Nach Orkantief "Friederike" Erste Fernzüge sind wieder unterwegs

Am Morgen nach dem Komplett-Ausfall bei der Bahn durch Sturmtief "Friederike" läuft der Verkehr an - allerdings mit Einschränkungen.

ICE-Züge am Hauptbahnhof in München
DPA

ICE-Züge am Hauptbahnhof in München


Nach der Zwangspause wegen des Orkans "Friederike" ist der Fernverkehr der Deutschen Bahn am Freitagmorgen wieder angelaufen. "Die ersten Fernzüge sind unterwegs", sagte ein Bahn-Sprecher. Um 3.25 Uhr sei ein ICE aus München in Richtung Frankfurt-Flughafen losgefahren. Der Sprecher betonte aber, dass es "nach wie vor zu Einschränkungen kommen wird."

Wie groß diese Einschränkungen ausfallen, fällt den Angaben zufolge regional sehr verschieden aus: Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, hieß es in einer Mitteilung der Bahn. Hier werde es am Freitagmorgen noch zu starken Beeinträchtigungen und Zugausfällen kommen. Auch in Süddeutschland läuft der Verkehr noch nicht wieder reibungslos.

"Beim Fernverkehr kommt es in Bayern zunächst noch zu Ausfällen und Verspätungen", sagte ein Bahn-Sprecher. Grund dafür seien Einschränkungen auf Strecken weiter im Norden. Der Regionalverkehr laufe bereits wieder ohne Einschränkungen.

Alle Metropolen - mit Einschränkungen - wieder erreichbar

Insgesamt sollten die Züge im Süden Deutschlands den Angaben zufolge ab Freitagmorgen weitgehend normal verkehren. "Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden. Wir erwarten, dass bereits im Laufe des Vormittags alle Metropolen Deutschlands - mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein werden", hieß es in einer Mitteilung der Bahn.

Im Nahverkehr sollen die Züge in Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie im Norden Hessens im Laufe des Freitags nach und nach wieder anrollen, nachdem die Bahn den Verkehr wegen "Friederike" auch hier lahmgelegt hatte. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Verkehr am Wochenende bundesweit wieder weitgehend normal verläuft.

Wegen der Auswirkungen des Sturms "Friederike" hatte die Deutsche Bahn erstmals seit dem Orkan "Kyrill" im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt. Ihr Rat an Reisende: Sie sollen sich vor Beginn ihrer Bahnfahrt etwa auf www.bahn.de oder unter der kostenfreien Nummer 08000 996633 informieren.

Fotostrecke

20  Bilder
Orkantief: So wütete "Friederike"

"Friederike" war am Donnerstag mit großer Wucht über Deutschland gefegt, der Sturm gilt als einer der schwersten seit mehr als zehn Jahren. Mindestens acht Menschen kamen ums Leben, darunter zwei Männer aus Sachsen-Anhalt. Vielerorts wurde zeitweise Windstärke 12 und mehr gemessen. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge.

Einschränkungen für Autofahrer

Auch mit dem Auto kamen Menschen wegen des Sturms vielerorts nur mit Mühe voran. Etliche Straßen waren wegen umgestürzter Bäume nicht passierbar. Autofahrer müssen auch am Freitag noch mit Einschränkungen rechnen.

Wegen der Gefahr umstürzender Bäume sollte die Autobahn 7 an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen in Richtung Süden laut Polizei voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt bleiben. Probleme auf den Straßen gibt es auch in Westsachsen: Die Autobahn 72 in Richtung Bayern war in der Nähe von Zwickau nach einem Lastwagen-Unfall mit drei Fahrzeugen in der Nacht dicht. Die Polizei geht davon aus, dass das bis zum Morgen so bleibt. Ein Lastwagen war hier in ein Stauende gerast, zwei Männer starben.

"Friederike" hatte in etlichen Regionen Deutschlands für Chaos auf den Straßen gesorgt. In Köln schaffte es eine Schwangere wegen einer sturmbedingten Straßensperrung nicht rechtzeitig ins Krankenhaus, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Frau bekam ihr Baby demnach im Beisein des Vaters im Auto - mit Unterstützung der Feuerwehr am Telefon.

Über den Notruf sei die Nachricht von der beginnenden Geburt eingegangen, heißt es in der Mitteilung. Der Leitstellendisponent gab am Telefon fortwährend Anweisungen - bis er im Hintergrund das Neugeborene schreien hörte. Der kleine Junge, Anton, kam noch vor der Ankunft von Rettungsdienst und Notarzt auf die Welt.

Video: Tote und Verletzte durch Orkan

Wegen "Friederike" waren außerdem zahlreiche Haushalte in Ostdeutschland von der Energieversorgung abgeschnitten, wie die Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in Chemnitz berichtete. Nach Angaben des Unternehmens waren am Donnerstag zeitweise bis zu 140.000 Kunden ohne Strom, nachdem Masten, Leitungen und andere Anlagen durch den Orkan beschädigt worden waren.

Auch in den Nachbarländern sorgte "Friederike" für Chaos. Auf Gleisen und Straßen ging nichts mehr, der Amsterdamer Flughafen Schiphol strich kurzzeitig alle Flüge, weil der Wetterdienst die höchste Alarmstufe ausgerufen hatte. Zwei Männer kamen in den Niederlanden durch herabfallende Äste und umgestürzte Bäume ums Leben. In Belgien starb eine Autofahrerin.

Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt. Um Mitternacht hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die letzten Unwetterwarnungen auf. Am Tag weht der Wind den Angaben zufolge an der See und in den Bergen noch stürmisch. Probleme drohen weiterhin durch glatte Straßen. Es seien immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer möglich. An den Alpen erwartet der DWD kräftige Schneefälle.

bam/aar/AFP/dpa



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
curiosus_ 19.01.2018
1. So so, im Süden Deutschlands...
...sollen die Züge wieder weitgehend normal fahren. Wie z.B. der IC 2268 von Ulm nach Karlsruhe? Der laut Bahn-App immer noch pünktlich unterwegs ist, in einem Gebiet das seit Wochen keinen Sturm gesehen hat? Leider ist der nur virtuell unterwegs, ganz real ist der komplett ausgefallen.
verstehe-ich-nicht 19.01.2018
2. Chaos pur
man soll sich informieren... Ja wie denn, wenn die EDV der DB Züge als pünktlich anzeigt, die überhaupt nicht fahren, wenn das Personal am Bahnsteig offen zugibt, dass sie nicht wissen, wann und ob überhaupt ein Zug fährt - schuld ist mal wieder „die EDV, die sind noch nicht so weit“ - lächerlich!
ein-berliner 19.01.2018
3. Trauerspiel: Verkehr bei Wind
Wieviel Friederiken müssen noch durch das Land fegen bis die Bahn störungsfrei läuft? Gibt es immer noch Bäume in Trassennähe? Vielleicht versucht man es einmal mit Vorbeugung! Aber aufgepasst: Im Winter kann es stellenweise zu Schneefall kommen.
traumflieger 19.01.2018
4. da fährt kein Zug
Vielleicht sollten die lieben Redakteure mal zum Berliner Hbf gehen und sich von der Realität überzeugen. Leider stimmen die Informationen der Bahn-App gar nicht.
Anindo 19.01.2018
5. Die Verantwortlichen für diese Unverschämtheit...
...gehören mindestens entlassen. Den ganzen Tag kein Zug, dabei war der Sturm etwa 3 Stunden lang, was auch jede Wetter-App vorhergesagt hat. Danach waren es vielleicht noch 20 Km/h hier nähe Euskirchen, also deutlich ruhiger als die Tage davor. Problem ist, die Bahn verdient mit Zugausfällen an Werktagen viel Geld, da die Zeitticket ja bezahlt wurden und es keine Schadensersatzansprüche gibt, die Züge aber keine Kosten verursachen. Warum funktioniert die Bahn nicht wie jeder Supermarkt, der morgens pünktlich öffnet? Das ist reine Unfähigkeit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.