Sri Lanka Ganze Dörfer werden planiert

Im Süden Sri Lankas haben die Behörden die Hoffnung aufgegeben, noch Überlebende zu finden. Mancherorts werden nicht mal mehr die Toten geborgen. Das, was die Flutwelle von der Kleinstadt Hambantota übrig ließ, wird nun mit Planierraupen eingeebnet.

Aus Hambantota berichtet


 Aufräumarbeiten in Hambantota: Die Stadt wird dem Erdboden gleich gemacht
DPA

Aufräumarbeiten in Hambantota: Die Stadt wird dem Erdboden gleich gemacht

Hambantota - Schweres Gerät ist angerückt. Die gelben Planierraupen reißen alles nieder, walzen alles platt, was nicht ohnehin schon platt ist. Das Dorf Hambantota, in dem früher mehrere tausend Menschen gelebt haben, existiert nicht mehr. Die Behörden haben die Anstrengung aufgegeben, die Leichen zu bergen. Die letzte Zählung der Toten belief sich auf 800 - das war vor vier Tagen. Jetzt wird nicht mehr gezählt, jetzt rollen Bulldozer über die Ebene.

Die Überlebenden aus dem direkt am Meer gelegenen Hambantota haben Unterschlupf in einem der vielen Flüchtlingslager gefunden. In Sri Lanka gibt es jetzt mehr als 1500 solcher Notunterkünfte. Die Lager sind relativ klein. 1500 manchmal auch 1800 Obdachlose leben dort zusammen. Viele der Notunterküfte sind in Schulen oder Tempeln untergebracht.

In dem Zug starben mehr als 1300 Menschen: Inzwischen ist schweres Bergungsgerät eingetroffen
REUTERS

In dem Zug starben mehr als 1300 Menschen: Inzwischen ist schweres Bergungsgerät eingetroffen

Gerüchte besagen, dass einer der Zugwaggons gefunden wurde, den die Flutwelle bei der Stadt Seenigama ins Meer gerissen hat. Alleine in diesem Wagen sollen 600 Leichen liegen.

In den anderen Waggons, die die gigantische Flutwelle wie Spielzeugeisenbahnwagen bis zu 100 Meter ins Land gespült hat, starben mehr als 1300 Menschen. Nur 150 Passagiere konnten sich lebend aus dem Zug befreien. Auch hier ist inzwischen schweres Räumgerät, Kräne und Bagger, angerückt. Das Militär ist im Einsatz.

Hilfestation in Unawatuwa: "Danke an die inländischen und internationalen Hilfsorganisationen, die uns in dieser Katastrophe beistehen", haben Überlebende auf das Plakat gepinselt
REUTERS

Hilfestation in Unawatuwa: "Danke an die inländischen und internationalen Hilfsorganisationen, die uns in dieser Katastrophe beistehen", haben Überlebende auf das Plakat gepinselt

In Weligama, 30 Kilometer südlich der besonders schlimm verwüsteten Stadt Galle, ist das Technische Hilfswerk im Einsatz. Die Helfer aus Deutschland haben dort eine Wasseraufbereitungsanlage installiert, die täglich 25.000 Liter Trinkwasser produzieren kann. Zwei Teams sind vor Ort. Zum einen wird Wasser aus Flüssen aufbereitet, auch Brunnen werden rekonstruiert.

Unter den vielen Helfer finden sich etliche Ausländer, die ihren Urlaub in Sri Lanka verbracht haben, bevor die Welle das Urlaubsparadies zerstörte. Nun haben sie große Schaufeln in der Hand und graben - sie reparieren die Kanalisation.

Die Regierung gibt inzwischen die Zahl der Todesopfer mit 30.229 an. 3858 Menschen werden noch vermisst. Aus dem Osten der Insel melden Tamilen-Rebellen 14.000 Tote, von denen allerdings die meisten in den Regierungszahlen enthalten sein sollen.

Gemessen an der Einwohnerzahl von 20 Millionen ist Sri Lanka damit das am schwersten von der Naturkatastrophe betroffene Land.



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