Vermisster Zweijähriger in Bohrloch Bau von Bergungstunnel verzögert sich

Seit sechs Tagen versuchen Rettungskräfte, den zweijährigen Julen in Spanien aus einem 110 Meter tiefen Bohrloch zu holen, in das er mutmaßlich gefallen ist. Doch die Helfer haben Probleme.

MALAGA FIRE DEPARTMENT HANDOUT/EPA-EFE/REX

Die Suche nach dem zweijährigen Julen, der seit sechs Tagen in einem mehr als 100 Meter tiefen Schacht in Spanien vermutet wird, verzögert sich.

Wegen der komplizierten Bedingungen in dem hügeligen Gebiet in Totalán nahe der Küstenstadt Málaga konnten die Einsatzkräfte erst am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr mit dem Bau eines Bergungstunnels beginnen. Man werde mindestens weitere 36 Stunden benötigen, um bis zu Julen vorzudringen, sagte der Sprecher des Rettungsteams, Ángel García Vidal. Laut dieser Berechnung könnte das Kind nicht vor Montagfrüh geborgen werden.

Unter günstigen Umständen werde man den Tunnel, der senkrecht zum Unglücksschacht verlaufen soll, in 15 bis 16 Stunden fertig haben. Anschließend sollen zwei oder drei erfahrene Minenarbeiter in gut 70 Metern Tiefe eine erste horizontale, etwa vier Meter lange Verbindung zum Schacht herstellen. Dies müsse mit Spitzhacken und Presslufthammern und wegen der Sicherheit des Kindes mit äußerster Vorsicht gemacht werden, sagte García Vidal. "Wir rechnen deshalb mit mindestens 20 weiteren Stunden." Am Freitag hatte es noch geheißen, man wolle Julen vor Montag finden.

Die ganze Nacht waren die Helfer mit den Arbeiten zur Aufstellung einer Plattform zur Stabilisierung der Hauptbohrmaschine beschäftigt, wie spanische Medien unter Berufung auf die Rettungsteams berichteten. Dabei waren mehrere Schaufelbagger im Einsatz. Bei den Arbeiten zur Einebnung des Bodens waren die Arbeiter auf harten Felsen gestoßen, der für neue Verzögerungen sorgte. (Lesen Sie hier ein Interview mit Francisco Delgado Bonilla, dem Vorsitzenden des Feuerwehrverbandes der Provinz Málaga)

Fotostrecke

12  Bilder
Spanien: Dramatische Suche nach Zweijährigem in Bohrloch

Sorgen bereitet den etwa hundert Helfern am Hügel Cerro de la Corona auch, dass Regen angekündigt ist, der die Rettungsarbeiten zusätzlich behindern würde. Daher wurden am Freitag bereits Gräben zur Drainage gezogen. Am Samstagvormittag fielen am Unglücksort erste Tropfen.

Mit den Verzögerungen steigt die Nervosität, die Hoffnung, das Kind noch lebend zu finden, schwindet. Von dem kleinen Julen gibt es seit Sonntag kein Lebenszeichen.

Das Kind soll den Eltern zufolge bei einem Ausflug mit seiner Familie in das Loch gefallen sein, das einen Durchmesser von nur 25 bis 30 Zentimetern hat. Bei Kameraaufnahmen wurde in dem Schacht in einer Tiefe von knapp 75 Metern eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die Julen bei sich hatte. Allerdings verhinderte lose Erde, mit der Kamera tiefer vorzudringen.

ala/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.