Vertauschter Samen Sperma-Panne in US-Labor bleibt rätselhaft

Jubelte ein ehemaliger Kidnapper Paaren heimlich sein Sperma unter? Als Mitarbeiter eines Labors für künstliche Befruchtungen zeugte der Mann womöglich Hunderte Kinder. Eine aktuelle Untersuchung konnte den Fall nicht klären.

Ehemaliger Labor-Mitarbeiter Thomas Lippert (Polizeifoto aus dem Jahr 1998): Gewaltbereit und vorbestraft
AP/ Salt Lake County Jail

Ehemaliger Labor-Mitarbeiter Thomas Lippert (Polizeifoto aus dem Jahr 1998): Gewaltbereit und vorbestraft


Salt Lake City - Das Ausmaß eines möglicherweise absichtlichen Sperma-Tauschs in einem US-Labor für künstliche Befruchtung ist weiter unklar. Auch eine jetzt veröffentlichte Untersuchung der Universität Utah gibt keinen Aufschluss darüber, ob der mittlerweile gestorbene Laborangestellte Thomas Lippert sein eigenes Sperma absichtlich einem Paar unterjubelte.

Es sei nicht auszuschließen, dass Lippert in diesem Fall "absichtlich herumpfuschte" und so zum biologischen Vater der heute 21 Jahre alten Annie Braunum wurde, teilte die Universität mit. Die Familie und das heute geschlossene Labor hatten im Januar mit dem Fall Schlagzeilen gemacht.

Unklar bleibt deshalb auch, ob mit Lipperts Sperma womöglich Dutzende oder gar Hunderte weitere Kinder gezeugt wurden. Zwar sei ein zweiter Verwechslungsfall aufgetaucht, an diesem sei Lippert Untersuchungen zufolge aber nicht beteiligt gewesen.

Genanalyse: Vater und Tochter nicht verwandt

Aufgefallen war die Panne, nachdem Familie Braunum im Jahr 2012 ihr Erbgut bei einem kommerziellen Analyseservice untersuchen ließ - und dabei feststellte, dass Vater und Tochter nicht miteinander verwandt sind. Damit geriet automatisch das Labor für künstliche Befruchtung in Utah unter Verdacht. Weil die Braunums Schwierigkeiten hatten, ein Kind zu bekommen, hatten sie sich an die Einrichtung gewandt.

Weitere Untersuchungen deuteten auf einen bewussten Tausch von Spermien hin, denn der über DNA-Analysen ausfindig gemachte biologische Vater hatte jahrelang als Angestellter des Labors gearbeitet: Thomas Lippert, ein Mann, der als gewaltbereit galt und in den siebziger Jahren wegen der Entführung einer Studentin eine Haftstrafe verbüßte. Nach langer Zeit als Alkoholiker starb er 1999 im Alter von 49 Jahren.

Die Aussagekraft der jetzt veröffentlichten Untersuchung wirft indes Fragen auf. So entschied sich die Hochschule nach eigenen Angaben, keinen Kontakt mit den rund 1500 Paaren aufzunehmen, die zu Lipperts Zeit als Angestellter (1988-1993) das Labor aufgesucht hatten. Es sei äußerst kompliziert, die Betroffenen mehr als 20 Jahre später zu kontaktieren. Die Nachricht, dass ihre Kinder möglicherweise Ergebnis eines absichtlichen Tauschs seien, könne die Familien zudem emotional belasten, da die künstliche Befruchtung nicht von allen Eltern thematisiert werde.

Familie Braunum bezeichnete die Untersuchung in einer Stellungnahme als "oberflächlich, verzerrt und unvollständig", berichtet die Lokalzeitung "Salt Lake Tribune". Da wichtige Zeugen aus jener Zeit nicht befragt wurden, seien die Ergebnisse "äußerst fragwürdig".

rls/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
altmannn 25.04.2014
1. Vielleicht hat er
Zitat von sysopAP/dpaJubelte ein ehemaliger Kidnapper Paaren heimlich sein Sperma unter? Als Mitarbeiter eines Labors für künstliche Befruchtungen zeugte der Mann womöglich Hunderte Kinder. Eine aktuelle Untersuchung konnte den Fall nicht klären. http://www.spiegel.de/panorama/sperma-untergejubelt-keine-klarheit-ueber-samen-panne-in-us-labor-a-966084.html
seinen Job einfach ernst genommen. Warum werden Frauen mit einem neuen Partner schwanger, obwohl vorher jahrelange Versuche nicht klappten obwohl keine medizinischen Ursachen feststellbar waren? Eine vernünftige Spermienmischung kann da schon mal weiter helfen. Dabei hat sich der Laborant kräftig eingebracht zum Wohle der Patientinnen.
andere Hobbys 25.04.2014
2. Wer das
eine will, muss das andere mögen.
viwaldi 25.04.2014
3. Mal eine Frage:...
Zitat von sysopAP/dpaJubelte ein ehemaliger Kidnapper Paaren heimlich sein Sperma unter? Als Mitarbeiter eines Labors für künstliche Befruchtungen zeugte der Mann womöglich Hunderte Kinder. Eine aktuelle Untersuchung konnte den Fall nicht klären. http://www.spiegel.de/panorama/sperma-untergejubelt-keine-klarheit-ueber-samen-panne-in-us-labor-a-966084.html
"Die Aussagekraft der jetzt veröffentlichten Untersuchung wirft indes Fragen auf." Ist das jetzt eine schlechte Übersetzung oder fürchterliches Deutsch? Dies Aussagekraft wirft Fragen auf??? Hallo, - jemand zu Hause in der Redaktion, der die Texte auch mal liest. Mein Deutschlehrer hätte mir jedenfalls dafür eine fünf gegeben.
Tiananmen 25.04.2014
4.
Zitat von viwaldi"Die Aussagekraft der jetzt veröffentlichten Untersuchung wirft indes Fragen auf." Ist das jetzt eine schlechte Übersetzung oder fürchterliches Deutsch? Dies Aussagekraft wirft Fragen auf??? Hallo, - jemand zu Hause in der Redaktion, der die Texte auch mal liest. Mein Deutschlehrer hätte mir jedenfalls dafür eine fünf gegeben.
Deutsch ist garnicht so schwer. Der Satz bedeutet, dass nicht klar ist, ob die Aussagen der veröffentlichten Untersuchung überhaupt etwas bedeuten. Das klingt einfach wichtiger als dass man "bezweifle, dass die Untersuchung auch nur ansatzweise etwas taugt".
Shantam 25.04.2014
5. Sorry
aber ich finde das echt Lustig! Der Kontrollwahn funktioniert einfach nicht! Das Leben läst sich nun mal nicht Kontrolieren!!! Die Wissenschaft ist nicht Perfekt und wird es auch nie sein! Ein Glück.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.