Reaktionen auf getöteten Eisbären "Die Eisbären-Heimat ist kein verdammter Touristenort"

Kreuzfahrt-Passagiere zahlen Tausende Euro, um Eisbären zu beobachten. Auf einer Arktis-Reise hat ein Tier einen mitreisenden Eisbärenwächter attackiert und wurde getötet. Die Reaktionen waren heftig.

Von Kreuzfahrt-Eisbärwächtern getöteter Eisbär
DPA

Von Kreuzfahrt-Eisbärwächtern getöteter Eisbär


Ein Eisbär hat auf Spitzbergen ein deutsches Crewmitglied des Kreuzfahrtschiffes "Bremen" angegriffen. Das Tier habe den Eisbärenwächter am Kopf verletzt, teilte der Veranstalter Hapag-Lloyd Cruises mit. Der Mann sei ansprechbar und außer Lebensgefahr. "Er bleibt aber zur Beobachtung im Krankenhaus in Tromsø", sagte Veranstaltersprecherin Negar Etminan am Sonntag in Hamburg. Das Schiff habe seine Reise am Samstagabend fortgesetzt.

Der Mann war nach Angaben von Hapag-Lloyd Cruises am Samstag mit anderen Wächtern - aber ohne Touristen - an Land gegangen. Zuvor hatte ein Sprecher des Rettungsdienstes von Nordnorwegen gesagt, zu der Attacke sei es gekommen, als eine Gruppe von Touristen in einem kleinen Boot auf einer Insel anlandete. Spitzbergen ist eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe.

"Arktis pur"

Der Kreuzfahrtveranstalter Hapag-Lloyd Cruises wirbt für die Reisen nach Longyearbyen mit dem Versprechen, die Passagiere könnten dort "Arktis pur" erleben. "Wo Eisbären die Wildnis regieren", heißt es auf der Webseite, "bestimmt die Natur den Verlauf ereignisreicher Tage". Eine zehntägige Reise mit der "Bremen", die 160 Passagiere mitnehmen kann, kostet mindestens 5810 Euro.

Twitter-Nutzer reagierten entsetzt und wütend. So schrieb der britische Comedian Ricky Gervais etwa in einem Tweet: 'Lassen Sie uns einem Eisbären in seiner natürlichen Umgebung zu nahe kommen und ihn dann töten, wenn er uns zu nahe kommt'. Idioten."

Ein anderer Twitter-Nutzer fragt: "Selbstverteidigung?! Die Eisbären-Heimat ist kein verdammter Touristenort."

Auch das schockierende Bild des getöteten Eisbären wurde geteilt, wie etwa hier mit dem Hashtag "allpolarbearlivesmatter":

Ole Jakob Malmo von der Polizei in Svalbard sagte, ein Hubschrauber habe den Verletzten ins Krankenhaus von Longyearbyen, den Hauptort der arktischen Inselgruppe, geflogen. Am Samstagabend sei er dann ins Krankenhaus nach Tromsø gebracht worden, berichtete Sprecherin Etminan. Andere Wächter hätten den Eisbären "aus Gründen der Notwehr" erschossen. "Weitere Crewmitglieder und Passagiere sind vom Vorfall nicht betroffen."

Veranstalter: Eisbärenwächter sind speziell ausgebildet und bewaffnet

Der Polizeibeamte Malmo sagte, der Vorfall im nördlichsten Teil des Svalbard-Archipels werde untersucht. Der erschossene Bär solle in Longyearbyen obduziert werden. Die Behörden der Region warnen regelmäßig vor der Gefahr, die von Eisbären ausgeht. Im Jahr 2015 verletzte ein Polarbär einen Tschechen, der dort eine totale Sonnenfinsternis beobachten wollte. Die letzte tödliche Attacke eines Eisbären geschah 2011, als ein britischer Student ums Leben kam.

Die jeweils vier bis fünf Eisbärenwächter an Bord der Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises sollen dafür sorgen, dass Passagiere gefahrlos an Land gehen könnten, sagte Etminan. Sie seien speziell ausgebildet und bewaffnet. Der Vorfall vom Samstag sei geschehen, als die Wächter eine Landstation zur Absicherung eines Landgangs einrichten wollten. Die Passagiere würden Eisbären aber nicht von Land sondern von Bord des Schiffes beobachten.

lie/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 133 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
metzelkater 30.07.2018
1. Spezielle Ausbildung und Bewaffnung?
An Betäubungsgewehre und einen Grundlehrgang zum Thema Artenschutz hat man dabei scheinbar nicht gedacht. Schade! Was ich am wenigsten verstehe: Warum bleiben die Leute nicht einfach auf ihrem Schiff und gucken sich die schöne Natur und eventuell mal einen Eisbär aus sicherer Entfernung von Bord aus an?
muehlbauer 30.07.2018
2. Wer gehört erschossen?
Warum überlassen wir das Wildleben nicht sich selbst? Auf ARTE und 3SAT kann man die schönsten Eisbären beobachten, ohne sie zu gefährden.....
oleg g. 30.07.2018
3. Eisbären
Bei meiner ersten Reise nach Grönland schärfte mir 1983 ein Eskimo ein, dass der Bär zwingend zu erlegen sei, wenn er dichter als 80 Meter stünde. Er legt in einer Sekunde mehr als 10 Meter als Sohlengänger zurück.
igb 30.07.2018
4. Speziell ausgebildet???
Wie konnte ein "speziell ausgebildeter" Eisbärenwächter so einen Koloss übersehen? Wahrscheinlich Ausbildung durch einen halbstundigen Crashkurs.
BahnCard50 30.07.2018
5. Klimawandel ist schuld
Wie der Name schon sagt leben EISbären auf den arktischen Eis. Durch die CO2-bedingte Klimaänderung schmilzt das Eis im Sommer jedes Jahr weiter ab und die Eisbären müssen im Sommer zunehmend an Land nach Nahrung suchen. Nur haben sie von der Jagd an Land keine Ahnung und ihr weißes Fell ist nicht gerade eine Hilfe. Deshalb sind sie hungrig und dadurch aggressiv und es verhungern immer mehr. Es ist also an hier (Werbetext hin oder her) nicht der Mensch, der in den Lebensraum des Tieres eingedrungen ist sondern umgekehrt. Nur hat es das getan, weil der Mensch vorher den Lebensraum Tieres zerstört hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.