SPIEGEL exklusiv Behörde verbietet Gäfgen-Stiftung

Der Plan hat für große Empörung gesorgt: Ausgerechnet Magnus Gäfgen, der Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler, wollte aus dem Gefängnis heraus eine Stiftung für misshandelte Kinder gründen. Doch jetzt hat ihm die Stiftungsaufsicht einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Von , Frankfurt am Main


Frankfurt am Main - Nach Informationen des SPIEGEL hat die zuständige Stiftungsaufsicht in Rheinland-Pfalz jetzt die Gründung der "Magnus-Gäfgen-Stiftung" verboten. Es handelt sich um den ersten Fall, bei dem die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier die Gründung einer öffentlichen Stiftung abgelehnt hat. Der Plan von Gäfgen, mit Hilfe seines Anwalts Michael Heuchemer eine Stiftung für misshandelte Kinder und jugendliche Opfer von Gewalttaten ins Leben zu rufen, war bundesweit auf eine Welle der Entrüstung gestoßen.

Kindsmörder Gäfgen: "Projekt zur Selbstdarstellung"
AP

Kindsmörder Gäfgen: "Projekt zur Selbstdarstellung"

Die Stiftungsunterlagen befanden sich seit dem 25. Juli zur Prüfung bei der ADD. Die Ablehnung wird damit begründet, dass die beantragte Gäfgen-Stiftung gegen "das Anstandsgefühl und die guten Sitten" verstoße, verlautete aus ADD-Kreisen. Gäfgens Rechtsanwalt Heuchemer hatte im Vorfeld die ehrlichen Absichten seines Mandanten betont: "Der Gedanke dieses Engagements ist es allein, ein kleines Gegensymbol zu dem geschehenen Unrecht aus dem Jahr 2002 zu setzen."

Der inzwischen 31 Jahre alte Kindsmörder hatte nach seiner Inhaftierung ein Buch veröffentlicht, dessen Erlös er "einem wohltätigen Zweck", ergo seiner eigenen Stiftung, spenden wollte. Für das Gründungskapital der Stiftung in Höhe von 25.000 Euro lag laut Rechtsbeistand Heuchemer bereits eine Bankbestätigung vor, auch ein erster Fall war angeblich schon in Bearbeitung.

Mehrere Politiker, darunter der Parlamentarische Geschäftsführer der Hessen-CDU, Axel Wintermeyer, sowie der rechtspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Mainz, Axel Wilke, hatten die rheinland-pfälzische Landesregierung aufgefordert, das Stiftungsprojekt zu stoppen: Das Ansinnen trete den Opferschutz mit Füßen.

"Ich bin erleichtert, dass diese Stiftung untersagt wird", erklärt Ilse Zeller, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Koblenz, eine der Hilfsorganisation mit der anscheinend auch Gäfgen und sein Anwalt gerne zusammengearbeitet hätten. "Ich glaube, dass dieses Projekt nur der Selbstdarstellung von Herrn Gäfgen und Herrn Heuchemer dienen sollte", so Zeller.

Weil der ehemalige Frankfurter Polizeivize Wolfgang Daschner Gäfgen Schmerzen androhen ließ, klagt dieser derzeit vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Bundesrepublik Deutschland.

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