Single-Männer: Allein ist spitze
Single-Männern geht's mies, das legt eine Studie nahe: Ohne Frau, so scheint es, können sie einfach nicht glücklich sein. Wer aber seinen alleinstehenden Kumpel mit Verkupplungsversuchen zwangsbeglücken möchte, sei gewarnt - so elend ist das Alleinsein nicht.
Ich verschlinge gerne alle Arten von Studien, ob sie mich betreffen oder nicht. Neulich zum Beispiel: Der "Glücksatlas 2012". Dort ist haarklein aufgelistet, wo in Deutschland die glücklichsten Menschen leben, und siehe da: Sie leben in meiner Stadt, in Hamburg.
Ungünstig für Männer, für mich persönlich aber ohne direkte Folgen ist eine andere Studie, die mir letztens in die Finger kam. Wissenschaftler der Uni Kent hatten sozusagen einen Glücksatlas für Singles erstellt, und dort kam mein Geschlecht gar nicht gut weg. Während Single-Frauen ein hohes Glücksniveau haben, reisen, Freundinnen treffen, viel unternehmen und mittendrin im sozialen Leben sind, wirkt sich ein Single-Leben auf Männer bedrohlich aus: Von Zufriedenheit keine Spur, eher enden die Kerle irgendwann als einsame, Pizza-futternde Sozial-Honks vor der Mattscheibe.
Sollte mich ja nicht stören, die Zeiten sind vorbei, auch wenn ich das Single-Leben nicht ganz so ernüchternd in Erinnerung hatte. Doch mir fiel beim Lesen dieser Studie sofort ein guter Kumpel ein, er ist sogar einer meiner Besten, ein Riesen-Typ. Ich kenne ihn schon seit der Mittelstufe, war oft mit ihm im Urlaub, und der einzige Makel, der mir einfällt: Es scheint keine Frau zu geben, die das erkennt. Jedenfalls ist er seit elendig langer Zeit Single.
So nahm ich die Studie zum Anlass, in dieser Sache mal wieder aktiv zu werden. Es ist allerdings sehr schwer, mit ihm über dieses Thema zu sprechen. Irgendwelche Belehrungsversuche nach dem Motto "Du musst jetzt aber mal..." wirken immer wie von oben herab, von mir eingefädelte Verkupplungsversuche enden grundsätzlich im Desaster, und jegliche Andeutungen, Online-Dating sei heute doch was ganz Normales und dort könne man auch ganz tolle Frauen treffen, haben bislang auch nicht gefruchtet.
Überraschendes Glück
Nach einem Telefonat mit seinem anderen guten Kumpel stand dennoch fest: jetzt oder nie! Über eine Stunde diskutierten wir, heckten Schlachtpläne aus von gemeinsamen Ausgeh-Abenden ("Hat aber früher auch nie geklappt!") über Massen-Speeddating bis hin zu dem Vorschlag, heimlich schon mal ein paar Profile auf Dating-Seiten für ihn anzulegen und ihn später damit zu überraschen. Ich war dazu auserkoren, ihm irgendwie zu sagen, dass wir uns langsam um ihn sorgen.
Er war allerdings nicht so einfach zu erreichen, wie ich dachte. "Bin halt viel unterwegs", sagte er, als er dann doch mal Zeit hatte, um sich abends in unserer ehemaligen Stammkneipe zu treffen.
Sein "Sehr gut, könnte kaum besser laufen!" nach der obligatorischen "Wie geht's?"-Frage zu Beginn klang nicht gerade ironisch. Dann erzählte er: Im Job liefe es toll, er treffe viele Freunde wie mich heute, daneben noch der Sport zwei-, dreimal die Woche, sogar eine Dauerkarte für unseren Lieblingsklub habe er sich diese Saison gegönnt. Heute könne er nicht allzu lange bleiben, morgen früh fliege er mit zwei anderen Freunden nach Irland an einen See zum Angeln. Hörte sich nach einem tollen Urlaub an. Und nach einem, den Nicht-Singles eher seltener machen.
Später brachte er mich in seinem neuen Auto nach Hause, ein Auto, das selbständig rückwärts in die engsten Lücken einparkt, wenn man will. Ich hatte schon vorher nicht gewagt, das Single-Thema anzuschneiden, das hätte noch mehr von oben herab gewirkt, als ich es mir vorher ausgemalt hatte, und auf dem Weg in die Vereinsamung schien er mir auch nicht zu sein. Auch wenn er sicherlich die eine oder andere Pizza vor dem Fernseher zu viel gegessen hatte.
Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber vielleicht hätte ich einfach auf meine vorherigen Recherchen zurückgreifen sollen. Immerhin weiß ich aus einer Studie, dass mehr als 25 Prozent aller Hamburger Singles sind. Selbst wenn die Mehrheit davon Frauen sind, kann der Rest ja nicht nur unglücklich sein, sonst stimmen ja die Zahlen aus dem "Glücksatlas" nicht. Wahrscheinlich hat einfach die Zufriedenheit jedes einzelnen mit viel mehr persönlichen Faktoren als dem Beziehungsstatus zu tun. Aber dazu gibt es bestimmt auch schon eine Studie.
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- Freitag, 21.09.2012 – 15:20 Uhr
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- Unser Kolumnist Peter Petschek lebt mit seiner Freundin in einer kleinen Wohnung tief im Osten Hamburgs. Er wundert sich ständig über das, was Frauen tun, lassen, sagen, essen, fühlen, denken und schreibt deshalb darüber. Sein Motto: Ein Klischee ist nur der Durchschnitt einer Summe aller Erfahrungen.
A. Lampe
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