Aufstand im Bistum Limburger planen Zukunft ohne Tebartz-van Elst

Der Protest gegen Franz-Peter Tebartz-van Elst hat seine engsten Mitarbeiter erfasst. Im Ordinariat herrscht Ratlosigkeit, Beschlüsse sind blockiert. Die Zukunft des Limburger Bischofs ist auch nach dem Gespräch mit Papst Franziskus düster. Eine Entscheidung des Vatikan wird für Mittwoch erwartet.

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Bischofshaus in Limburg: "Wo steckt der eigentlich?"
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Bischofshaus in Limburg: "Wo steckt der eigentlich?"


Weil den Limburger Katholiken die entscheidenden Führungskräfte abhandengekommen sind, wollen sie jetzt dazu übergehen, die Arbeit in Eigenregie fortzuführen. Die wichtigste Forderung der Mitarbeiter im Ordinariat lautet, es sollte möglichst bald ein Krisenstab gebildet werden, um überhaupt noch Entscheidungen treffen zu können.

Der stellvertretende Generalvikar Prälat Helmut Wanka hatte am vergangenen Freitag kurzfristig zur "Austauschrunde der Dezernenten und der Dezernentinnen sowie der AbteilungsleiterInnen" eingeladen. Bei dem Treffen am Limburger Roßmarkt ging es ziemlich hoch her, die leitenden Mitarbeiter wollten wissen, wer überhaupt im Bistum derzeit ihr Chef ist.

Sie beklagten sich gegenüber Wanka und dem ebenfalls anwesenden Weihbischof Thomas Löhr, dass sie vom Bischof nun schon fast zwei Wochen alleingelassen werden. Auch von Franz Kaspar, dem bisherigen Generalvikar und hauptsächlicher Triebkraft hinter Franz-Peter Tebartz-van Elst, hätten sie seit Tagen nichts mehr gehört. "Wo steckt der eigentlich?", fragte jemand.

"Das geht doch nicht mehr!"

Ein anderer ratloser Mitarbeiter klagte: "Soll ich den Druck des neuen Gesangbuches 'Gotteslob' stoppen lassen? 200.000 Exemplare unserer Diözesanausgabe müssen dringend hergestellt werden, ganz vorne im Buch muss ein Vorwort des Bischofs stehen - aber soll das noch von Tebartz-van Elst sein?"

Das Gesangsbuch soll rechtzeitig zum Advent, spätestens zum 1. Dezember, in den Pfarreien sein. Tebartz-van Elst hatte einen Entwurf für ein Vorwort geschrieben und wollte es noch überarbeiten. "Und was schreiben wir den Gold- und Silberjubilaren in den Gemeinden?", fragte eine weitere Mitarbeiterin und gab sich selbst die Antwort: "Ein Gruß, unterzeichnet von Tebartz-van Elst - das geht doch nicht mehr!"

Es stehen noch wesentlich drängendere Probleme an: In zehn Tagen sollen einige neue Pfarrer ihr Amt antreten. Das können sie wohl nicht, denn es fehlt die Unterschrift des Bischofs, sämtliche Pfarrbesetzungen hängen in der Warteschleife. Und das womöglich, bis ein neuer Bischof kommt.

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Tebartz-van Elst: Audienz beim Heiligen Vater
Auch die Transparenz der grauen Kirchenkassen ist ein Thema, das nun alle im Ordinariat umtreibt. Von den rund 300 Mitarbeitern im Ordinariat weiß praktisch niemand, außer Tebartz-van Elst und Generalvikar Kaspar, wie hoch das Vermögen des Bistums wirklich ist. "Wie sollen wir den Scherbenhaufen je wieder aufräumen?" Die Frage richtet sich besonders an Domdekan Günther Geis, ein Mann, der jahrelang in nächster Nähe zum Bischof stand. "Ich bin inzwischen überzeugt", sagte Geis, "das Vertrauen in den Bischof ist dahin, und ich sehe nicht, wie neues Vertrauen wachsen kann. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist bei null."

Forderung nach radikaler Änderung

Er rechnet damit, dass in Rom eine klare Entscheidung über Tebartz-van Elst erst am Mittwoch erfolgt, genauer informiert wird er aber von seiner Kirche auch nicht. Am Montag ist Tebartz-van Elst mit Papst Franziskus zusammengekommen. Unmittelbar davor hat Franziskus den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner getroffen.

"Die gegenwärtige Situation ist kaum noch auszuhalten", beschreibt Geis die Stimmung in der aktuellen Bistumszeitung und fügt hinzu: "So kann es nicht weitergehen." Mitarbeiter im Ordinariat, die Priester und Hauptamtlichen, Gemeinden und die synodalen Gremien sagten: "Es reicht!" Für den Domherrn ist klar: "Es muss im Bistum Limburg einen Neuanfang mit einem neuen Bischof geben."

Ein wenig selbstkritisch ist Geis nun dabei auch: "Das Domkapitel hat ihn gewählt. Wir kannten ihn von seinen Publikationen, nicht aber als Persönlichkeit." Er hatte in der Anfangszeit, nach dessen Amtsantritt 2008, auf einen "frühlingshaften Aufbruch" mit dem neuen Bischof gehofft. "Jetzt ist es nur noch ein Trauerspiel."

Altgediente Pfarrer wie Hubertus Janssen, 76, hatten da seit Jahren einen realistischeren Blick. Janssen warnt: "Mit einem Rücktritt oder einer Amtsenthebung von Bischof Tebartz-van Elst sind die Probleme innerhalb der Kirche noch nicht gelöst. Es muss alles getan werden, damit so etwas wie im Bistum Limburg nicht mehr geschehen kann." Dazu gehört für ihn eine radikale Änderung der hierarchischen Strukturen: "Es muss eine Transparenz bei Entscheidungen des Bischofs geben. Die Finanzen müssen in allen Bereichen offengelegt werden. Es dürfen keine autoritären Personalentscheidungen mehr gemacht werden. Bei Bischofsernennungen muss es Mitsprachemöglichkeiten auch für die Basis geben."

Verteidigung der Medien

Im Limburger Ordinariat hat immerhin ein erstaunliches Umdenken über die Rolle der Presse begonnen. Domdekan Geis verteidigt die Medien gegen die Schelte aus den eigenen Reihen. Die Zeitungen hätten "hinreichend und mit erstaunlicher Kenntnis im Detail" berichtet. "Die Fakten und Hintergründe wurden weithin aufgedeckt." Damit widerspricht er vor allem dem Kurienbischof Gerhard Ludwig Müller, der noch vor wenigen Tagen in Rom bei einer Predigt über "Dämonen" erneut von einem Lügengebäude der Presse sprach, das bald in sich zusammenfallen werde.

Geis kritisierte den obersten Glaubenswächter der katholischen Kirche, dessen Einlassungen über Tebartz-van Elst ließen "jegliche präzise Kenntnis der hiesigen Verhältnisse vermissen". Von einer gegen Tebartz-van Elst gerichteten Pressekampagne zu sprechen, treffe nicht den Kern des Problems. "Im Gegenteil: Die Presse hat wesentlich mit dazu beigetragen, Fakten ans Licht zu bringen, die vorher verschleiert wurden."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
ein-berliner 21.10.2013
1. Ist doch wirklich nicht so schwer
Zitat von sysopDPADer Protest gegen Franz-Peter Tebartz-van Elst hat seine engsten Mitarbeiter erfasst. Im Ordinariat herrscht Ratlosigkeit, Entscheidungen sind blockiert: Soll ein Gesangbuch mit einem Vorwort des Limburger Bischofs noch gedruckt werden? Auch ohne ein Verdikt des Vatikans scheint Tebartz' Zukunft düster. Skandal um Bischof Tebartz-van Elst: Bistum Limburg will Krisenstab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/skandal-um-bischof-tebartz-van-elst-bistum-limburg-will-krisenstab-a-929016.html)
Der arme Bischof bekommt in Rom Kirchenasyl und das Thema ist vom Tisch. Wo also ist das Problem?
Hilfskraft 21.10.2013
2. Lol
das können sie ja gerne, die Limburger. Nur, diesen Bau werden sie noch in 100 Jahren vor der Nase haben. Der Mann hat sich und der kath. Kirche ungefragt ein Denkmal gesetzt. Hoffentlich brennt sich das in unsere Festplatten ein und setzt endlich erfolgreiche Bemühungen um die endgültige Trennung von Kirche und Staat in Gang. Wir Bürger können nicht zwei Herren dienen. Zu oberst den Popen (die tun nix für´s Geld) und dann murkselt nebenher auch noch eine Murksel herum.
citi2010 21.10.2013
3.
Lasst ihn doch wenigstens ein Jährchen oder so in seinem Prachtbau wohnen. Das wäre wirklich zu gemein, ihm das jetzt zu versemmeln - nur weil er ein alter Halodri und Bling Bling Bischof ist. Das meine ich übrigens Ernst. Ein bisschen Freude sollte er doch haben bevor er in Kalkutta seinen Dienst antritt.
CortoM 21.10.2013
4. Hoffentlich ist die Kuh bald durchs Dorf durch
Als ob es keine dringenderen Probleme auf der Welt gibt als ein sch.... Gesangsbuch? Also wirklich Spon!
niska 21.10.2013
5.
Zitat von ein-berlinerDer arme Bischof bekommt in Rom Kirchenasyl und das Thema ist vom Tisch. Wo also ist das Problem?
Keines. Und notfalls sind bestimmt auch die Klosterrouten noch aktiv... Man sollte es nicht übertreiben. Eine Versetzung in die dritte Welt zur inneren moralischen Reinigung könnte funktionieren. Ob mit Mitra oder ohne Mitra.
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