"Simpsons"-Heimat verraten: Das wahre Springfield ist ganz entspannt

Es war eines der bestgehüteten Geheimnisse im US-Fernsehen: Welches der vielen Springfields in den USA ist die Heimat der "Simpsons"? Matt Groening, Schöpfer der Kultfiguren, hat das Rätsel nun gelöst - er ließ sich vom Ort in seinem Heimatstaat Oregon inspirieren. Dort gibt man sich gelassen.

Stadt in Oregon: Das echte Springfield Fotos
Fox

Hamburg - Lisa hat es schon immer gewusst: In einer "Simpsons"-Folge aus der siebten Staffel zeigt sie auf einer Karte der USA, wo Springfield liegt, die Heimatstadt der gelben Comic-Familie. Dumm nur: Genau in diesem Moment sieht der Zuschauer nicht die Karte, sondern den Kopf von Lisas Bruder Bart.

Die Szene ist typisch für die "Simpsons": Die Schöpfer der erfolgreichen TV-Serie haben sich einen Spaß daraus gemacht, die Lage Springfields zu verheimlichen und widersprüchliche Anspielungen in einzelnen Folgen zu platzieren. Springfield ist einer der häufigsten Städtenamen in den USA - nicht zuletzt deshalb trug das Rätsel um das "echte" Springfield seinen Teil zum Kult um die Serie bei.

Bis jetzt. In einem Interview mit dem "Smithsonian Magazine" hat "Simpsons"-Erfinder Matt Groening Springfield im US-Bundesstaat Oregon als Namensgeber benannt. Er sei durch die Fernsehshow "Father Knows Best" inspiriert worden, die ebenfalls in einem Springfield spielte, so Groening. Springfield in Oregon liegt etwa 160 Kilometer südlich von Groenings Heimatstadt Portland.

Zuvor hatte Groening den zahlreichen amerikanischen Springfields stets die Hoffnung gelassen, sie seien das Vorbild für die beliebte Serie. "Ich wollte den Menschen den Spaß nicht verderben", sagte Groening. "Wenn sie sagten, es ist Springfield in Ohio oder Springfield in Massachusetts oder wo auch immer, dann hab ich jedes Mal geantwortet: Ja, das stimmt."

"Euer Kumpel Matt Groening"

Vielleicht lässt sich so auch die Gelassenheit erklärten, mit der Springfield in Oregon auf die Enthüllung reagierte. "Das hat er uns schon 2007 gesagt", heißt es auf der Website der Stadt. Und gleich dazu der angebliche Beweis: Das Foto einer Tafel mit einer Widmung Groenings. "Hallo an Springfield in Oregon - das echte Springfield", ist dort zu lesen, "euer Kumpel Matt Groening, stolz, aus Oregon zu sein".

Während nun fast alle großen US-Medien die Enthüllung Groenings verbreiten, ist auf der lokalen Website www.springfieldtimes.net bisher kein Eintrag zu finden. "Oh, okay, das wussten wir", sagte auch Niel Laudati von der Stadtbehörde lapidar.

Die Stadt mit knapp 60.000 Einwohnern hat sich die "Simpsons"-Kultur ohnehin zu eigen gemacht. Groenings Widmung hängt im Rathaus, und im örtlichen Museum steht eine Couch ähnlich der aus dem "Simpsons"-Wohnzimmer.

Dabei ist das Springfield der "Simpsons" eigentlich alles andere als nachahmenswert. Es gibt den korrupten Bürgermeister Joe Quimby, den faulen und inkompetenten Polizeichef Clancy Wiggum, den skrupellosen AKW-Betreiber Montgomery Burns. Die Grundschule des Ortes zerfällt, auf der Müllhalde brennt ununterbrochen ein riesiger Reifenstapel, und wenn es Ärger gibt, versammeln sich Bürger des Ortes gerne als gewaltbereiter Mob.

"Das berührt uns nicht", sagte Laudati, "wir halten uns nicht mit schlechten Dingen auf." Viele Fakten aus dem "Simpsons"-Universum gebe es in seiner Stadt nicht, auch kein Atomkraftwerk. "Was es gibt, sind viele Arbeiterfamilien, die zusammen Abendbrot essen und jeden Sonntag in die Kirche gehen. Das trifft es genau", so Laudati.

Die "Simpsons" laufen seit 22 Jahren im US-Fernsehen - so lange wie keine andere Sitcom oder Comic-Serie, insgesamt räumten die Macher bisher 27 Emmy Awards ab. Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie Simpson sind längst ein kulturelles Phänomen. Homers berühmter Ausspruch "D'oh!" (in der deutschen Synchronisation: "Nein!") steht seit 2011 im Oxford Wörterbuch.

Vor knapp fünf Jahren, als der "Simpsons"-Film in die Kinos kam, hatte die "USA Today" einen Wettbewerb ausgerufen. 14 Orte mit dem Namen Springfield bewarben sich mit einem eigenen Kurzfilm um die Ausrichtung der Premiere. Damals hatte Springfield in Oregon das Nachsehen: Die meisten Stimmen bekam Springfield in Vermont.

hut/AP

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