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Statistik 2012: Deutsche Polizisten schossen 36 Mal auf Menschen

Alle zehn Tage schießt die deutsche Polizei gezielt auf einen Menschen - rein rechnerisch jedenfalls. Eine aktuelle Studie hat den Schusswaffengebrauch des Jahres 2012 ausgewertet. Fast immer war demnach Notwehr der Auslöser.

Polizist mit Schusswaffe: Statistik für 2012 vorgestellt Zur Großansicht
DPA

Polizist mit Schusswaffe: Statistik für 2012 vorgestellt

Hannover - Polizisten in Deutschland haben im vergangenen Jahr acht Menschen mit ihrer Dienstwaffe erschossen und zwanzig durch Kugeln verletzt. In insgesamt 36 Fällen und damit exakt so oft wie 2011 haben die Beamten gezielt auf Menschen geschossen. Weil sie nicht immer trafen, gab es weniger Opfer als Vorfälle. Diese Zahlen gehen aus Statistiken im Auftrag der Innenministerkonferenz (IMK) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.

Rein rechnerisch ergibt sich aus den Zahlen wie bereits in den Vorjahren, dass die Polizei jeden zehnten Tag Schusswaffen gegen Menschen einsetzt. Fast immer ist Notwehr der Auslöser - dieses Bild zieht sich ohne Ausreißer durch die gesamten vergangenen Jahre.

Der niedersächsische Innenminister und amtierende IMK-Vorsitzende Boris Pistorius (SPD) sagte: "Die Statistik über den Schusswaffengebrauch 2012 zeigt ganz eindeutig, dass unsere Polizeibeamtinnen und -beamte verantwortungsbewusst und nur in besonderen Ausnahmefällen die Schusswaffe gebrauchen." Das Land Niedersachsen hat in diesem Jahr den IMK-Vorsitz.

Von den 36 Fällen ging es in 35 um die Abwendung einer lebensbedrohlichen Situation. Auch die acht Todesopfer kamen bei solchen Notwehrhandlungen ums Leben. Im 36. Fall wollte die Polizei die Flucht eines Schwerverbrechers mit der Dienstwaffe vereiteln, dabei gab es einen Verletzten.

In 54 Fällen feuerten Polizisten vergangenes Jahr Warnschüsse ab und in 14 Fällen schossen sie auf Gegenstände - etwa Türen oder Reifen. Seit 1998 gab es 656 Fälle, in denen Polizisten auf Menschen zielten und auch abdrückten. Dabei starben 109 Personen.

In der jüngeren Vergangenheit hatte es immer wieder Diskussionen über die wachsende Zahl gewaltsamer Übergriffe auf Polizisten gegeben. Die Polizeigewerkschaften beklagen eine zunehmende Gewaltbereitschaft. Die Kriminalstatistik stützt dieses Bild. Demnach gab es vergangenes Jahr 30 Mord- und 54 Totschlagsversuche gegen Polizisten. Drei Beamte starben bei solchen Attacken. Gefährlich verletzt wurden Polizisten 2012 in 1762 Fällen.

Aber auch tödliche Polizeieinsätze sorgten in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen. Aufsehen erregte etwa der Fall eines geistig verwirrten Mannes, der im Berliner Neptunbrunnen von einem Polizisten erschossen wurde. 2010 erschossen Polizisten in Regensburg mit zwölf Kugeln den Studenten Tennessee E. - angeblich aus Notwehr.

Der Polizist Oliver Tschirner befragte 2009 für eine Masterarbeit Kollegen, die im Dienst einen Menschen getötet hatten. Eines seiner Ergebnisse: Viele Polizisten sind danach ein Leben lang traumatisiert. Nur ein Drittel kehre bald in den Dienst zurück. Beim zweiten Drittel gelten die Folgen als langwierig, oft müssen die Kollegen zum Innendienst. Das letzte Drittel leide fortwährend und sei lange therapiebedürftig.

rls/dpa

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