Spendendesaster: USA blockieren Hilfe - und die Deutschen knausern

Weil die US-Regierung befürchtete, deutsche Care-Pakete seien BSE-verseucht, hat sie 15 Tonnen Lebensmittel für "Katrina"-Opfer nicht ins Land gelassen. Eine Umfrage ergab inzwischen, dass die Deutschen für Katrina-Opfer wenig oder gar nicht spenden wollen.

Entladung von Hilfsgütern aus China: Peinlichkeit für die USA?
AFP

Entladung von Hilfsgütern aus China: Peinlichkeit für die USA?

Washington - Die Bundesregierung musste die Lieferung von Lebensmitteln für die Flutopfer im Süden der USA Ende voriger Woche stoppen, zumindest vorübergehend. Der Grund: Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hatte die Einfuhr der "Einmannpackungen" (EPa) der Bundeswehr verboten. Auch die Verteilung von Notrationen aus anderen Ländern wie Großbritannien und Russland wurde untersagt. Die US-Regierung befürchtete, dass mit der Militärkost die Rinderseuche BSE eingeschleppt werden könnte.

Ein mit 15 Tonnen EPa beladener Airbus der Luftwaffe erhielt trotz intensiver Bemühungen des Auswärtigen Amts keine Überfluggenehmigung für die USA. Am Freitagmorgen wurden die deutschen Care-Pakete in Köln-Wahn wieder ausgeladen und in ein Depot gebracht. Dabei hatte sich der neue US-Botschafter William Timken bereits mehrfach für die ersten 20.000 EPa bedankt, die "schon von Flutopfern verzehrt werden".

Die etwa zwei Kilo schweren Tagesrationen enthalten Fertiggerichte wie Hamburger, Gulasch mit Kartoffeln oder Nudeln mit Tomatensauce, Wurstkonserven, Marmelade und Getränkepulver. Militärs am US-Stützpunkt Pensacola in Florida, wo die deutschen "Rosinenbomber" (Bundeswehr-Eigenlob) bisher landeten, bezweifeln die offizielle Begründung der Amerikaner. In Wirklichkeit wolle die Bush-Regierung weitere für sie peinliche Bilder von Lebensmittellieferungen aus Europa vermeiden.

Tatsächlich sind die deutschen EPa sogar von der Nato als BSE-frei zertifiziert und werden bei gemeinsamen Einsätzen - wie in Afghanistan - auch von US-Soldaten gegessen. Aufgeschreckt durch eine Anfrage des SPIEGEL, erklärte die US-Botschaft am Freitagabend, die Sperre für EPa werde wieder aufgehoben. Offen blieb jedoch, ob die Hilfsflüge der Bundeswehr wieder aufgenommen werden dürfen.

Ressentiments und Spendenverdrossenheit

Die Hilfsbereitschaft der Behörden spiegelt nicht die mehrheitliche Meinung der Deutschen wider. Im Gegenteil: Mehr als die Hälfte der Bundesbürger will nicht für die "Katrina"-Opfer spenden. Eine polis-Umfrage im Auftrag der dpa ergab, dass 54 Prozent der Befragten die Betroffenen weder mit Geld oder anderen Sachmitteln unterstützen möchten.

Die Bilanz des Deutschen Roten Kreuzes fällt dementsprechend mager aus: Eine Woche nach einem Spendenaufruf habe man deutlich weniger Geld gesammelt als nach ähnlich großen Naturkatastrophen, wie DRK-Sprecher Fredrik Barkenhammar der Nachrichtenagentur dpa erklärte. Bis zum Freitag seien auf dem Spendenkonto 790.000 Euro eingegangen, nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien im Dezember vergangenen Jahres und auch nach dem Elbehochwasser 2002 hätten die Deutschen im gleichen Zeitraum bereits mehr als zehn Millionen Euro gespendet.

Auch die deutschen Hilfsorganisationen halten sich im Fall "Katrina" zurück: Dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin zufolge haben von den fast 200 als seriös zertifizierten Organisationen nur vier zu Spenden für die USA aufgerufen. "Nach dem Tsunami hatten wir innerhalb der ersten zwei Wochen rund 30 Aufrufe", sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke.

Hauptursache für die Zurückhaltung ist Barkenhammar und Wilke zufolge der Wohlstand der Vereinigten Staaten. "Die USA sind eben kein Entwicklungsland", so Barkenhammar. Außerdem würden Berichte über Verfehlungen der Behörden und Plünderungen die Spendenbereitschaft verringern. Ressentiments seien jedoch fehl am Platze. "Die Not der Mutter in New Orleans, die ihre Kinder verloren hat, ist genauso groß wie die Not der Mutter in Banda Aceh."

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