Strenger Winter Extremkälte friert Europa ein

Deutschland genießt trotz Dauerfrost die Sonne - in Osteuropa aber haben die Minustemperaturen bereits Dutzende Menschen das Leben gekostet. Und es wird noch schlimmer: Jetzt nahen die kältesten Nächte des Jahres.

DPA

Hamburg - Die Zahl der Toten durch die extreme Kältewelle in Europa steigt weiter. In Osteuropa fielen binnen 24 Stunden mindestens 29 Menschen den eisigen Temperaturen zum Opfer. Damit wurden seit Beginn der Kältewelle vor einer Woche mindestens 87 Kältetote registriert. In einigen Regionen zeigte das Thermometer Temperaturen von bis zu minus 32,5 Grad an.

Vor allem in der Ukraine spitzt sich die Situation zu: Hier sind bei Temperaturen bis minus 30 Grad in nur einer Woche mindestens 43 Menschen erfroren. Hunderte Menschen werden noch mit Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt, teilte das ukrainische Zivilschutzministerium mit. Tausende Menschen versorgten sich in öffentlichen Wärmestuben mit kostenlosem Essen und Getränken, hieß es.

Auch in anderen Ländern Osteuropas starben bei der Frostwelle Menschen, darunter zahlreiche Obdachlose. Rumänien beklagt mindestens 14 Kältetote. In Bukarest fiel über Nacht in vielen Gebäuden zeitweise die Heizung aus, weil der Gasdruck in den Leitungen nachließ.

In Polen erfroren allein in der vergangenen Nacht laut Angaben des Innenministeriums sieben Menschen. Unter ihnen seien auch zwei Angler, die trotz eisiger Temperaturen am Ufer des masurischen Sniardwy-Sees fischen gegangen waren.

Bei Tagestemperaturen bis minus 20 Grad waren auf den Straßen Warschaus am Mittwoch nur diejenigen unterwegs, denen keine andere Wahl blieb. Während der Eisschollenteppich auf der Weichsel von Tag zu Tag dichter wird, ist die Lage vor allem für Menschen in schlecht beheizten Altbauten dramatisch. Das polnische Fernsehen zeigte Rentner, die in voller Winterbekleidung in den Häusern saßen. Kohleöfen reichten angesichts der Kälte oft nicht mehr zum Heizen aus.

Probleme könnte die Kältewelle auch bei den Vorbereitungen auf die Fußball-Europameisterschaft machen. In Warschau zum Beispiel wird weiter mit Hochdruck am Bau der neuen U-Bahn und der neuen Regionalbahnhöfe gearbeitet. Die durch die Bauarbeiten offen liegenden Wasser- oder Heizungsrohre sind nun ungeschützt und könnten bersten.

Im Osten Tschechiens wurde in der Stadt Karvina ein Obdachloser tot auf einer Wiese gefunden. Der Mann erfror nach ersten Erkenntnissen der Polizei, nachdem er eine Notunterkunft verlassen hatte. Auch in der Hauptstadt Prag war bereits eine Frau in Folge der Kälte gestorben. Zudem mussten viele Obdachlose wegen Unterkühlung behandelt werden.

Vilnius dehnt Öffnungszeiten der Obdachlosenasyle aus

In Serbien und Bosnien haben die Behörden einen Rettungseinsatz gestartet. Dutzende Menschen sollten mit Hubschraubern aus schneebedeckten Dörfern in Sicherheit gebracht werden. Zudem wurden Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete gebracht. Die klirrende Kälte führte zu Stromausfällen und einem Verkehrschaos. Zudem blieben vielerorts Schulen und Kindertagesstätten geschlossen.

Die klirrende Kälte dauert auch in den baltischen Staaten an: Mit minus 29,4 Grad wurde in der Nacht in der estnischen Kleinstadt Korela zum vierten Mal in Folge ein neuer Kälterekord gemessen. Die meteorologischen Institute in Estland, Lettland und Litauen erwarteten weiter sinkende Temperaturen in den kommenden Tagen. Zudem sind eisige Winde angekündigt.

In der lettischen Hauptstadt Riga waren die Obdachlosenunterkünfte bis auf den letzten Platz belegt. Sie stehen den Schutzsuchenden nun auch tagsüber offen. Auch in der litauischen Hauptstadt Vilnius wurden Öffnungszeiten der Obdachlosenasyle ausgedehnt. Für die meisten Schulen ordnete die Stadtverwaltung für die kommenden Tage kältefrei an.

In Litauen brach ein Autofahrer mit seinem Auto ins Eis ein, als er am Dienstag einen zugefrorenen See in Nähe der Stadt Trakai überqueren wollte. Der Wagen sank durch die berstende Eisdecke auf den sieben Meter tiefen Grund, die Insassen konnten sich retten, berichtet das Online-Nachrichtenportal Delfi.

Sonne und eisige Temperaturen in Deutschland

Während sich der Winter im Osten brutal gebärdet, herrscht in Deutschland vielerorts das perfekte Wintermärchen. Aber auch hier sinken die Temperaturen kontinuierlich. In der Nacht zum Mittwoch wurden vor allem im Osten der Republik sehr niedrige Werte gemessen. Am kältesten sei es in der Nacht mit minus 15,9 Grad auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald gewesen, sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. In München wurden minus neun Grad gemessen, in Hamburg minus sieben.

Die Menschen müssen sich aber noch dicker einpacken: Am Donnerstag sollen die Thermometer nirgendwo mehr über null Grad steigen - maximal würden minus zwei Grad an der Küste erreicht, berichtete DWD. Auch tagsüber sollen die Temperaturen hierzulande vielerorts in den zweistelligen Minusbereich rutschen. In weiten Teilen Deutschlands sei ein Winterspaziergang in der Sonne möglich, nur in Süddeutschland, an den Alpen und an der See bleibe es bewölkt. Unter bedecktem Himmel kann auch mit etwas Schnee gerechnet werden.

Die Nächte zu Freitag und zu Samstag sollen die kältesten des Jahres werden, sagte Malewski. Dann dürften im Nordwesten nachts die Temperaturen auf minus zehn, im Osten auf minus 17 Grad fallen. Zumeist bleibe es klar und trocken. Auch an den Tagen danach herrsche weiterhin Dauerfrost - am kältesten soll es im Süden und Osten mit höchstens minus elf Grad werden. In schneebedeckten Gebieten werde es noch kälter.

Durch den Wind sei die gefühlte Temperatur sogar noch deutlich niedriger und werde als sehr unangenehm empfunden, sagte Malewski. "Kälte bei minus 20 Grad ohne Wind ist leichter zu ertragen als bei minus fünf Grad mit Wind." Die Kälte aus Russland drückt die Temperaturen in Deutschland weiter in den Keller.

Schnee in Japan und Griechenland

Auch Griechenlands Hauptstadt wurde von den Ausläufern eines Schneetiefs heimgesucht: Schneeflocken fielen am Mittwochmorgen auf den Akropolis-Hügel, blieben allerdings bei Temperaturen um ein Grad Celsius nicht liegen. In einigen Vororten Athens lag eine etwa drei Zentimeter dicke Schneedecke auf den Straßen. Freiwillige Helfer versorgten dort und in anderen Städten Obdachlose mit warmen Getränken, Decken und Schlafsäcken. Allein in der 4,5-Millionen-Metropole Athen sind mehr als 20.000 Menschen obdachlos. Rund ein Drittel davon hat wegen der schweren Finanzkrise in den vergangenen zwei Jahren sein Zuhause verloren. In Nordgriechenland herrschten in der Nacht zum Mittwoch Temperaturen von bis zu minus 15 Grad.

Japan wird derzeit ebenfalls von Schneechaos heimgesucht. Bei heftigen Schneefällen kamen mindestens 50 Menschen ums Leben. Die Mehrzahl von ihnen war offenbar beim Schneeräumen auf Dächern abgestürzt.

ala/siu/dpa/dapd/AFP



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Seite 1
chronotrop 01.02.2012
1.
Deutschlandwetter: Einfache Regel erlaubt Winterprognose - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,808536,00.html) So lang ist das noch nicht her...und ich hatte mich schon FAST gefreut...
friedenspfeife 01.02.2012
2. Wenn es in der Ukraine
Zitat von sysopDeutschland genießt trotz Dauerfrost die Sonne - in Osteuropa aber haben die*Minustemperaturen bereits Dutzende*Menschen das Leben gekostet. Und es wird noch schlimmer: Jetzt*nahen die*kältesten*Nächte des Jahres. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812753,00.html
so kalt ist, werden die Europaer demnaechst wieder ueber einen angeblichen Gaslieferrueckgang oder sogar -stopp aus RUS schwadronieren koennen, da die bankrotte Ukraine, wie in den letzten Jahren ueblich, wieder Gas aus den Transitleitungen "abzwackt".
flower power 01.02.2012
3. Und
Zitat von sysopDeutschland genießt trotz Dauerfrost die Sonne - in Osteuropa aber haben die*Minustemperaturen bereits Dutzende*Menschen das Leben gekostet. Und es wird noch schlimmer: Jetzt*nahen die*kältesten*Nächte des Jahres. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812753,00.html
dieser kleine Wetterfrosch Donald vom Moma freut sich, dass es endlich mal einen schönen kalten Winter gibt. Der hat doch seine Socken falsch herum angezogen. Denn gleich , keine 2 Min. später erfolgte die Meldung über erfrorene Menschen in den östl. Staaten. TV pervers. Donald sitzt im warmen Appartment und trinkt seinen Glühwein bei Marzipan und Kino TV, während andere froh sind über den Winter zu kommen. Muss man sich so einen Wetterfrosch antun? Oder spricht hier die Möglichkeit das Unmögliche als möglich zu sehen zur eigenen Selbstwertsteigerung? Winter - klar, der gehört dazu, aber doch bitte auch die volle Dimension sehen, macht es Freude den Frost bis 1 m Tiefe ankündigen zu dürfen. Kachelmann war besser.
liesor 01.02.2012
4. Man nennt das Winter!
Zitat von sysopDeutschland genießt trotz Dauerfrost die Sonne - in Osteuropa aber haben die*Minustemperaturen bereits Dutzende*Menschen das Leben gekostet. Und es wird noch schlimmer: Jetzt*nahen die*kältesten*Nächte des Jahres. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812753,00.html
Es ist zwar schlimm, dass Menschen erfroren sind, aber es ist doch Winter! Was soll denn dieses Spiegel Geheule? Zieht Euch warm an!
lakechamplainer 01.02.2012
5. Die gefürchtete globale Erwärmung
Zitat von sysopDeutschland genießt trotz Dauerfrost die Sonne - in Osteuropa aber haben die*Minustemperaturen bereits Dutzende*Menschen das Leben gekostet. Und es wird noch schlimmer: Jetzt*nahen die*kältesten*Nächte des Jahres. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812753,00.html
Mehr von der gefürchten globalen Erwärmung kann man nicht ertragen. Wir müssen unverzüglich ein weltweit Carbon-Footprint-Steuer haben, um die kalten Temperaturen zu enden.
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