Silvesterunglück Mindestens 28 Tote durch Böller in Mexiko

Bei schweren Explosionen von illegal verkauften Feuerwerkskörpern sind in der mexikanischen Hafenstadt Veracruz am Silvestertag zahlreiche Menschen getötet worden. Etwa 70 wurden verletzt.


Ein ausgebrannter Marktstand in Veracruz
AP

Ein ausgebrannter Marktstand in Veracruz

Mexiko-Stadt - Einsatzkräfte sprachen am Mittwoch sogar von möglichen 50 Toten. Offizielle Stellen hatten zunächst von 28, dann 35 Todesopfern berichtet. In mehreren zerstörten Geschäften wurde am Neujahrstag noch nach weiteren Opfern gesucht. Etwa 70 Menschen wurden bei der Serie von Detonationen auf dem zentralen Marktplatz der Stadt an der Ostküste Mexicos verletzt, meldeten Rettungshelfer.

Als Ursache des Unglücks gilt illegaler Feuerwerkskörperverkauf. Händler von Knallkörpern hatten sich einem Verkaufsverbot widersetzt.

Das Unglück geschah gegen 17.00 Uhr (Ortszeit), als viele Menschen auf dem Markt ihre letzten Einkäufe für das Neujahrsfest machten: Plötzlich explodierten Silvesterknaller, die weitere Detonationen und Brände auslösten. Mehrere Händler hatten ihre Böller-Vorräte kaum gegen Funkenflug geschützt.

Ein Sprecher des Roten Kreuzes sagte am Mittwoch, Rettungskräfte hätten 16 verbrannte Leichen von Frauen entdeckt, die offenbar in einem Bekleidungsgeschäft Zuflucht gesucht hätten. "Sie versuchten, den Flammen zu entkommen, aber am Ende starben sie in dem Feuer", erklärte Santo. Mehr als ein Dutzend weitere Leichen hätten auf den Straßen gelegen.

Wie es in den Nachrichten weiter hieß, erlitten bei dem Unglück Dutzende von Menschen schwere Verbrennungen oder Rauchvergiftungen. Die Zahl der Toten könnte sich noch erhöhen, da auch viele Geschäfte und Gebäude im Bereich des Marktes betroffen waren, hieß es.

Zigarette als Auslöser?

In den mexikanischen Medien hieß es, möglicherweise habe ein Marktbesucher eine Zigarette in einen der Feuerwerksstände geworfen. Möglich sei auch, dass ein Funke den Brand ausgelöst habe. Der Fernsehsender Televisa berichtete, zwei Personen seien festgenommen worden, weil sie illegal fast drei Tonnen Feuerwerkskörper gelagert hätten.

Die Feuerwehr brauchte mehr als sechs Stunden, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Noch während der Löscharbeiten waren immer wieder Detonationen zu hören. "Es war eine Hölle aus Hitze und Explosionen, eine riesige Katastrophe mit so vielen Opfern", sagte Feuerwehrchef Carlos Basanez. "Es ist eine Schande." Nach Angaben seines Sprechers Ortiz hatten Mitarbeiter der Stadt eine Woche zuvor versucht, den illegalen Handel mit Feuerwerkskörpern zu unterbinden. Die Verkäufer hätten diese jedoch gewaltsam vertrieben.

Der Bürgermeister von Veracruz, José Ramon Gutiérrez, kritisierte die Verkäufer von Knallkörpern als unverantwortlich. Einige der Silvesterraketen seien aus Sicherheitsgründen schon Tage vor dem Jahreswechsel verboten worden. Ein Vertreter des Stadtparlaments räumte Fehler der Verwaltung ein. Den Behörden sei es nicht möglich gewesen, den Verkauf von Silvesterraketen besser zu kontrollieren. "Ich glaube, dass der Verkauf außer Kontrolle geraten ist", sagte er.

Nicht die erste Katastrophe

Es war nicht die erste Brandkatastrophe mit illegalem Feuerwerk in Mexiko. Am 26. September 1999 kamen in der Ortschaft Celaya 63 Menschen ums Leben. Die Ermittler erklärten damals, die Explosion sei von fast vier Tonnen illegal gelagertem Feuerwerk ausgegangen.

Vor fast genau einem Jahr waren bei einem durch Feuerwerkskörper ausgelösten Großbrand in der peruanischen Hauptstadt Lima mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Der Zivilschutz sprach von 293 Toten und rund 650 Vermissten. Explodierende Böller hatten zwei Tage vor Silvester zwei Einkaufszentren und vier Straßenblocks der historischen Altstadt von Lima in Schutt und Asche gelegt.





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