Russland Explosion in Metro von Sankt Petersburg - Tote und Verletzte

In der Metro der russischen Großstadt Sankt Petersburg sind bei einer Explosion zahlreiche Menschen gestorben. Ein weiterer Sprengsatz wurde entdeckt - die Behörden sprechen von einem Anschlag.


In einer U-Bahn-Station im Zentrum der russischen Stadt Sankt Petersburg hat sich offenbar ein Anschlag ereignet. Die Behörden meldeten zehn Todesopfer. Es soll zudem mehr als 30 Verletzte geben, der örtliche Gouverneur sprach der Agentur Interfax zufolge von etwa 50 Verwundeten, zahlreiche Menschen kamen in Krankenhäuser. Unter den Opfern sind auch Kinder.

Die genauen Hintergründe der Explosion sind noch offen. Die Behörden sprechen mittlerweile aber von einem Anschlag.

Ein Fahrgast berichtete, er habe mindestens sechs leblose Körper gesehen. Er sei aufgefordert worden, mit anzupacken. Unter und über der Erde steht der Verkehr still. Die Menschen gehen zu Fuß und wirken relativ ruhig, wie SPIEGEL-ONLINE-Reporterin Christina Hebel beobachtete. Sicherheitskräfte riegelten das Zentrum ab, mehrere Hubschrauber waren vor Ort.

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Sankt Petersburg: Anschlag auf die U-Bahn

Ein "unbekannter Gegenstand" sei in einem U-Bahnwaggon auf der Fahrt zwischen zwei Stationen im Zentrum explodiert, zitierten russische Nachrichtenagenturen eine Mitteilung des U-Bahnbetreibers. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen zu der Detonation zwischen den Haltestellen Technologisches Institut und Sennaya-Platz aufgenommen.

Die Agentur Tass berichtete von zwei Detonationen in verschiedenen Waggons. Bei der Agentur Ria hieß es unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise, zu den Detonationen sei es sogar in mindestens zwei Bahnhöfen gekommen. Eine Bestätigung hierfür gab es zunächst nicht.

Weiterer Sprengsatz in anderer Metrostation entdeckt

Nach der Explosion entdeckte eine Anti-Terror-Einheit einen weiteren, nicht explodierten Sprengsatz in einer anderen Metrostation. Diese Bombe befand sich in der Metrostation Ploschtschad Wosstanija. Sie liegt direkt unter dem größten Bahnhof der Millionenstadt.

Der Zeitung "Vedomosti" zufolge soll es sich um verhältnismäßig kleine Sprengsätze handeln. Behördenmitarbeiter schätzten die Sprengkraft auf 200 bis 300 Gramm Dynamit, der Sprengsatz war demnach mit Metallteilen versehen.

Sämtliche Stationen der Metro wurden geschlossen und evakuiert. Der Katastrophenschutz ist im Einsatz. Fotos in sozialen Netzwerken zeigten Verletzte auf dem Bahnsteig und zerstörte Türen eines U-Bahn-Wagens.

Staatspräsident Wladimir Putin sagte laut Agentur Interfax: "Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht - ob es eine kriminelle Tat war oder sie einen terroristischen Charakter hat." Alle Anzeichen deuteten auf einen Terroranschlag hin, sagte Viktor Oserow, Abgeordneter im russischen Föderationsrat.

Putin ist derzeit zu einer Konferenz in Sankt Petersburg, er wollte in der Stadt den weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko treffen. Während der Detonation hielt sich Putin nach Angaben seines Sprechers im Vorort Strelna auf.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in Moskau mit zahlreichen Toten gegeben; 2010 waren 38 Menschen gestorben, als zwei Selbstmordattentäterinnen ihre Sprengsätze in der Moskauer Metro zündeten. Die meisten solcher Anschläge wurden in Verbindung mit islamistischen Terroristen aus Tschetschenien gebracht. In Sankt Petersburg gab es bislang keine Anschläge.

Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, schrieb auf Twitter: "Das sind furchtbare Nachrichten aus Sankt Petersburg: Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen und ihren Familien." Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drückte sein "tiefstes Mitgefühl" aus.

Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, vorerst in ihren Unterkünften zu bleiben - und die Ereignisse über die Medien zu verfolgen. "Den Anweisungen der Sicherheitskräfte ist unbedingt Folge zu leisten", heißt es.

mxw/ala/apr/heb/dpa/AFP/Reuters/AP

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