Elterncouch

Elterncouch Tag am Meer? Ziemlich schwer

Strandurlaub: Hunderte Familien, ein Schicksal?
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Strandurlaub: Hunderte Familien, ein Schicksal?


    Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.

    Jonas Ratz schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Theodor Ziemßen und Juno Vai.

Strandurlaub mit Kindern ist wie ein Besuch in einem hervorragenden Restaurant mit Kindern: anstrengend. Selbst wenn die Strandmuschel endlich steht, und die Kleinen bis zum Kinn verbuddelt sind.

Es gibt wenig Schöneres als einen Tag am Strand. Oben zieht ein bisschen Wolkenwatte vorüber, unten ziehe ich meinen vierjährigen Sohn Frederik an der Hand eine Geröllhalde hoch. Noch 200 Meter bis zum Strand, nachdem wir vor gefühlt drei Stunden das Auto abgestellt und uns von der Zivilisation, wie wir sie kennen, verabschiedet haben.

Es ist nicht wirklich heiß. Aber warm genug für kurze Hosen und verschwitzte T-Shirts. Angesichts unseres Gepäcks kein Wunder: ein Rucksack mit Handtüchern, eine Verpflegungstasche, die Supermarkt-Tüte mit dem Sandspielzeug, meine Umhängetasche mit Geld, Schlüsseln und Taschenbuch. Und natürlich die Strandmuschel. Aber davon später mehr.

Noch vor 40 Jahren hätte man sich dafür in diesen Breitengraden wohl einen Lastesel gemietet. Aber vielleicht hätte man vor 40 Jahren auch schlicht Badehosen und ein Handtuch dabeigehabt.

Inflation macht auch vor Lichtschutz nicht halt

Als ich schließlich unter der Last zusammenbreche, haben wir praktischerweise den Sandstrand erreicht. Während ich ein wenig in der Sonne hyperventiliere, cremt Jana Frederik und seinen kleinen Bruder Oliver mit Sonnencreme ein - Lichtschutzfaktor 50. Ich muss dabei immer an die Achtzigerjahre denken: Damals bearbeitete meine Mutter mich mit Lichtschutzfaktor acht, das war viel zu der Zeit. Aber damals war man auch eine richtig große Nummer, wenn man von sich behaupten konnte, Millionär zu sein. Inzwischen wird man als Millionär ja eher belächelt von all den milliardenschweren Oligarchen und Start-up-Hipstern. Faktor 50 - die Inflation macht eben auch vor Lichtschutz nicht Halt.

Neben uns hat ein französisches Paar mit zwei Kindern ihr Lager aufgeschlagen, die beiden Kleinen laufen zum Wasser, Badehose und Badeanzug, nichts weiter. Frederik hingegen steckt in einem UV-Licht-abweisenden Ganzkörpermodell und trägt einen Sonnenhut, Oliver auch. Ich fühle mich in diesem Moment sehr deutsch, aber immerhin hat das Ganze einen gewissen Surfer-Neopren-Look, trotz der Entchen auf Olivers Anzug.

DER SPIEGEL

Nun zur Strandmuschel: Im Grunde die Light-Variante eines Alpin-Zeltes, was nicht bedeutet, dass sie weniger kompliziert in der Aufstellung wäre. Ich mühe mich gerade mit den Stangen ab, als eine Windböe die Zeltbahn erfasst und zu unseren französischen Nachbarn hinüberweht. Mein Französisch ist gut genug, um mich zu entschuldigen, aber glücklicherweise nicht gut genug, um zu verstehen, wie sie sich vermutlich gerade darüber wundern, warum der Familienvater da drüben sich auf eine Überwinterung vorbereitet. Die Muschel wird mit Heringen im Sand fixiert, einen davon hat allerdings Oliver schon verschleppt. Auch auf Nachfrage grinst er nur sein bezauberndstes Lächeln.

Nass werden - ohne Meer

Als die Strandmuschel steht, die Kinder eingecremt sind und das übrige Gepäck verstaut ist, ziehen die ersten Wolken auf. Frederik möchte jetzt eingegraben werden, Minuten später natürlich auch Oliver. Als beide weitgehend immobil unter Sandhaufen begraben sind und nur noch die Köpfe rausgucken, spielen Jana und ich kurz mit dem Gedanken, einen Gin Tonic trinken zu gehen.

Kontakt mit dem Meer nehmen beide im Übrigen auch unverbuddelt nur sporadisch auf, immer dann, wenn sie im grünen Eimerchen Wasser für die Sandburg holen. Als ich mit einem Kopfsprung in die Brandung tauche und eine halbe Minute später zitternd in der Strandmuschel sitze, weiß ich: Kinder und Tiere haben Instinkte, denen man ab und zu einfach vertrauen sollte.

Ohnehin brauchen wir nun nicht mehr das Meer, um nass zu werden, Regen hat eingesetzt, und wir packen hektisch unsere beträchtliche Habe wieder zusammen. Oliver hat noch einen Hering entwendet, Frederik findet seine linke Sandale nicht mehr, und ich kriege die Strandmuschel nicht mehr in ihre Tasche gequetscht. Es gibt wenig Schöneres als ein Tag am Strand.

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Zum Autor
  • Illustration: Michael Meißner
    Jonas Ratz,
    Vater von Frederik (4) und Oliver (1 1/2)

    Liebstes Kinderbuch: "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak (Oft habe ich das Gefühl: bei uns zu Hause...).

    Nervigstes Kinderspielzeug: mein Smartphone

    Erziehungsstil: Erziehung ist das, was passiert, während man daran scheitert, ein Vorbild zu sein.

    Sammelt: Kinderworte. Hafersocken statt Haferflocken, Sambalamba statt Salamander. Kennen Sie auch solche kreativen Abwandlungen? Schreiben Sie an kinderworte@spiegel.de.

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