Stierkampf in Katalonien: Auf in die letzte Schlacht, Torero

Tierquälerei oder kulturelles Erbe? In Katalonien stellt sich diese Frage künftig nicht mehr: Die Region verabschiedet sich vom Stierkampf. Am Sonntagabend sind Mensch und Tier in Barcelona ein letztes Mal gegeneinander angetreten - bejubelt von Tausenden Zuschauern.

Abschied vom Stierkampf: Auf in den letzten Kampf, Torero Fotos
AFP

Barcelona - Mit dem Einzug der Matadore hat am Sonntag der letzte Stierkampf in Katalonien begonnen. In die Arena Monumental in der Hauptstadt Barcelona waren zu dem historischen Ereignis am Abend rund 18.000 Zuschauer gekommen. Das Publikum applaudierte heftig für den berühmten Torero José Tomás sowie für den jungen Katalanen Serafín Marín und den Matador Juan Mora.

Marín war es vorbehalten, dem letzten Stier an diesem Abend den sogenannten Gnadenstoß zu versetzen. Insgesamt hatten die Matadore am Sonntag gegen sechs Stiere aus einer Zucht in der Stadt Salamanca im Landesinnern gekämpft.

Katalonien hatte im Juli 2010 ein Verbot der Stierkämpfe beschlossen. Die Region ist damit die erste auf dem spanischen Festland, die mit der jahrhundertealten Tradition der Stierkämpfe bricht. Die Kanarischen Inseln machten 1991 den Anfang. Das Verbot in Katalonien tritt formal erst im Januar 2012 in Kraft, faktisch jedoch bereits mit der letzten Corrida der Saison am Sonntagabend.

Tierschützer gegen Traditionalisten

Der Stierkampf ist mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien. Die Befürworter der Corridas betonen zudem die kulturelle Tradition der Kämpfe. Sie wollen mit einer Unterschriftensammlung erreichen, dass sich das Parlament in Madrid mit der Frage befasst. Die Tierschützer verweisen darauf, dass die blutigen Kämpfe anderswo in Spanien weiterhin stattfinden.

Nach dem vorletzten Kampf am Samstag hatten die Zuschauer die Matadore zu ihren Hotels begleitet und gerufen: "Katalonien ist für den Stierkampf!" Die Popularität der blutigen Tradition hat in Katalonien in den vergangenen Jahrzehnten allerdings immer mehr abgenommen, im einzigen Stierkampfstadion der Region - dem Monumental - fanden zuletzt noch 15 Kämpfe pro Saison statt.

Die oppositionelle spanische Volkspartei (PP), die als Favorit für die Wahlen im November gilt, hat vor dem Verfassungsgericht Einspruch gegen das Verbot erhoben. Deren Fraktion in Katalonien versucht zudem, die Umsetzung des Verbots zu verzögern. Viele Kritiker werfen den nach Unabhängigkeit strebenden Katalanen vor, sich weniger um den Tierschutz zu sorgen, als vielmehr zu versuchen, Spanien zu brüskieren.

otr/AFP/dpa/dapd

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insgesamt 39 Beiträge
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1. c
Steinwald 25.09.2011
einerseits kann ich die faszination für stierkampf nachvollziehen, ich denke weder die tierschützer mit ihren greuelberichten noch die befürworter mit ihren paradiesmärchen haben wirklich recht. dennoch, es ist ein antiquiertes ritual, bei dem einem tier vorsätzlich und im kern zur unterhalutng leid zugefügrt wird. das paßt einfach nicht in unsere zeit, immer mehr junge sapnier wenden sich von dem schauspiel ab, das bei außerachtlassung der qualen und fragwürdigkeit dee belustigung an ihnen tatsächlich faszinierend und von einer morbiden schönheit ist. trotzdem ist es natürlich gut daß damit nu schluß ist. apropos: in frankreich gehts dagegen munter weiter!!
2. Spanien, EU und Deutschland
buelthuis 25.09.2011
Naja, das wurde auch mal Zeit, daß die Spanier als EU-Land ihre jahrtausendealten altrömischen Gladiatorenspielchen aufgeben. Was haben die eigentlich mit dem Fleisch dieser Tiere angestellt? Soweit ich weiß, landete das beim Metzger. Aber exportiert haben die das wohl nicht, oder? Die EU schreibt jeden Murks vor bzgl. Fleischqualität und Schlachtverfahren, aber erlaubt diese Hunnenspiele? Nee, wohl nicht wirklch, die haben das wohl nur am Ort verkauft? Da müssen die Katalanen aber viel Rindfleisch gegessen haben, der Schlachter hat wohl noch Werbung damit gemacht: "Torro de la Corrida, noch blutig". Was wird nun aus den Arenen? Vielleicht lernen die endlich mal Fußball. Übrigens: Daß Deutsche Deutsche nicht mehr abknallen wie die Hasen, ist erst 22 Jahre her - Respekt vor Spanien.
3. Gladiatoren
rotertraktor 25.09.2011
Den Befürwortern des öffentlichen Schlachtens empfehle ich als Ersatz für ihr zweifelhaftes Vergnügen, dass sie sich selbst in der guten alten Tradition der Gladiatorenkämpfe mit Schwert und Schild oder Dreizack und Fangnetz in die Arena begeben ... ist bestimmt viel aufregender als nur zuzuschauen ... und bei Bedarf helfe ich auch gerne als Cäsar aus (der mit dem Daumen rauf oder runter;-). Nach diesem zaghaften Versuch einer moralischen Wende durch das Verbot der Corridas in Katalonien bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann die Entrüstung aus den Stierkampfarenen bis in die Schlachthöfe hinüberschwappt, wo nicht nur 6 Stiere, sondern zig-tausende Tiere tagtäglich teils auf bestialischste Weise umgebracht werden.
4. Auf nach Katalonien!
titule 25.09.2011
Ich fahre nächstes Wochenende da hin, damit der Tourismus nicht nachlässt! Olé!
5. Richtigstellung
chico 76 25.09.2011
Zitat von buelthuisNaja, das wurde auch mal Zeit, daß die Spanier als EU-Land ihre jahrtausendealten altrömischen Gladiatorenspielchen aufgeben. Was haben die eigentlich mit dem Fleisch dieser Tiere angestellt? Soweit ich weiß, landete das beim Metzger. Aber exportiert haben die das wohl nicht, oder? Die ......
1. Katalonien ist nicht gleich Spanien. 2. Es geht uns nichts an, welche Traditionen ein Land aufrecht erhält. Ich habe noch keinen Spanier kennengelernt, der sich darüber aufregt, dass wir in den meisten Gegenden Nutzvieh ihr Leben lang in engen Ställen halten, bevor sie geschlachtet werden. 3. Der spanische Kampfstier führt ein schönes Leben auf der Weide, deshalb ist sein Fleisch von unvergleichlich guter Qualität. Nur die letzten 10 Minuten seines Lebens gehts ihm nicht gut. 4. Wieviele Grosshunde werden bei uns in zu kleinen Wohnungen gehalten ? 5. Wer hat sich schon über Hahnenkämpfe ( Indonesien u.s.w.), Hundekämpfe, Springreiten ( Stichwort:Barring, dopen )in diesem Masse echauffiert ? Strohfeuerproteste bisher. 6. Die EU geht es auch nichts an. Die Gegner des Stierkampfes können mich nun steinigen, erfreulicherweise nur mit Geschriebenem Last not least, von Fussball scheinen Sie nicht viel Ahnung zu haben.
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