Posse um verunstaltete Statue St. Georg ist jetzt rosarot

Nach einem halben Jahrtausend war überall die Farbe ab. Also engagierte eine Kirchengemeinde in Spanien für ihre wertvolle Statue einen Restaurator. Jetzt ist der Ärger groß.

Julio Asuncion; ArtUs Restauracion Patrimonio

Über Geschmack, so heißt es oft, lässt sich nicht streiten. Das mag stimmen, in manchen Fällen möchte man diese Regel dann aber doch bisweilen aufheben - zumindest wenn es um historische Werke geht, die von Amateuren verhunzt wurden.

So geschehen im kanadischen Sudbury vor anderthalb Jahren: Dort bildete eine Frau den Kopf des Jesuskindes an einer Madonnenstatue nach - mit, nun ja, eher überschaubarem Können. Das Ergebnis jedenfalls hatte mit dem ursprünglichen Zustand der Plastik recht wenig zu tun, es gab Spott und Empörung.

In Spanien ist jetzt ganz Ähnliches passiert. Ein Restaurator hat sich im Städtchen Estella an einer hölzernen Statue zu schaffen gemacht, wie der "Guardian" berichtet. Der Mann hat ganze Arbeit geleistet, zu gute Arbeit - denn das 500 Jahre alte Original ist nur noch bedingt wiederzuerkennen: Das Gesicht des heiligen Georg etwa glänzt nun in hellem Rosa und ähnelt eher einer Disney-Comicfigur.

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Zerstörte Kunstwerke: Gut gemeint, schlecht gemacht

Die Plastik stellt einen Reiter in Rüstung dar, der in den Kampf zieht. Gekämpft wird in Estella nun jedoch vor allem verbal, es geht um eine zentrale Frage: Wie konnte es zu der offenbar nicht sonderlich professionellen Überarbeitung der wertvollen Figur kommen?

"Die Kirchengemeinde hat alleine entschieden, die Restaurierung der Statue in Angriff zu nehmen und übertrug die Aufgabe einem Kunstlehrer aus dem Ort", sagte Estellas Bürgermeister Koldo Leoz dem "Guardian". "Der Gemeinderat wurde ebenso wenig informiert wie die Regionalregierung von Navarra."

Er sei keineswegs zufrieden mit dem Ergebnis, sagte Leoz. "Das ist nicht die Art Restaurierung, die es für diese Statue aus dem 16. Jahrhundert bräuchte. Sie haben Putz dafür genutzt und die falsche Farbe - und jetzt könnte es sein, dass die Originalfarbschichten verloren sind." Wie man es besser hätte machen können? Leoz sagt: "Das ist ein Job für Experten, der sollte von Experten übernommen werden."

Letzte Hoffnung für Estella

Nun sei Estella nicht in den Nachrichten wegen seiner bedeutenden Kunstwerke, der historischen und architektonischen Sehenswürdigkeiten, twitterte Leoz am Montag. Stattdessen habe die Region nun ihre eigene Ausgabe des "Ecce Homo".

Damit spielte der Bürgermeister auf eine Posse an, die sich vor sechs Jahren im etwa 120 Kilometer entfernten Borja zugetragen hatte. Dort hatte eine damals 80-Jährige aus einem Fresko von Jesus Christus das Bildnis eines affenähnlichen Wesens gemacht. Die Rentnerin verunstaltete das Fresko mit dem Titel "Ecce Homo" derart, dass der Pfusch weltweit Aufmerksamkeit erregte.

So wurde das blasse Jesusbildnis mit Knopfaugen und einem schiefen Klecks an der Stelle des Mundes schlagartig zum Internethit. Innerhalb eines Jahres kamen etwa 57.000 Menschen, um die künstlerische Katastrophe zu bestaunen. Von den Eintrittsgeldern finanzierte die Gemeinde die Restaurierung - und beteiligte sogar die Rentnerin an den Einnahmen.

Vielleicht gibt es also doch noch Hoffnung für den heiligen Georg aus Estella. Und für den guten Ruf der Stadt von Bürgermeister Leoz.

mxw



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