Stromausfall in Nordamerika Blackout dauert an

Auch 18 Stunden nach Beginn des Stromausfalls im Norden der USA und in Kanada sind noch Millionen Menschen von der Energieversorgung abgeschnitten. In der Ostküstenmetropole New York liegt das Geschäftszentrum in Manhattan weiter lahm. Laut Bürgermeister Bloomberg wird es noch Stunden dauern, bis es dort wieder Strom gibt.




Endloses Warten auf einen Bus: Viele der Menschen hier an der Haltestelle haben die Nacht im Freien verbracht und wollen endlich nach Hause
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Endloses Warten auf einen Bus: Viele der Menschen hier an der Haltestelle haben die Nacht im Freien verbracht und wollen endlich nach Hause

New York - Rund ein Viertel der Acht-Millionen-Stadt wird inzwischen wieder mit Strom versorgt. In Midtown Manhattan, im Geschäftszentrum, sind jedoch viele Gebäude weiter ohne Energie. Die Ampeln funktionieren nicht.

Bürgermeister Michael Bloomberg kündigte an, dass die U-Bahnen bis zum Freitagabend (Ortszeit) voraussichtlich nicht mehr fahren werden. Bis Montag werde sich die Lage aber wieder völlig normalisiert haben. Die Haushalte, die wieder Strom haben, forderte der Bürgermeister auf, den Energieverbrauch zu minimieren. Heute folgten viele New Yorker der Aufforderung Bloombergs, einen freien Tag zu nehmen und nicht zur Arbeit zu gehen.

Die Sonne geht auf: Wenigstens ist es nun wieder hell
AP

Die Sonne geht auf: Wenigstens ist es nun wieder hell

Bislang hat es allein in New York während des Stromausfalls 60 schwere Brände gegeben. Dabei sei ein Mensch ums Leben gekommen, außerdem wurde ein Feuerwehrmann verletzt. Häufigste Brandursache seien Kerzen gewesen, die von den Einwohnern im Dunkeln aufgestellt wurden.

Der Polizei zufolge kam es in New York nicht zu Plünderungen. Die Nacht war - was die Zahl der Verbrechen angeht - sogar ruhiger als jede andere sonst.

Zehntausende mussten unter freiem Himmel übernachten
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Zehntausende mussten unter freiem Himmel übernachten

Die vergangene Nacht hatten viele Gestrandete auf Wiesen und Parkbänken verbracht. Tausende, wenn nicht Zehntausende hatten den Central Park zu einem riesigen Open-Air-Hotel gemacht. Andere hatten sich zum Schlafen in Bahnhöfen, Bus-Stationen und den Foyers der Hotels niedergelegt. Hunderttausende hatten es in der vergangenen Nacht nicht geschafft, nach Hause zu kommen. In der Stadt, die niemals schläft, war es stockdunkel.

Auch heute ist die Ursache für den schlimmsten Stromausfall in der Geschichte Nordamerikas noch unklar. Menschen kamen durch den massiven Blackout, der sich am Donnerstag innerhalb von drei Minuten im Netz ausbreitete, nicht zu Schaden. Zeitweise waren nach Medienberichten rund 50 Millionen Menschen betroffen.

Die USA und Kanada schoben sich gegenseitig die Schuld für das Stromchaos zu: US-Regierungsstellen vermuten, dass die Ursache in einem kanadischen Elektrizitätswerk liegen könnte. Das US-Heimatschutzministerium schaltete sich in die Untersuchungen ein.

Auf kanadischer Seite hieß es dagegen, der Auslöser sei in den USA zu suchen. Ein früher konkreter Verdacht richtete sich gegen das Kraftwerk Niagara Mohawk. Ein Blitzeinschlag in das Kraftwerk im US-Bundesstaat New York sei für den Ausfall des gesamten Netzes verantwortlich, hieß es in Kanada. Diese Vermutung äußerte unter anderem das kanadische Verteidigungsministerium, wurde aber von den Behörden in New York später bestritten. Später hieß es, das Problem habe in einem Kraftwerk in Pennsylvania begonnen.

Rund 50 Millionen Menschen waren ohne Strom
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Rund 50 Millionen Menschen waren ohne Strom

Schon wenige Stunden nach Beginn des Blackouts hatte US-Präsident George W. Bush am Donnerstagabend in San Diego (Kalifornien) klar gestellt, dass es keinen terroristischen Hintergrund gebe.

Betroffen waren neben New York unter anderem auch Cleveland (Ohio), Detroit (Michigan), Erie (Pennsylvania), Toronto und Ottawa (Kanada), Niagara Falls (New York) und Niagara Falls (Kanada). Fast überall soll die Stromversorgung bis heute Nachmittag (Ortszeit) wieder funktioniert. Lediglich für Michigan wird erwartet, dass das Stromnetz erst am Sonntag wieder vollständig funktiniert.

Der Strom war am Donnerstag kurz nach 16.00 Uhr Ortszeit plötzlich weggeblieben. Sowohl im Nordosten der USA als auch in Kanada gab es ein riesiges Chaos. In Metropolen wie New York, Detroit und Toronto saßen Menschen stundenlang in Fahrstühlen und Zügen fest, es kam zu Verkehrszusammenbrüchen. Die Menschen in Bahnen und Fahrstühlen seien inzwischen alle befreit, hieß es.



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