"Horrorhaus" in Spanien Deutsche Rentnerin deckt Misshandlungen auf - und stirbt kurz darauf

Ein deutsch-kubanisches Paar soll alte Menschen in Spanien misshandelt und um ihre Ersparnisse gebracht haben. Aufgedeckt wurde der Fall durch die Aussage einer Deutschen. Wenig später war sie tot.

Maria B.
AFP/ Spanish Guardia Civil

Maria B.


Die spanische Polizei hat einen deutschen Rentner und eine niederländische Seniorin aus einem privaten Pflegeheim in Andalusien befreit. Die beiden seien in einem "schrecklichen Zustand" gewesen, teilte ein Sprecher der Guardia Civil mit. Gemeinsam mit anderen alten Menschen seien sie eingesperrt, unter Drogen gesetzt und unnötigerweise durch Magensonden ernährt worden.

Die Einrichtung in der Küstengemeinde Chiclana de la Frontera nahe Cádiz wurde von den Ermittlern als "Horrorhaus" bezeichnet. Sechs Menschen wurden unter dem Verdacht festgenommen, ihre Opfer um mehr als 1,8 Millionen Euro betrogen zu haben. Als Hauptverdächtige gelten eine Kubanerin und ihr Lebensgefährte, der die deutsche und kubanische Staatsangehörigkeit haben soll. Ihnen werden unter anderem Betrug, Urkundenfälschung, Misshandlung und Geldwäsche vorgeworfen.

Die Guardia Civil hatte die Ermittlungen in Zusammenhang mit dem Heim nach einem Hinweis aus Deutschland aufgenommen. Die 101 Jahre alte deutsche Staatsbürgerin Maria B., die schon länger in Spanien lebte, war als vermisst gemeldet worden. Die Polizei spürte sie in Chiclana auf und brachte sie in ein sicheres Pflegeheim. In Befragungen gab B. an, sie sei von dem deutsch-kubanischen Paar in der Nähe ihres Hauses auf Teneriffa angesprochen und überredet worden, in das vermeintliche Pflegeheim umzuziehen.

Mysteriöse Todesfälle

Dort sei sie monatelang gefangen gehalten und mit Handschellen gefesselt worden. "Im Oktober hatte sie noch mehr als 162.000 Euro auf ihrem Bankkonto. Nachdem das Paar in ihr Leben getreten war, hatte sie Mitte Dezember weniger als 300 Euro. Außerdem war ihr Haus auf Teneriffa verkauft worden, ohne dass sie Geld aus dem Verkauf bekommen hätte", heißt es in einer Stellungnahme der Guardia Civil.

Bevor die Verdächtigen aufgrund der Aussagen festgenommen werden konnten, hätten sie Maria B. mit Hilfe einer mutmaßlich gefälschten Vollmacht aus dem sicheren Heim geholt. Wenige Stunden später sei B. gestorben und sofort eingeäschert worden, sodass keine Autopsie durchgeführt werden konnte. Die Ermittler schließen nicht aus, dass B. ermordet worden sein könnte.

Es ist nicht der einzige mysteriöse Todesfall in Zusammenhang mit dem verdächtigten Paar. Vier weitere Senioren, die sich in ihre Obhut begeben hatten, seien "unerwartet verstorben", heißt es in der Polizei-Stellungnahme. Auch die weiteren Personen sollen vor ihrem Tod um sämtliche Ersparnisse gebracht worden sein. Das erbeutete Geld hätte das Paar in eine Hotelanlage in El Palmar de Vejer, zehn Kilometer südlich von Chiclana, investiert.

mmm/dpa/afp

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