Olpe/Freudenberg - Nach 22 Stunden Stau ist der Verkehr auf der Sauerlandlinie zwischen Freudenberg und Meinerzhagen langsam wieder angerollt: Seit Dienstagnachmittag hatten Schnee und Eisglätte den Verkehr behindert und in Fahrtrichtung Dortmund für Staus von bis zu 40 Kilometern Länge gesorgt. Viele Autofahrer verbrachten die Nacht in ihren Fahrzeugen. Selbst für die Räumdienste war kein Durchkommen.
Nachdem liegengebliebene und querstehende Lastwagen auf Brücken und an Steigungen wieder frei geschleppt wurden, gab die Autobahnpolizei in Dortmund die Strecke am Mittwochnachmittag wieder für den Verkehr frei. Der Rückstau von noch rund 30 Kilometern werde sich bis zum Abend hin auflösen, hieß es.
"Es ist blanke Ironie", sagte Straßenwärter Stefan Holterhoff von der Autobahnmeisterei Freudenberg: Mit seinem voll beladenen Streuwagen, der doch eigentlich die Straßen freimachen soll, stand er sieben Stunden eingekeilt und handlungsunfähig zwischen Autos im Stau. Dann löste ihn ein Kollege im steckengebliebenen Laster ab.
Verkehrschaos und Riesenstau sind nach Einschätzung von Paul Helmes von der Autobahnmeisterei nicht nur auf das Wetter zurückzuführen. "Wir haben alles gegeben", sagte er. Aber unvernünftige Lastwagenfahrer hätten versucht, liegengebliebene Kollegen zu überholen und sich dann selbst quergestellt und die Bahn dicht gemacht. "Jeder der nicht entsprechend ausgerüstet ist, hätte abfahren sollen", sagte Helmes.
"Es war arschkalt und ich habe die Nacht über nicht geschlafen", sagt Karsten Heinrich. Der 29-Jährige aus Rietberg bei Gütersloh war erst kurz vor dem Stau auf die Sauerlandlinie aufgefahren und stand dann mehr als 15 Stunden im Stau. "Zwischendurch ging es einmal zehn Kilometer weiter." Er habe damit gerechnet, dass er nicht pünktlich nach Hause kommt - aber nicht damit, die ganze Nacht im 7,5-Tonner ohne Schlafkabine zu verbringen. Als seine Thermoskanne am Morgen geleert war, überraschten ihn aber die Helfer vom Roten Kreuz mit frischem Kaffee.
Bundeswehr versorgt Insel Hiddensee per Hubschrauber
Für die vom Eis eingeschlossene Ostseeinsel Hiddensee übernahm inzwischen die Bundeswehr die Versorgung: Zwei Marinehubschrauber brachten in mehreren Touren Lebensmittel, Medikamente, Post und andere notwendige Güter für die gut tausend Bewohner der Insel Hiddensee. Außerdem flogen sie die letzten 70 Urlauber aus. "Die Versorgung Hiddensees ist damit für die nächsten Tage gesichert", sagte Landrätin Kerstin Kassner.
Bei einem Verkehrsunfall auf glatter Straße im nordhessischen Waldeck kam ein 48-jähriger Autofahrer ums Leben, eine 51-jährige Frau wurde schwer verletzt. Der Wagen des 48-Jährigen war auf der Bundesstraße 485 ins Rutschen geraten und gegen das entgegenkommende Fahrzeug der Frau geprallt. Im Kreis Rottweil starb eine weitere Frau: Auf der Landstraße zwischen Vöhringen und Heiligenzimmern war gegen 4.30 Uhr ein Autotransporter ins Schleudern geraten. Ein Golf geriet unter den Transporter. Die Beifahrerin starb. Der Fahrer wurde schwer verletzt.
Südlich von Dannenberg in Niedersachsen verunglückte ein Autofahrer am Dienstagabend auf glatter Straße tödlich. Der 36-Jährige geriet auf der von Schnee und Eis bedeckten Fahrbahn der Bundesstraße 248 ins Schleudern und prallte frontal gegen einen entgegenkommenden Lkw. Starke Verkehrsbehinderungen und Unfälle gab es in der Nacht auch in fast allen anderen Bundesländern.
Im Sauerland und in Bayern stürzten schneebedeckte Hallen ein
An der Ostseeküste kamen in den Kreisen Bad Doberan und Güstrow Schüler nicht und in vielen anderen Kreisen nur teilweise oder mit Verspätungen in ihre Schulen. In Schleswig-Holstein fiel die Schule im ganzen Land aus. Auch hier gab es viele Unfälle auf glatten Straßen. In Bayern blieben nach Angaben des Kultusministeriums wegen des Wetters mehrere Schulen geschlossen.
Im Sauerland und in Bayern stürzten unter dem Gewicht der Schneemassen mehrere Hallen ein: In Attendorn brach am Dienstagabend eine Firmenhalle zusammen. Ein 59 Jahre alter Mann, dessen Auto neben der Halle stand, wurde in seinem Wagen von Trümmerteilen eingeklemmt und schwer verletzt, wie die Polizei erklärte. Er wurde geborgen und in ein Krankenhaus gebracht.
In Bayern stürzten zwei Lagerhallen ein, auch hier wurde laut Polizei niemand verletzt. Für die kommenden Tage sagte der Wetterdienst weitere Schneefälle vor allem für den Nordosten und die Mittelgebirge voraus, in der Südwesthälfte dürfte sich die weiße Pracht dagegen allmählich verabschieden. Im Oberrheingraben seien sogar Temperaturen von bis zu sieben Grad über Null möglich. Nachts ist weiterhin mit Glätte zu rechnen.
jjc/dpa/apn
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