WM-Party in Berlin DFB-Präsident Niersbach verteidigt Gaucho-Tanz

Jetzt spricht der DFB-Präsident: Wolfgang Niersbach hat den umstrittenen "Gaucho-Tanz" der deutschen Nationalspieler auf der Berliner Fanmeile verteidigt. Die Aktion sei "in keinster Weise despektierlich" gemeint gewesen.

Getty Images

Berlin - DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat den umstrittenen "Gaucho-Tanz" einiger Fußball-Weltmeister bei der Titelfeier am Dienstag in Berlin verteidigt. "Es tut uns leid, wenn dies bei einigen falsch und missverständlich rübergekommen ist", wird Niersbach in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zitiert.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 29/2014
Nahaufnahme einer Nation

Niersbach will Argentiniens Verbandschef Julio Grondona demnach "einen Brief schreiben und noch mal deutlich machen, dass die Aktion in keinster Weise despektierlich gemeint war. Wir haben größten Respekt vor Argentinien, beste Beziehungen zum dortigen Verband und freuen uns auf das baldige Wiedersehen beim Länderspiel in Düsseldorf." Die Neuauflage des WM-Endspiels von Rio de Janeiro findet am 3. September statt.

Angeführt von Vorsänger Miroslav Klose hatten Torhüter Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, André Schürrle, Mario Götze und Toni Kroos bei der Siegerparty vor dem Brandenburger Tor einen beliebten Fangesang auf die unterlegenen Argentinier umgedichtet. In gebeugter Haltung sangen sie "So geh'n die Gauchos", um später aufgerichtet hinzuzufügen: "So geh'n die Deutschen".

"Aus Freude heraus entstanden"

Er wisse von Teammanager Oliver Bierhoff, "dass die Idee der Spieler spontan aus der Emotion und Freude heraus entstanden ist", sagte Niersbach. "Sie sind alle absolut anständige und faire Sportsleute, die sich über niemanden lustig machen, sondern einfach nur ausgelassen mit den Fans feiern wollten."

In Argentinien hatte die Szene geteiltes Echo hervorgerufen. Während einige Zeitungen Verständnis für den Überschwang der deutschen Spieler äußerten, schrieb etwa "Diario Olé" von einer "polemischen" Geste. "Sie schauen von oben herab und sehen sich als andere Rasse", hieß es dort. Der in Argentinien bekannte uruguayische Sportjournalist Victor Hugo Morales bezeichnete die Gaucho-Tänzer in seiner Sendung als "ekelhafte Nazis". Der Uruguayer ist für seine pointierten politischen Kommentare bekannt; während der WM hatte er gemeinsam mit dem argentinischen Fußball-Idol Diego Maradona eine Fußballsendung im venezolanischen Fernsehsender Telesur moderiert.

Argentinische Spieler oder Verantwortliche äußerten sich nicht kritisch zu der Aktion. Mehrere deutsche Medien kritisierten den "Gaucho-Tanz" hingegen unter anderem als "Schnapsidee" ("Welt.de") oder als "üble Persiflage" (Faz.net). Auf SPIEGEL ONLINE hieß es in einem ersten Bericht am Dienstagmittag, die Nationalspieler hätten die Argentinier "verhöhnt" (Das internationale Presseecho zum Gaucho-Tanz finden Sie hier).

In den sozialen Netzwerken wurde die Aktion auch am Mittwoch hitzig diskutiert. Unter dem Hashtag #gauchogate überwogen dabei allerdings bei Weitem jene Kommentare, die die Nationalspieler in Schutz nahmen. "Armes Presse-Deutschland .... Wie kann man selbst den größten Erfolg kaputt machen wollen?", fragte etwa der ehemalige Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer. "Unsportlich, aber kein neuer Nationalismus", twitterte der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. (Einen Überblick über die Reaktionen im Netz finden Sie hier.)

"Wahrscheinlich wäre ein anderes Lied besser gewesen, aber die Vorwürfe von Rassismus und deutscher Überheblichkeit finde ich übertrieben", sagte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend. "Fankultur lebt ja von Zuspitzungen." Es sei zwar etwas anderes, wenn Nationalspieler statt Fans einen solchen Tanz aufführten. Das Gaucho-Lied sei aber einfach eine Persiflage auf die Stimmungslage nach einem Fußballspiel. "Die einen schlurfen eben traurig nach Hause und die anderen singen und tanzen."

Fotostrecke

10  Bilder
WM-Siegerparty in Rio: Lasst die Feierbiester raus

Vote
WM-Party am Brandenburger Tor

Was sagen Sie zum "Gaucho-Tanz" der Nationalspieler?

rls/sid/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.