SPD-Pläne 8,10 Mark für eine Schachtel Zigaretten?

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Regina Schmidt-Zadel, will zusätzlich zur Tabaksteuer jede Zigarette mit einer Abgabe belegen. Ihr Vorhaben findet Unterstützung bei Suchtexperten und Medizinern.


SPD-Gesundheitspolitik: Rauchen soll teurer werden
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SPD-Gesundheitspolitik: Rauchen soll teurer werden

Hamburg - Die aus den Reihen der SPD geforderte zusätzliche Abgabe auf Tabak soll zehn Pfennig pro Zigarette betragen. Am Automaten kostet eine Schachtel mit 21 Zigaretten derzeit durchschnittlich sechs Mark, das entspricht 28,57 Pfennig pro Zigarette. Bei einem Aufschlag um zehn Pfennig - mehr als 30 Prozent - würde die gleiche Schachtel fast 8,10 Mark kosten. Auch alkoholische Getränke sollen von der Zusatzabgabe betroffen sein. Wissenschaftler begrüßen den Vorstoß. Bei einer Verteuerung sinke der Umsatz, was weniger Schäden bedeute, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS), Rolf Hüllinghorst, im nordrhein-westfälischen Hamm. Außerdem könne die Abgabe zur Finanzierung suchtvorbeugender Projekte genutzt werden. Auch der Vorsitzende des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit (München), Professor Friedrich Wiebel, hält die Abgabe für "schon lange fällig".

Nach Wiebels Angaben fordern Ärzte seit Jahren Preiserhöhungen bei Zigaretten: "Die Maßnahme gilt nach Einschätzung von Experten als fast wirksamste zur Senkung des Tabakkonsums - besonders bei Jugendlichen, die nicht viel Geld haben", sagte er. Nach Wiebels Angaben würde eine Erhöhung der Zigarettenpreise um zehn Prozent den Tabakkonsum in Deutschland um gut vier Prozent verringern. "Dieses Instrument ist sehr wirksam."

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung, Knut-Olaf Haustein aus Erfurt, bezeichnete den Vorschlag der SPD als "sinnvoll". Allerdings sei die Abgabe "nur unter der Bedingung sinnvoll, dass das Geld den Präventionsmaßnahmen und der Behandlung von Raucherkrankheiten zugute kommt". Derzeit müsse die Solidargemeinschaft jährlich rund 36 Milliarden Mark für die Behandlung von Raucherkrankheiten aufbringen. Auch der Verband der niedergelassenen Ärzte in Deutschland, der NAV-Virchow-Bund (Köln), unterstützte den Vorstoß: "Die Abgabe muss aber zweckgebunden sein", forderte Sprecherin Ingrid Drexler.

Auf Wunsch der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Regina Schmidt-Zadel, sollten diejenigen stärker an der Finanzierung der Behandlungskosten beteiligt werden, die ihre Gesundheit durch Rauchen oder übermäßiges Trinken gefährdeten.

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Zusätzliche Abgabe auf Zigaretten

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