Bergoglio in Hessen: Er spricht Deutsch

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Papst Franziskus: Der Bescheidene Fotos
REUTERS/ Clarin

Um an seiner Dissertation zu arbeiten, kam der junge Pater Jorge Mario Bergoglio in den achtziger Jahren nach Deutschland. Tatsächlich hat der argentinische Papst hier noch alte Bekannte.

Frankfurt - Als Katholik aus Deutschland ist man dieser Tage schon mit wenig zufrieden. Bis vor kurzem waren wir schließlich noch Papst - jetzt erfüllt es uns bereits mit Genugtuung, dass der neu gewählte Pontifex zwar aus Argentinien kommt, aber immerhin einen guten Draht nach Deutschland hat.

Jorge Mario Bergoglio hat sogar einige Zeit in Deutschland gewohnt. Im Jahr 1985 reiste der damalige Pater zu Studienzwecken aus Argentinien an, landete allerdings nicht an einer der großen theologischen Fakultäten - sondern an der beschaulichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. 368 Studenten sind dort im Wintersemester 2012/2013 eingeschrieben.

Man freue sich über die Wahl Bergoglios zum Oberhaupt der katholischen Kirche, hieß es am Morgen nach der Papstwahl auf der Homepage der vom Jesuitenorden in Frankfurt betriebenen Privathochschule. Man sei Franziskus besonders verbunden, "weil er anlässlich eines Studienaufenthalts in Deutschland Mitte der achtziger Jahre einige Monate in Sankt Georgen verbrachte, um sich mit einzelnen Professoren über ein mögliches Dissertationsthema zu beraten". Zu einem Abschluss sei es dann leider nicht gekommen. Und regelrecht studiert habe Bergoglio in Sankt Georgen auch nicht, wie eine Sprecherin hinzufügt.

Einer, der im Jahr 1985 dabei war, ist Michael Sievernich. Der Honorarprofessor für Pastoraltheologie erinnert sich gut an seine Zeit mit dem Argentinier, den er schon vorher bei einem Aufenthalt in Südamerika kennengelernt hatte. In Sankt Georgen, sagt Sievernich, habe sich Bergoglio für die Figur des katholischen Theologen Romano Guardini interessiert - über ihn habe er seine Dissertation schreiben wollen. Und Sankt Georgen war dazu der richtige Ort: In der Bibliothek der Frankfurter Hochschule gab es Sievernich zufolge besonders viel Literatur über den 1968 in München gestorbenen Religionsphilosophen.

"In der Gegend unterwegs"

"Damals habe ich mehrere Gespräche mit Bergoglio geführt und ihn als sehr weltoffenen Menschen kennengelernt", erzählt Sievernich. "Ich war damals gerade Professor geworden und unterhielt mich mit ihm über Sachfragen." Spricht der Papst denn nun tatsächlich Deutsch? "Das tut er wirklich", sagt Sievernich. "Aber damals haben wir uns auf Spanisch unterhalten." Und nicht nur über Theologie, wie der Hochschullehrer hinzufügt. "Wir sind ja beide Mitglieder desselben Ordens", sagt er. "Da hat man natürlich auch persönliche Themen."

Auch Wendelin Köster, der damalige Regens des Priesterseminars, erinnert sich an den Aufenthalt Bergoglios in Sankt Georgen. Dem "Bayerischen Rundfunk" erzählte der heutige Kollegsrektor, der spätere Papst habe damals in einem der Gästezimmer der Hochschule gewohnt. Bestimmt sei er auch "in der Gegend unterwegs" gewesen. Und sicher hege Franziskus immer noch "Sympathie für Deutschland".

Warum Pater Bergoglio seine Dissertation an der Frankfurter Hochschule nicht abgeschlossen habe, das weiß sein ehemaliger Weggefährte Sievernich nicht. Den Kontakt zueinander haben die beiden Jesuiten über die Jahre verloren: "Das ist alles Schnee von gestern jetzt", sagt er.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. FranziPlag
stefan1904 14.03.2013
Ich sehs schon kommen. Was sind schon Gutti und Schavan wenn man einen Papst stürzen kann. ;-)
2. Wir sind Papst
zwitscherpiep 14.03.2013
Also doch! Es ist noch was gerettet von der deutschen Benediktzeit! Hat der Neue vielleicht auch noch einen treuen Deutschen Schäferhund? Liebt er es, unter Deutschen Eichen zu verweilen? Mag er neben Fußball vielleicht sogar Karneval (Brasilien ist ja nicht sooo weit)? Ja, dann sind wir Gott sei Dank doch noch weiter Papst. Was der Mann dann so macht, ist doch völlig egal.
3. Eintracht oder OFC?
ogniflow 14.03.2013
Ich glaube, er war für die Offenbacher. Eintracht klingt zu sehr nach Ökumene. Mag er Äppelwoi? Handkäs? Fragen über Fragen! Dranbleiben!
4. Osservatore amburgo di Papa
albert schulz 14.03.2013
Endlich hat der Spiegel zu seiner wahren Berufung gefunden: Sprachrohr nicht nur der einheimischen Regierung, sondern auch des Vatikans. Über eine Milliarde Leser winken. Die Sprache des Vatikans wird ohnehin deutsch werden, da wir den ganzen Kram bezahlen. Eine neue Rubrik wäre allerdings anzuraten, oder ein regelmäßiges Sonderheft mit den neuesten Nachrichten über das, was der Papst kann, weiß, macht. Oder was er nicht kann, nicht weiß, nicht macht. Oder über all das, was man nicht weiß, aber vermuten kann, wenn man die Gedanken streifen läßt.
5.
vogtnuernberg 14.03.2013
Zitat von sysopUm an seiner Dissertation zu arbeiten, kam der junge Pater Jorge Mario Bergoglio in den achtziger Jahren nach Deutschland. Und tatsächlich hat der neue Papst hier noch alte Bekannte. Spurensuche in Deutschland: Papst Franziskus und Sankt Georgen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/spurensuche-in-deutschland-papst-franziskus-und-sankt-georgen-a-888849.html)
Jung? Mit 50 Jahren? SPON, Ihr seid klasse!
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