die Menschen im Pazifik-Inselstaat Samoa das neue Jahr. Samoa liegt in der Nähe der Datumsgrenze. Bereits 13 Stunden früher als in Mitteleuropa konnten die Bewohner der weiter westlich gelegenen Kiribati-Inseln Neujahr feiern.

Mit Lichtfontänen, Raketen und ausgelassenen Partys haben Millionen Menschen auf der ganzen Welt das Jahr 2009 begrüßt. Die Bewohner der Kiribati-Inseln im Südpazifik waren um elf Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) die ersten. Danach ließen die Neuseeländer die Sektkorken knallen, die Australier folgten. Mit reichlich Sekt und einem riesigen Feuerwerk feierten in Berlin Hunderttausende das neue Jahr auf Deutschlands größter Silvesterparty. Um 6.00 Uhr MEZ begrüßten mehr als eine Million Menschen im Herzen New Yorks das neue Jahr.

Zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule trotzten rund eine Million Feiernde den frostigen Temperaturen. Schon zwei Stunden vor Mitternacht waren wegen des Andrangs die Eingänge zur Festmeile geschlossen worden.

Unzählige Leuchtkugeln und Raketen stiegen mit mehrfarbigen Sternen und langen goldenen Schweifen in die Luft. Dazu lief als Eröffnungsmusik für das Jahr 2009 "What A Wonderful World" von Louis Armstrong. Die Feiernden prosteten sich mit Sekt in Bechern zu, denn Flaschen waren auf der Partymeile verboten. "Auf einer der größten Partys Europas zu sein, ist einfach toll", sagte Theresa aus Stuttgart. Zusammen mit ihren Freundinnen Johanna und Annika war die Studentin wie viele andere Besucher aus aller Welt zur Feier in die Hauptstadt gekommen.

Hunderte brennende Autos

Im Anschluss an das Feuerwerk ging die Feier als Open-End-Disco unter freiem Himmel weiter. Rund 20 Künstler wie die deutsche Pop-Prinzessin LaFee oder die Rocker von Ooomph! sorgten auf drei Bühnen und in acht Zelten für Stimmung und Tanzlaune. Für die Polizei verlief Silvester bis Mitternacht "auffallend ruhig".

In Frankreich sind in der Silvesternacht nach Polizeiangaben mindestens 440 Autos in Brand gesteckt worden, während etwa 550.000 Menschen auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées feierten. Die Stimmung sei eher gedämpft gewesen, berichteten Augenzeugen im französischen Rundfunk. Ein Feuerwerk gab es nicht.

Seefahrertradition in New York

Trotz klirrender Kälte und eisigem Wind begrüßten etwa eine Million Menschen im Herzen Manhattans das neue Jahr nach alter New Yorker Tradition. Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau, die nächste US-Außenministerin Hillary Clinton, drückten eine Minute vor Mitternacht den Knopf, der die leuchtende "Zeitkugel" über dem Times Square herabschweben ließ. Der mit Schweinwerfern und Spiegeln bestückte Kristallball war in dieser Silvesternacht fast doppelt so groß wie in vergangenen Jahren. Er erreichte den Boden um Punkt 24.00 Uhr - sechs Stunden nach der deutschen Zeit. Die für Europäer eher ungewohnte Zeremonie geht auf eine alte Seefahrertradition zurück, bei der die Zeit durch eine an einer Stange herabsinkende Kugel gemessen wurde.

Für Stimmung auf dem berühmten Platz am New Yorker Broadway sowie im benachbarten Rockefeller Center sorgten Popsänger und HipHop-Künstler wie die Jonas Brüder, Ludacris, Taylor Swift, Parachute und Lionel Richie. Besonders hartgesottene Zuschauer hatten sich schon am Nachmittag eingefunden, um das Spektakel zum Jahreswechsel in einer der vorderen Reihen genießen zu können. Sie mussten bei Temperaturen bis zu minus zehn Grad Celsius und Windböen von knapp 70 Stundenkilometern viele Stunden bis zum entscheidenden Moment ausharren.

Feiern in arabischen Ländern abgesagt

Angesichts der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen sagten mehrere arabische Staaten - darunter Ägypten, Dubai, Jordanien, Bahrain, Syrien und Marokko - aus Solidarität mit den Palästinensern Feiern und Fernsehshows zum Neuen Jahr ab. Der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, sprach am Mittwoch sogar ein offizielles Verbot für Silvesterfeiern aus.

In Thailands Hauptstadt Bangkok wurde die Silvesternacht von einem Brandunglück überschattet, bei dem mindestens 59 Menschen starben. Etwa hundert weitere wurden verletzt. Das Feuer war kurz nach Mitternacht in einem auch bei Ausländern beliebten Nachtclub ausgebrochen, wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete. Möglicherweise habe ein Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst.

Unzählige Japaner baten am Neujahrsabend in Tempeln und Schreinen um Glück und Segen für das neue Jahr. Punkt Mitternacht erklangen im ganzen Land 108 Mal die Glocken der Heiligtümer, um die 108 Begierden des Menschen oder die 108 Übel des alten Jahres zu vertreiben. Mit dem letzten Glockenschlag begann für die Japaner das "Jahr des Ochsen".

In Russland waren mehr als 100.000 Sicherheitskräfte auf den Beinen, um vor allem Angetrunkenen in der eiskalten Nacht auf dem Weg nach Hause zu helfen. In der Moskauer Innenstadt jubelten die Menschen, als von der Uhr am Spasski-Turm des Kremls um Mitternacht zwölf Glockenschläge erklangen.

Papst Benedikt XVI. rief angesichts der weltweiten Finanzkrise die Katholiken in aller Welt zu mehr Solidarität und materieller Zurückhaltung auf. Das Jahr 2008 ende in dem Bewusstsein einer wachsenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Mittwoch bei der Jahresend-Messe im Petersdom in Rom. Im Anschluss an die Predigt erklang der traditionelle "Te Deum"-Gesang zum Dank und Lob des vergangenen Jahres. Die Lagunenstadt Venedig begrüßte unter dem Motto "LoVe 2009" das neue Jahr liebevoll mit einem "kollektiven Kuss". Eisige Kälte von minus sieben Grad herrschte in Bulgarien. Bei der großen Party in der Hauptstadt Sofia tanzten sich Tausende zur Musik heimischer Rock- und Popstars warm.

1,5 Millionen an der Copacabana

Eine der größten Silvester-Partys sollte in Brasilien steigen. Im hochsommerlichen Rio de Janeiro wurden rund 1,5 Millionen Menschen an der Copacabana erwartet. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wollte dagegen auf einer idyllischen Inselgruppe seine Angst vor dem Wasser überwinden. "Wenn ich (beim Tauchen) einen Thunfisch oder einen Delfin sehe, will ich ihn umarmen und küssen und ihm ein frohes neues Jahr wünschen", sagte er.

Die beiden neuen Kulturhauptstädte Europas, Linz und Vilnius, feierten mit großen Festen für die Bevölkerung ihren neuen Status. Linz zündete um Mitternacht eine "Raketensinfonie", Vilnius, die östlichste Kulturhauptstadt seit Einführung des Ehrentitels 1985, ließ in einer Show seine tausendjährige Geschichte aufleuchten. Im Norden Finnlands wurden öffentliche Silvesterpartys unter freiem Himmel wegen Sturmwarnungen abgesagt. Die Schlechtwetterlage halte auch in Schweden bis zum Samstag an, sagten Meteorologen.

cpa/dpa/AFP



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