Stromsperre nach Zahlungsrückstand Tragischer Tod einer Lungenpatientin

Zwischen Leben und Tod lagen 200 neuseeländische Dollar: Ein staatlicher Energiekonzern hat einer Familie in Auckland wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abgedreht. Die auf eine Sauerstoffpumpe angewiesene Mutter starb - nun beginnt die Suche nach dem Schuldigen.


Wellington - Bei den Ermittlungen um den tragischen Tod der 44 Jahre alten Folole Muliaga geht es vor allem um eine Frage: Wusste der Techniker, der den Strom abstellte, davon, dass die vierfache Mutter auf ein elektrisch betriebenes Beatmungsgerät angewiesen war?

Bürokratenopfer Muliaga: "Geben Sie uns eine Chance"
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Deren Sohn Iatitaia behauptet: Ja, der Mann wusste Bescheid. Der 20-Jährige erzählte heute dem Fernsehsender TV3, der von dem staatlichen Stromversorger Mercury Energy mit der Abschaltung beauftragte Vertragsunternehmer habe gesehen, dass seine Mutter eine Atemmaske trug. "Meine Mutter sagte noch: 'Geben Sie uns eine Chance.' Er erwiderte, er mache nur seinen Job." Wenig später habe seine Mutter über Kopfschmerzen geklagt und nichts mehr sehen können. Zwei Stunden später war sie tot. Dem Notarzt gelang es nicht mehr, die Frau zu reanimieren.

Ein Sprecher des Energieversorgers hingegen sagte, der Mitarbeiter habe nichts von der schweren Krankheit der Frau gewusst. Der Mann habe mit der Familie über die unbezahlte Rechnung gesprochen, aber nicht über den Gesundheitszustand Muliagas, berichtet Radio New Zealand auf seiner Website. Nach Angaben des Sprechers prüft das Unternehmen derzeit, wie es zum Tod der Frau kommen konnte. Es gebe im Prinzip klare Richtlinien, wie zu verfahren sei, wenn Menschen dringend auf medizinische Geräte angewiesen seien. Die Polizei in Neuseeland hat heute Ermittlungen zum Tod der Frau aufgenommen.

Mercury-Energy-Chef James Moulder äußerte sich bestürzt über den Vorfall. Es werde untersucht, was genau passiert sei. Moulder versicherte, die Stromversorgung für das Haus in Auckland werde wieder hergestellt, nachdem die trauernde Familie dort eine Nacht im Dunkeln verbringen musste.

Die 44-Jährige hatte vier Kinder im Alter von fünf bis 20 Jahren. Sie war Lehrerin, konnte ihrer Arbeit aber wegen der Erkrankung seit Februar nicht mehr nachgehen. Sie war erst vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden. Nach Angaben der Familie löste die Krankheit der Mutter finanzielle Schwierigkeiten aus. Die Rechnung habe sich auf 200 neuseeländische Dollar belaufen, umgerechnet etwa hundert Euro. Das Geld, berichtet der Sohn, hätte die Familie heute überweisen können.

ffr/AP/AFP



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