Bremen Hauben sollen Polizei vor Spuck-Attacken schützen

Weil Polizisten im Einsatz regelmäßig angespuckt werden, hat Bremens Innensenator seine Beamten mit Baumwolltüten ausgestattet: Sie sollen Angreifern als Schutz über den Kopf gezogen werden. Doch die Maßnahme ist umstritten.

Sprecherin des Bremer Innensenators Rose Gerdts-Schiffler mit Schutzhaube: ein bis vier massive Spucker pro Monat
DPA

Sprecherin des Bremer Innensenators Rose Gerdts-Schiffler mit Schutzhaube: ein bis vier massive Spucker pro Monat


Bremen - Polizisten sind es gewohnt, gegen aggressive Angreifer vorzugehen. Was Beamte im Juli bei einem Einsatz in Bremen erlebten, war aber besonders unschön: Ein an Hepatitis C erkrankter Drogenabhängiger spuckte im Streifenwagen wild um sich. Sekret landete nicht nur auf der Uniform und im Gesicht der Beamten, sondern auch am Mund einer jungen Polizistin. "Das ist demütigend und eklig", sagt die Sprecherin des Bremer Innenressorts, Rose Gerdts-Schiffler.

Solche wüsten Spuckattacken soll es in Bremen nun nicht mehr geben. Beamte im kleinsten deutschen Bundesland können Angreifern seit einigen Wochen eine Haube über den Kopf ziehen. Seit September liegen die dünnen Baumwolltüten in jedem Streifenwagen. "Seitdem wurden sie viermal genutzt", sagt Gerdts-Schiffler. Ein bis vier massive Spucker gebe es in der Regel pro Monat.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte schon vor zwei Jahren die Anschaffung angekündigt, darauf entbrannte eine heftige Debatte. Vergleiche mit Guantanamo und Afghanistan wurden gezogen. Das kann Senator Mäurer nicht nachvollziehen. "Ich halte die Hauben für verhältnismäßig und angemessen", sagt er. Sie dürfen nicht präventiv eingesetzt werden, sondern nur, wenn der Festgenommene bereits gespuckt hat oder als notorischer Spucker bekannt ist.

Atmung soll nicht erschwert werden

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bremen, Jochen Kopelke, weist die Bedenken zurück. "Mit der Haube kann man sehen und hören", sagt er. Auch die Atmung werde nicht erschwert. Zudem werde der Festgenommene permanent beaufsichtigt.

Die Gewerkschaft fordert schon lange den Einsatz solcher Masken, weil die Spuckattacken nach ihren Angaben in den letzten Jahren zugenommen haben. "Es gibt Situationen, da spucken Angreifer mit allem, was sie im Mund haben", sagt Kopelke. Nicht selten sei das auch Blut; im schlimmsten Fall könne so sogar HIV übertragen werden.

Dennoch sind die Masken umstritten und werden bundesweit nur vereinzelt eingesetzt. In Niedersachsen etwa sind sie nicht zum dienstlichen Gebrauch zugelassen. In Schleswig-Holstein liegt zwar seit 2008 eine Genehmigung vor. Dem Landespolizeiamt ist aber kein Fall bekannt, in dem eine Spuckschutzhaube eingesetzt wurde. Im Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Nord werden die Hauben nach Angaben eines Sprechers ab und zu benutzt, sie sind aber nicht in ganz Bayern Standard.

Die Bremer Linken-Fraktionschefin Kristina Vogt kann nachvollziehen, warum die Polizei die Hauben möchte. Dennoch lehnt Vogt sie ab: "Ich finde sie aus bürgerrechtlicher Sicht problematisch." Kritik kommt auch aus der Regierungskoalition. Der innenpolitische Sprecher der Bremer SPD-Fraktion, Sükrü Senkal, hält die Hauben für "nicht optimal". "Ich habe ganz große Bauchschmerzen bei der Variante", sagt er. Er plädiert für einen reinen Mundschutz.

Den allerdings hält das Innenressort für nicht praktikabel. "Die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein Mundschutz zu schnell runterrutscht", sagt Gerdts-Schiffler. Nun soll der Haubeneinsatz zunächst für ein Jahr getestet und anschließend bewertet werden. Für die Polizisten, die im Juli bei der Spuckattacke dabei waren, kommt der Einsatz der Hauben zu spät. Die Bilanz: Drei Beamte waren danach nicht mehr dienstfähig.

rls/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
tadamtadam 18.11.2014
1. aha...
... aus bürgerrechtlicher sicht nicht optimal, meint also der kollege bei den linken... unfassbar. wenn man nichtmal interesse hat, polizisten davor zu schützen, bespuckt zu werden, braucht man sich nicht wundern, wenn die herren in grün so unmotiviert sind. warum wird sich in deutschland eigentlich mehr um die befindlichkeiten asozialer kleinkrimineller gedanken gemacht als um die sicherheit unterbezahlter polizisten?
david1709 18.11.2014
2. klar...
die ganzen bürgerrechtler werden ja auch nicht angespuckt. Da kann man sowas natürlich kinderleicht ablehnen. Ich finde diese Hauben unproblematisch....Sie dienen schließlich nur den Transport. Die Alternativen hierzu sind unschöner und mit Gewalt verbunden. Will man sowas lieber?
aldifreak 18.11.2014
3. Richtig so
Da gibt es für mich gar nichts zu diskutieren. Es ist eine absolut angemessene Maßnahme. Ich wüsste persönlich nicht, was ich mit jemanden machen würde der mir ins Gesicht spuckt. Aber ich muß ja auch zum Glück nicht für einen minimal Lohn für die Gesellschaft die knochen hinhalten.
kdshp 18.11.2014
4.
In Deutschland ist alles grundsätzlich umstritten.
kopp 18.11.2014
5. Bevor ich den Artikel in Gänze gelesen hatte, dachte ich ...
... die Polizisten sollten die Hauben als Schutz gegen die Spucker überziehen. Wahrscheinlich wären die Linken und die Grünen damit einverstanden gewesen.
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