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Störfall: Japanisches AKW Tsuruga wird heruntergefahren

Defekte Brennstäbe im japanischen Reaktor Tsuruga II: Aus Sicherheitsgründen wird die Anlage in der Präfektur Fukui jetzt heruntergefahren. Im Katastrophenreaktor Fukushima sollen Filter die Luft so weit reinigen, dass Arbeiter die Stilllegung vorbereiten können.

Das AKW Tsuruga an der Westküste Japans: Probleme mit den Brennstäben Zur Großansicht
REUTERS/ Kyodo

Das AKW Tsuruga an der Westküste Japans: Probleme mit den Brennstäben

Tokio - Probleme mit den Brennstäben haben den Betreiber der Anlage Tsuruga II, die Japan Atomic Power Co., dazu veranlasst, den Meiler herunterzufahren. Jeder der insgesamt 193 Brennstäbe soll nun auf Löcher oder andere Schäden untersucht und wenn nötig ausgetauscht werden.

"Es gibt keine Auswirkungen auf die Umwelt", versicherte ein Mitarbeiter der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA dem Sender MBS News in Osaka. Das AKW liegt außerhalb der Erdbeben-Katastrophenzone in der Präfektur Fukui an der Westküste des Landes.

Am Montag hatte ein Anstieg radioaktiver Substanzen im Kühlwasser des Reaktors Hinweise auf leicht defekte Brennelemente gegeben. Laut Einschätzung der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln ist dies aber kein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Ähnliches komme auch in anderen Reaktoren weltweit vor.

Atomsicherheitschef entschuldigt sich für Katastrophe in Fukushima

NISA-Chef Nobuaki Terasaka hat sich für die Reaktorkatastrophe von Fukushima entschuldigt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. "Als die Person, die die Sicherheit der Atomkraftwerke regelt, entschuldige ich mich", sagte Terasaka dem Gouverneur der vom Unglück schwer getroffenen Präfektur Fukushima, Yuhei Sato.

Fast zwei Monate nach Erdbeben, Tsunami und dem Reaktorstörfall leben rund 130.000 Menschen weiter in Notunterkünften. "Es gibt wenig Anzeichen für eine Verbesserung", berichtet die Zeitung "The Kahoku Shimpo" aus der schwer getroffenen Präfektur Miyagi. Die Lebensumstände seien vielfach "abgrundtief schlecht".

Die Menschen lebten in Schulen oder Gemeindezentren, ohne Privatsphäre. Regierungsangaben zufolge müssen mindestens 72.000 Häuser gebaut werden, um die Situation zu entschärfen. Wer in ein neues Heim umziehen wolle, soll dies bis Mitte August auch tun können, versprach Japans Ministerpräsident Naoto Kan.

Filter für Fukushima

Der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima will erstmals seit dem Unglück wieder Arbeiter in den Reaktorblock 1 schicken. Wie Tepco am Dienstag mitteilte, wird derzeit ein Ventilationssystem installiert, um die verseuchte Luft in dem Gebäude zu reinigen. Anschließend sollen Experten in das Gebäude gehen, um die endgültige Stilllegung des Reaktors vorzubereiten.

Bei dem schweren Erdbeben und dem anschließenden Tsunami vom 11. März waren vier der sechs Reaktoren des AKW Fukushima schwer beschädigt worden. Seitdem versuchen Arbeiter, durch die notdürftige Kühlung der Reaktoren mit Wasser eine Überhitzung der Brennstäbe zu verhindern. Seit dem Unglück tritt radioaktives Material in die Umwelt aus.

Ab kommender Woche sollen ehemalige Bewohner der Sperrzone die Möglichkeit zu Kurzbesuchen in ihren Häusern bekommen. Mehrere Behördenvertreter aus den betroffenen Orten bereiteten sich am Dienstag in Übungen darauf vor, die Menschen zu begleiten, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Derweil verlangen mehrere Anteilseigner der fünf japanischen Stromkonzerne von den Unternehmen, ihre Atomkraftwerke zu schließen, berichtete der staatliche Sender NHK. Unter anderem reichten 400 Aktionäre des Unternehmens Tepco entsprechende Dokumente ein. Kritiker argumentieren, das Risiko atomarer Unfälle sei zu groß. Es wird erwartet, dass sich die Hauptversammlungen der Konzerne mit dem Thema befassen.

ala/dpa

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Mr Bounz 03.05.2011
1. "Als die Person, die die Sicherheit der Atomkraftwerke regelt, entschuldige ich mich" Mann kann sich nicht Entschuldigen, nur um Entschuldigung bitten!! 2. GRS: "Ähnliches komme auch in anderen Reaktoren weltweit vor." ... und genau das ist das Problem an der Atomtechnik, Sie ist überall auf der Welt nicht sicher. 3. "Es gibt keine Auswirkungen auf die Umwelt" ... ja, is schon klar! ;o) 4. "im Kühlwasser des Reaktors Hinweise auf LEICHT defekte Brennelemente gegeben." ... klingt wie ein bisschen Schwanger ... sehr Lustig!
2. Großtechnik
louis_quatorze 03.05.2011
Großtechnische Anlagen haben immer wieder Prozessfehler. Dagegen kann man wenig machen. Es kommt darauf an, wie gut man auf diese Fehler reagiert und hier ist die deutsche Atomindustrie weltweit an der Spitze, wenn nicht die Spitze. Man kann japanische Atomkraftwerke in ihren Sicherheitsvorkehrungen nicht mit Deutschen vergleichen. Deswegen sind solche Artikel auch für die deutsche Situation nicht relevant. In der Sicherheit legt eben jedes Land andere Prioritäten. Jetzt will man in Deutschland alles "abschalten" und raus aus der Technologie. Ist ja ein demokratisches Land. Aber: vox populi, vox Rindvieh. Und die anderen Länder freuts. Bleibt mehr Uran für sie.
3. Quellen?
PaulBiwer 03.05.2011
Zitat von louis_quatorzeGroßtechnische Anlagen haben immer wieder Prozessfehler. Dagegen kann man wenig machen. Es kommt darauf an, wie gut man auf diese Fehler reagiert und hier ist die deutsche Atomindustrie weltweit an der Spitze, wenn nicht die Spitze. Man kann japanische Atomkraftwerke in ihren Sicherheitsvorkehrungen nicht mit Deutschen vergleichen. Deswegen sind solche Artikel auch für die deutsche Situation nicht relevant. In der Sicherheit legt eben jedes Land andere Prioritäten. Jetzt will man in Deutschland alles "abschalten" und raus aus der Technologie. Ist ja ein demokratisches Land. Aber: vox populi, vox Rindvieh. Und die anderen Länder freuts. Bleibt mehr Uran für sie.
Könnten Sie das etwas detaillierter belegen?
4. Verfolgung der Verteilungswege
PaulBiwer 03.05.2011
Hier noch so ein Nebeneffekt: In einer Kläranlage wurde jetzt entdeckt,dass der Klärschlamm ziemlich stark strahlt.In weiteren Anlagen werden ähnliche Probleme vermutet.Jetzt werden die Arbeiter dort mit Dosimetern ausgerüstet. Der sportliche Teil ist,dass bereits 500 Tonnen von dem Schlamm an eine Zementfirma ging,die ihn im Beton verarbeitet.Es geht daher eine Suchaktion los, um herauszufinden,wo dieses Beton verarbeitet wurde. Die Logistik der Folgeerscheinungen wächst ständig. http://www.asahi.com/english/TKY201105020098.html
5. Das
Günter Bodendörfer 03.05.2011
mit der Luftreinigung hätte mich schon genauer interessiert. Welche und wieviel Luft, ist die dort irgendwo eingeschlossen? Auch darüber werden wir nichts erfahren, zumindest nichts was den tatsächlichen Zuständen entsprechen dürfte.
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.


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