Somalia Zwei Millionen Dollar Lösegeld für die Luxusyacht

Schüsse aus dem Hubschrauber, eine Verfolgungsjagd, offenbar auch Tote und Verletzte: Die Befreiung der 30 Geiseln an Bord der Yacht "Ponant" verlief dramatischer, als es bislang den Anschein hatte. Sechs Piraten wurden gefasst. Die Reederei soll zwei Millionen Dollar Lösegeld gezahlt haben.


Mogadischu/Paris - Das von somalischen Piraten gekaperte französische Kreuzfahrtschiff "Le Ponant" und seine Besatzung sind gerettet - doch so friedlich, wie es nach einer ersten Erklärung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy den Anschein hatte, verlief die Aktion nicht.

Kurz nach der Freilassung der 30 Männer und Frauen an Bord hätten Soldaten sechs der Piraten nach einer Verfolgungsjagd gefangengenommen, sagte der französische Generalstabschef Jean-Louis Georgelin. Dabei hätten sie auch "Warnschüsse" abgegeben.

Nach Angaben des somalischen Gouverneurs Dahir Abdul Kadir Ahmed wurden bei dem Einsatz drei Menschen getötet und acht weitere verletzt. Andere Quellen berichten von fünf Toten. Paris dementierte, dass es Tote gab.

Wie am Abend bekannt wurde, soll die französische Reederei der "Ponant" ein Lösegeld von rund zwei Millionen Dollar für die Freilassung der Besetzung gezahlt haben.

Dies wurde von der Regierung nicht bestätigt. Die französischen Soldaten hätten jedoch bei der Festnahme mehrere "interessante Säcke" entdeckt, sagte Generalstabschef Georgelin.

Der 88 Meter lange Dreimaster war am 4. April ohne Passagiere an Bord vor dem Horn von Afrika überfallen und zu einem Piratenhafen in der autonomen somalischen Region Puntland entführt worden. An Bord befanden sich 22 Franzosen, sechs Philippiner, ein Kameruner und eine Ukrainerin. Die Besatzung sei inzwischen an Bord des Hubschrauberträgers "Jeanne d'Arc", sagte Georgelin.

Bis zu diesem Sonntag soll die Crew auf die französische Militärbasis im nordostafrikanischen Dschibuti gebracht und von dort nach Paris geflogen werden. An diesem Dienstag soll die "Ponant" in Dschibuti eintreffen.

Frankreich hatte seine Kriegsmarine und Eingreiftruppen in Marsch gesetzt, aber eine Verhandlungslösung angestrebt. Die Verhandlungen hätten per Funk zwischen der Reederei CMA-CGM und den Piraten stattgefunden, sagte der Vertreter der französischen Armee im Élysée, Edouard Guillaud. Für das Militär habe es mehrere "rote Linien" gegeben. "Wäre eine der Geiseln misshandelt worden und von Bord der "Ponant" gebracht worden, hätten wir sofort eingegriffen."

Bei den gefassten Piraten handelt es sich nach Angaben von Georgelin um ehemalige somalische Fischer. Sie sollten jetzt der französischen Justiz übergeben werden. Die Küste vor Somalia und der Golf von Aden zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika sind berüchtigt für Piratenüberfälle. In Somalia herrscht seit fast zwei Jahrzehnten ein Bürgerkrieg, eine funktionierende Zentralregierung gibt es nicht. Seeräuber-Banden machen sich den rechtsfreien Raum zunutze.

Präsident Nicolas Sarkozy wolle international gegen die Piraterie mobil machen, sagte sein diplomatischer Berater Jean-David Levitte.

Frankreich werde dem UN-Sicherheitsrat in den nächsten Tagen ein Maßnahmenpaket vorlegen. Dazu zählten "freiwillige Patrouillen" in bedrohten Gebieten durch Schiffe von Staaten mit den entsprechenden Kapazitäten, wie etwa Frankreich.

Im Jahr 2007 waren offiziell 263 Piratenangriffe registriert worden. Dazu kommt eine Dunkelziffer, da auch heimlich Lösegeld gezahlt wird. Nur selten machen die Überfälle Schlagzeilen wie im Falle der französischen Luxusjacht. So befindet sich seit dem 1.

April ein jemenitischer Kutter samt Besatzung in der Gewalt der somalischen Piraten, ohne dass dies Aufsehen erregt. Die oft mit Panzerfäusten und automatischen Waffen ausgerüsteten Seeräuber greifen meist mit schnellen offenen Booten an. Seit die Seewege möglichst weit von der gefährlichen Küste weg gelegt wurden, werden auch Fischkutter als unverdächtige Mutterschiffe eingesetzt, von denen auf hoher See die kleinen Motorboote ausgesetzt werden.

pad/AFP/Reuters/dpa

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