Starattacke Paris sucht bayerisches Dorf heim

Glonn ist ein idyllisches Dorf in Oberbayern - fernab der Welt Katastrophen, Politik und Stars. Trotzdem findet der kleine Ort immer wieder den Weg in die Schlagzeilen - ohne den Rummel zu suchen. Zu allem Überfluss kam jetzt auch noch Hotelerbin Hilton.

Von Dominik Baur


Hamburg - In der Marktgemeinde Glonn, rund 30 Kilometer südöstlich von München, scheint die Welt noch in Ordnung. Bei gutem Wetter sieht man den Wendelstein. Rund 4000 Menschen wohnen hier. Eingeweihten ist der Ort ein Begriff, weil dort vor rund hundert Jahren die große bayerische Schriftstellerin Lena Christ lebte, noch Eingeweihtere kennen auch Max Lebsche, den Pionier der Herzchirurgie, der aus dem Ort kommt, und Sonntagsausflügler aus der Großstadt kennen vor allem das Café Schwaiger, das Ziel zahlreicher Landpartien.

Hilton nach der Ankunft in Ischgl: "Die sieht im Fernsehen besser aus"
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Doch im 21. Jahrhundert, so möchte man fast meinen, ist es vorbei mit der Ruhe. In - zugegebenermaßen größeren -Abständen holt das Weltgeschehen die Glonner ein. Unversehens finden sie ihren Ort plötzlich nicht nur im Regionalteil der "Süddeutschen Zeitung", sondern auch in der "Tagesschau", der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" oder der "Bunten".

Angefangen hat es im August 2002. Da brach die Sintflut über das in einem Tal gelegene Dorf herein: Die namengebende Glonn, eigentlich ein kleines Bächlein, und der Kupferbach waren über die Ufer getreten und hatten sich zu reißenden Flüssen verwandelt. Was für manche Anwohner an Donau und Isar eine alle paar Jahre wiederkehrende Selbstverständlichkeit ist, traf die Glonner unvorbereitet. In den Straßen stand das Wasser brusthoch.

Es folgten drei Jahre Ruhe, dann standen Ende November 2005 am Marktplatz plötzlich die Übertragungswagen der großen Fernsehstationen. Grund: Eine Glonnerin war im Irak entführt worden. Susanne Osthoff, bis Mai 2005 in der Gemeinde gemeldet, war zwar erst vor einigen Jahren zugezogen und lebte so zurückgezogen, dass sie hier kaum jemand kannte. Doch für die "Schock in Osthoffs Heimat"-Berichte war der Ort gerade richtig. Die Glonner zuckten die Schultern, zündeten vor den Kameras ein paar Kerzen an und freuten sich für die Archäologin und sich selbst, als die zu Weihnachten wieder freikam und im Ort wieder Ruhe einkehrte.

Diesmal dauerte es aber nicht ganz so lange bis zur nächsten Störung: In der vergangenen Woche schreckte lautes Knattern die Dorfbewohner auf. Auf dem Hof von Bauer Georg N., so berichtet die Illustrierte "Bunte" nun, sei ein Hubschrauber gelandet. Prominenter Fluggast: Paris Hilton. Ausgerechnet die Suche nach einem stillen Örtchen war es, die so viel Lärm machte. Partygirl und Hotelerbin Hilton war nämlich gerade auf dem Weg zu einem Auftritt im Tiroler Ischgl, als sie ein dringendes Bedürfnis überkam.

Da der Hubschrauberunternehmer die Bauernfamilie in Glonn kannte, kam es zur ungeplanten Zwischenlandung auf dem Hof. Hilton suchte den Lokus auf, zwei Bodyguards postierten sich vor der Tür. Die Familie wurde für die Zeit des Geschäfts aus dem eigenen Haus verwiesen. Danach ging Hilton noch auf den Balkon - eine rauchen. Damit sie das einfache Dorfvolk nicht zu Gesicht bekam, kniete sie währenddessen auch noch. Einen guten Eindruck hinterließ der blonde Besuch aber ohnehin nicht. "Sie war kühl und fluchte übers Wetter", erzählt der 29-jährige Bauernsohn Josef N. "Ehrlich, die is nix B'sonderes. Die sieht im Fernsehen besser aus." Die Klobrille allerdings soll nun einen Ehrenplatz bekommen - oder versteigert werden.

Immerhin: Ein von Verona Feldbusch während ihres Besuchs im "Big Brother"-Container benutztes Dixi-Klo erzielte vor ein paar Jahren 12.000 Euro. So könnte die Ruhestörung für Familie N. doch noch ihr Gutes haben. Und Glonn kann nur hoffen, dass der nächste Anlass für Schlagzeilen wieder ein so glimpflicher ist.



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