Gesägt, getan

Gesägt, getan Ein Achsbruch ist kein Beinbruch

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Ein Hölzchen bricht, ein Spielzeug geht kaputt. Bei der Reparatur steht der Heimwerker vor der Wahl, alles perfekt zu machen - oder die Spielpause kurz zu halten. Die Entscheidung: Manchmal ist gut eben doch gut genug.

Liebe Spielzeughersteller, grundsätzlich finde ich es ja lobenswert, wenn ihr euren Krempel aus Holz herstellt. Viel besser als Plastik, langlebiger sowieso, vom pädagogischen Potential ganz zu schweigen (hierzu könnten die Kollegen von der Elterncouch bestimmt viel mehr sagen).

Aber wenn dieser Krempel aus Holz eine Achse mit zwei Rädern hat, dann, liebe Hersteller, seid doch bitte so nett und baut das Zeug so, dass es nicht kaputtgeht, wenn das Kind es wagt, Achse samt Rädern zu benutzen.

Es geht um einen Marienkäfer. Um einen Marienkäfer aus Holz, mit zwei Rädern, die durch eine Achse verbunden sind. Der Käfer lässt sich dank einer langen Stange an seinem Rücken schieben. An beiden Rädern sind mit Schnüren jeweils drei Holzperlen angebracht, die beim Schieben den Soundtrack zur Bewegung liefern.

Ein hübsches Spielzeug - bis die Achse bricht. Der Marienkäfer ließ sich nicht mehr schieben, die kleinen Holzperlen an den Rädern machten nicht mehr den heißbegehrten Krach. Mit anderen Worten: Ich stand unter Druck, das Ding schnell wieder ins Rollen zu bringen. Ansonsten wäre mir nur übrig geblieben, es zu ersetzen, womöglich mit einem Spielzeug aus Plastik. Und das wäre vielleicht schnell kaputtgegangen, ich hätte unter Umständen eine Endlosschleife an demoliertem Spielzeug ausgelöst.

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Kaputtes Spielzeug: Neue Achse, neuer Spaß

Dann doch lieber ein Reparaturversuch. Blöd nur, dass sich meine Erfahrung mit Spielzeug-Achsbrüchen in sehr überschaubaren Grenzen hielt. Mir war nur klar, dass die alte Achse raus muss, bevor ich eine neue einbauen kann. Mehr Plan hatte ich nicht. Aber er funktionierte: Die Reste der abgebrochenen Achse abgesägt, so gut es ging. Den Rest herausgebohrt. Im Baumarkt einen dünnen Rundholzstab als Achsenersatz besorgt. Neue Achse und die frisch gebohrten Räder zusammengeleimt.

Das Leimen war am schwierigsten. Ich bin bestimmt zehnmal damit gescheitert, die Schraubzwinge so anzusetzen, dass sich die Räder durch den Druck nicht verschieben. Nach dem letzten gescheiterten Versuch habe ich beschlossen, dass die Räder ruhig schief sein können, solange sie deswegen nicht blockieren.

Die Räder eiern jetzt ein wenig. Aber das macht in diesem Fall das Spielzeug eher interessanter. Im Haus ist der Spiel-Soundtrack nun wieder das "klack-klack-klack" der Holzkugeln an den Rädern. Und für den nächsten Achsbruch bin ich vorbereitet: Vom Rundholzstab aus dem Baumarkt kann ich locker noch zehn neue Achsen absägen.

  • DPA
    Als Kind stellte er im heimischen Keller Holzschwerter in Massenproduktion her. Heute prüft er mit der Wasserwaage, ob der Haussegen schief hängt. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Benjamin Schulz ist Bastler aus Leidenschaft und Notwendigkeit. Er hat wenig Erfahrung und keine Fachkenntnis, dafür fehlt ihm oft das passende Werkzeug.
  • Im Blog "Gesägt, getan" schreibt er über seine Basteleien und den mühsamen Weg zur Heimwerker-Erleuchtung.

  • E-Mail an den Autor
Benjamin Schulz auf Twitter:



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upalatus 05.09.2017
wdiwdi 05.09.2017
novoma 05.09.2017
widower+2 05.09.2017
widus 05.09.2017
frenchie3 05.09.2017
Flari 05.09.2017
upalatus 06.09.2017

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